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Politik

VW-Aktie setzt sich an die DAX-Spitze

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 4, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Marktbericht

Stand: 04.09.2026 • 14:36 Uhr

Der Kompromiss im Aufsichtsrat zum Sanierungskonzept bei VW kommt bei Investoren gut an – auch andere Autoaktien steigen. Entscheidende Punkte rund um die Zukunft des Wolfsburger Konzerns bleiben indes ungeklärt.

Beim Blick auf die DAX-Anzeigetafel an der Frankfurter Börse erleben Aktionäre des Volkswagen-Konzerns heute ein seltenes Glücksgefühl. Die VW-Vorzugsaktie führt den deutschen Leitindex an und gewinnt fast sechs Prozent. In der Spitze lag sie am Morgen sogar noch höher. Auch andere Autoaktien, die im DAX reichlich vertreten sind, sind begehrt.

Die anderen Papiere des Volkswagen-Universums legen ebenfalls zu. VW-Stammaktien, die nicht im DAX enthalten und nur zu knapp neun Prozent im Streubesitz sind, steigen mit den Vorzugsaktien.

Die mittlerweile im MDAX enthaltenen Papiere der VW-Holding Porsche SE gewinnen etwas über drei Prozent. Über die Holding kontrollieren die Familien Porsche und Piech den Wolfsburger Autobauer.

Überraschende Einigung im Aufsichtsrat

Die Anleger verteilen damit Vorschusslorbeeren nach der überraschenden Einigung des VW-Aufsichtsrats am Vorabend zum Sanierungskonzept des angeschlagenen Konzerns. Überraschend deshalb, weil im Vorfeld teils unversöhnliche Positionen der beteiligten Kapitaleigener, Beschäftigten und der Politik aufeinander getroffen waren.

Vier Werke stehen zur Disposition, 50.000 Stellen sollen abgebaut werden – davon rund die Hälfte in Deutschland. Vorstandschef Oliver Blume hatte zuletzt auf Betriebsversammlungen mit eindringlichen Worten ein bedrohliches Szenario für den Konzern gezeichnet, wenn nicht gegengesteuert werde. Zu hohe Produktionskosten, US-Zölle und ein Wegbrechen des chinesischen Marktes haben den Autobauer ins Wanken gebracht. Zudem tut sich VW mit dem Umstieg vom Verbrenner zum E-Auto schwer.

„Positive Überraschung“

„Das Ergebnis ist eine positive Überraschung, offenbar konnte sich die Unternehmensleitung weitgehend durchsetzen“, schrieben die Analysten des Bankhauses Metzler. Sie schätzen die Kosten für die geplante Restrukturierung auf bis zu zehn Milliarden Euro.

Die Analysten der Deutschen Bank bewerteten die Einigung als einen pragmatischen Kompromiss, nicht so sehr als eine Richtungsänderung. „Aber sie beseitigt eine der größten Sorgen der Investoren: ob der Konzern überhaupt in der Lage ist, schwierige Entscheidungen zu fällen, um die Herausforderungen zu bewältigen.“

Dass man sich so zügig einigen konnte, zeige, dass Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite doch an einem Strang zögen, erklärte auch Moritz Kronenberger, Fondsmanager bei Union Investment. „Dies sollte wegweisend für die Zukunft von Volkswagen sein“, sagte der Konzernkenner. „Jetzt liegt der Ball gänzlich beim Vorstand. Es gibt nun keine Ausreden mehr.“

„Arbeit beginnt jetzt“

Doch viele Fragen bleiben weiterhin offen. „Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt“, sagte Volkswagen-Großaktionär Wolfgang Porsche. Unklar bleibt etwa weiterhin die Zukunft der VW-Werke Emden, Zwickau, Hannover und des Audi-Werks in Neckarsulm. Investoren dürften genau im Blick behalten, ob der Wolfsburger Konzern andere Nutzungsmöglichkeiten der Standorte jenseits der bisherigen Autoproduktion findet.

Ebenso dürfte die Politik weiterhin unter Druck bleiben, sich für wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen und eine förderliche Handelspolitik zugunsten der deutschen Autoindustrie einzusetzen. Sind neue Handelsschranken gegen China die Lösung, um der Autobranche das Schicksal der Solarbranche zu ersparen? Und wie wollen deutsche Industriebetriebe generell mit der hohen Kostenbelastung im internationalen Wettbewerb bestehen?

Auch der Beitrag der Eigentümerfamilien bleibt im Unklaren – bis zuletzt wurden bei VW üppige Dividenden gezahlt, zuletzt 5,26 Euro je Vorzugs- und 5,20 Euro je Stammaktie für 2025.

DAX über 26.000 Punkte

Der deutsche Leitindex DAX behauptet sich derweil am Mittag über der Marke von 26.000 Punkten und legt leicht um gut 0,2 Prozent zu. Für Bewegung dürften noch neue Zahlen vom US-Arbeitsmarkt sorgen, die für die Zinspolitik der US-Notenbank wichtig sind.

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