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Vor EZB-Entscheid: Banken knausern bei Tagesgeldzinsen, beim Festgeld sind sie generöser

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 23, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Vor EZB-EntscheidBanken knausern bei Tagesgeldzinsen, beim Festgeld sind sie generöser

Die Durchschnittszinsen bundesweit verfügbarer Angebote für Tagesgeld liegen derzeit bei 1,38 Prozent. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)

Heute steht erneut ein EZB-Zinsentscheid an. Marktbeobachter gehen davon aus, dass die Währungshüter die Leitzinsen unverändert lassen. Die jüngste Anhebung der Zinsen hatte die Mehrheit der Banken nicht an ihre Tagesgeldanleger weitergegeben.

Parken Banken und Sparkassen Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB), erhalten sie derzeit dafür noch 2,25 Prozent Zinsen. Heute steht erneut ein Zinsentscheid der Notenbanker an. Erwartet wird, dass die EZB den Zins unverändert lässt.

Schon vor der anstehenden Entscheidung haben viele Banken ihre Festgeldzinsen angehoben. Die Durchschnittszinsen bundesweit verfügbarer Festgeldanlagen mit einem Jahr Laufzeit standen zu Beginn des Iran-Kriegs Anfang März bei glatt 2 Prozent und liegen aktuell bei 2,35 Prozent. Zweijährige Anlagen sind im selben Zeitraum von 2,07 auf 2,44 Prozent gestiegen. Die Zinsen der sehr langfristigen Festgelder mit zehn Jahren Laufzeit kletterten von 2,51 auf aktuell 2,9 Prozent.

Damit liegen die durchschnittlichen Festgeldzinsen in allen ausgewerteten Laufzeiten oberhalb des aktuellen EZB-Einlagezinssatzes von 2,25 Prozent. Das bedeutet, dass die Banken Festgeldanlegern im Schnitt höhere Zinsen bieten, als sie selbst einstreichen, wenn sie Spargelder ihrer Kunden bei der EZB parken. Das gab es zuletzt unmittelbar nach dem Ende der Nullzins-Ära im zweiten Halbjahr 2022. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Auswertung des Vergleichsportals Verivox.

„Die Banken nutzen Spargelder zur Finanzierung ihres Kreditgeschäfts und verdienen an der Zinsdifferenz. Wenn sie sich das Geld für die Kreditvergabe am Kapitalmarkt besorgen, sind ihre Zinskosten derzeit ebenfalls sehr hoch. Spareinlagen sind für Banken also nach wie vor lukrativ. Entsprechend groß ist der Wettbewerb und das sorgt für attraktive Konditionen“, sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. 

Festgeldkonten im Vergleich

Wichtiger als der nominelle Zinssatz ist für Sparer aber der Realzins – also die tatsächliche Wertentwicklung ihrer Anlagen unter Berücksichtigung der inflationsbedingten Teuerung. Bei einer Inflationsrate von aktuell 2,3 Prozent in Deutschland bringen durchschnittliche Festgelder unabhängig von der Laufzeit eine leicht positive Realrendite.

Vier Prozent sind drin – vorübergehend

Eine deutliche Mehrheit aller Banken und Sparkassen hat die jüngste Leitzinserhöhung im Juni bislang nicht an ihre Tagesgeldanleger weitergegeben. Seit dem EZB-Entscheid im Juni haben lediglich 17 Prozent von insgesamt 823 ausgewerteten Banken und Sparkassen ihre Tagesgeldzinsen erhöht – im Schnitt um 0,18 Prozentpunkte. Die Durchschnittszinsen bundesweit verfügbarer Angebote stiegen leicht auf 1,38 Prozent. Vor dem letzten Notenbanktermin lagen sie bei 1,33 Prozent, die Durchschnittszinsen sind seitdem somit um 0,05 Prozentpunkte gestiegen.

Bei den regionalen Geldhäusern müssen sich Tagesgeldanleger im Schnitt mit wesentlich niedrigeren Zinsen begnügen: Die Sparkassen zahlen durchschnittlich 0,41 Prozent aufs Tagesgeld. Bei den regionalen Genossenschaftsbanken, also insbesondere den örtlichen Volks- und Raiffeisenbanken, liegen die Zinsen im Schnitt bei 0,47 Prozent.

Wer Angebote vergleicht, kann sich aber deutlich höhere Zinsen sichern. In der Spitze zahlen Banken derzeit bis zu 4 Prozent (unter anderem Chase) Zinsen aufs Tagesgeld. So hohe Zinsen bieten die Geldhäuser allerdings lediglich Neukunden und denen auch nur für einen begrenzten Zeitraum von einigen Monaten. Danach greifen deutlich niedrigere Bestandskundenzinsen. Wer dauerhaft sehr hohe Zinsen einstreichen möchte, muss sich dann eine andere Bank mit attraktiven Neukundenzinsen suchen und dort erneut ein Tagesgeldkonto eröffnen.

Tagesgeldkonten im Vergleich

Sparer, die nicht regelmäßig wechseln wollen, achten beim Zinsvergleich am besten auf gute Standardkonditionen. Unter den deutschen Banken liegt der höchste Bestandskundenzins aktuell bei 2,5 Prozent (Ascory Bank), bei Banken mit Sitz im europäischen Ausland gibt es bis zu 2,6 Prozent (Ferratum).

Quelle: ntv.de, awi

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Dr. Heinrich Krämer
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