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Politik

Vorbereitung auf mögliche Blackouts: Wenn auf einmal der Strom weg ist

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 22, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 22.07.2026 • 10:43 Uhr

In Berlin waren Anfang des Jahres etwa 50.000 Haushalte ohne Strom. Wie kann sich Deutschland besser auf solche Szenarien vorbereiten?

Von Marko Rösseler und David Zajonz, WDR

In seinem Altenheim ist Michael Zeebe ganz plötzlich zum Star geworden. Der Berliner Pflegeheim-Bewohner war früher Feuerwehrmann, das Thema Stromausfall beschäftigt ihn schon lange.

Deshalb hat er sich ein kleines Kurbelradio angeschafft. „Und so hatte ich das Radio zum richtigen Zeitpunkt parat und konnte trotz Stromausfall die Nachrichten verfolgen“, erzählt Zeebe.

Handynetz ausgefallen, Heizungen funktionierten nicht

Während des Stromausfalls im Januar waren in Berlin etwa 50.000 Haushalte ohne Strom. Im Heinrich- und Margarete-Grüber-Haus, in dem Michael Zeebe wohnt, mussten 70 Pflegeheimbewohner versorgt werden.

Kommunikation war kaum möglich, sagt Einrichtungsleiterin Anja Geserick. Das Handynetz war ausgefallen, die Schwesternrufanlage ebenfalls. Zu Beginn gab es außerdem kein Licht. „Die Bewohner mussten zu dem Zeitpunkt in ihren Zimmern bleiben, weil die Sturzgefahr sehr hoch war“, so die Einrichtungsleiterin. Weil die Schwesternrufanlage nicht funktionierte, konnten die Bewohner keine Hilfe rufen. Das Personal musste zusätzliche Kontrollgänge durchführen.

Panik sei nicht ausgebrochen, sagt Einrichtungsleiterin Geserick. Die meisten Bewohner seien im Bett geblieben. „Denen war kalt, die haben sich ins Bett gekuschelt.“ Wegen des Stromausfalls war auch die Heizungsanlage ausgefallen.

Bundesnetzagentur will Stromsystem besser schützen

Der Stromausfall in Berlin war mutmaßlich die Folge eines Sabotageakts. Eine Gruppierung mit dem Namen „Vulkangruppe“ hat sich dazu bekannt. Der Berliner Verfassungsschutz ordnet sie der linksextremen Szene zu.

Die Bundesnetzagentur denkt zusammen mit der Energiebranche darüber nach, wie das Stromsystem sicherer gemacht werden kann. „Das können größere Zäune rund um Umspannwerke sein, das können Überwachungen an besonders vulnerablen Stellen sein“, sagt Markus Doll, der bei der Bundesnetzagentur den Bereich Anlagen- und Netzwerkbetrieb leitet. „Aber eine komplette Überwachung des gesamten Stromsystems ist auszuschließen.“

„Da sind wir absolute Weltklasse“

Einen hundertprozentigen Schutz hält auch Hendrik Neumann nicht für möglich. Er ist Geschäftsführer des Übertragungsnetzbetreibers Amprion. Allerdings betont er das hohe Niveau der Versorgungssicherheit in Deutschland. „Da sind wir absolute Weltklasse“, sagt Neumann.

Die Bundesrepublik profitiere dabei von ihrer Einbindung in das europäische Verbundnetz. „Das ist das größte Stromnetz der Welt“, so Neumann. „Grundsätzlich muss man sagen, dass große Störungen sehr, sehr selten und auch unwahrscheinlich sind“.

Zunahme von Cyberangriffen

Eine große Gefahr für die Stromversorgung sind Cyberangriffe. Allein im Jahr 2024 habe es 769 Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen gegeben, eine Zunahme von 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr, so die Bundesnetzagentur. „Ich denke, die Tendenz wird weiter zunehmen“, so Markus Doll von der Netzagentur.

Rolf von Uslar, Generalarzt bei der Bundeswehr, rechnet einen erheblichen Teil dieser Angriffe dem „russischen Bereich“ zu. Er spricht von einem „systematischen Austesten unserer Schwachstellen“.

174 schwarzstartfähige Kraftwerke in Deutschland

Amprion versucht, seine IT-Systeme besonders zu schützen. „Der effektivste Schutz ist es, diese Systeme von der Außenwelt, also vom Internet, abzukoppeln“, so Geschäftsführer Neumann. „Das tun wir.“

Sollte es dennoch zu einem großflächigen Stromausfall kommen, haben schwarzstartfähige Kraftwerke eine wichtige Bedeutung. Sie können auch dann hochfahren und Strom erzeugen, wenn gerade kein Strom durch das Netz fließt. In Deutschland gibt es 174 dieser Kraftwerke, so die Bundesnetzagentur. Damit könne der Netzwiederaufbau nach einer Großstörung bewerkstelligt werden.

Verbesserungsbedarf bei Krankenhäusern?

Generalarzt Rolf von Uslar, der für die Bundeswehr arbeitet, sieht im Bereich der Krankenhäuser Verbesserungsbedarf. Die sind in Deutschland dazu verpflichtet, eine Notstromversorgung von 24 Stunden sicherzustellen. Diese gesetzliche Reserve hält von Uslar für zu dünn.

Benno Fritzen hat als Feuerwehrmann einen großen Stromausfall im Münsterland erlebt. Er appelliert an die Bevölkerung, Vorräte anzulegen. „Wenn wir an Tag zwei sind, fällt vielen Menschen auf, dass es ihnen an Grundnahrungsmitteln fehlt“, sagt Fritzen. „Und das entscheidende Grundnahrungsmittel ist Trinkwasser.“

Bei einem Stromausfall könne sich die Bevölkerung nicht darauf verlassen, vom Staat mit Essen versorgt zu werden. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe rät dazu, genug Vorräte zu Hause zu haben, um sich zehn Tage lang versorgen zu können.

Mehr zu diesem Thema sehen Sie in der ARD-Story Blackout – Wie sicher ist unser Stromnetz?

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Dr. Heinrich Krämer
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