Mehr als 200.000 Menschen wurden vor den Bränden im Südwesten Frankreichs in Sicherheit gebracht. Trotz günstigerer Wetterbedingungen ist das Feuer weiter außer Kontrolle. Die Einsatzkräfte werden mit zusätzlichen Soldaten verstärkt.
In Le Porge, einer der Gemeinden, die das Feuer am härtesten getroffen hat, kämpfen die Feuerwehrleute weiter gegen die Flammen. Auf Fernsehbildern ist deutlich zu sehen, wie dichter Rauch den Himmel verdunkelt.
„Der Wind hat das Feuer hierher getragen“, berichtet ein Feuerwehrmann französischen Reportern. Industrieanlangen und Wohnhäuser seien bedroht gewesen. „Wir müssen entscheiden: Was ist bedroht? Was können wir retten – und was nicht? Wir haben nur begrenzte Vorräte an Wasser, die wir nicht auf dieses Haus verwenden konnten, das die Flammen schon erfasst hatten. Es war aus unserer Sicht verloren – und wir konzentrieren unsere Ressourcen auf das, was nur bedroht war.“
Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sollen bis zum Abend 1.500 Soldatinnen und Soldaten in die Waldbrandgebiete entsandt werden – hauptsächlich, um bei der Evakuierung der betroffenen Gebiete zu helfen. Das Feuer nördlich der Bucht von Arcachon ist noch immer nicht unter Kontrolle. Bereits jetzt haben die Flammen eine Fläche verwüstet, die dreimal so groß ist wie Paris.
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Regen und sinkende Temperaturen
Doch zumindest sind die Wetterbedingungen etwas besser: dank der Regenfälle in der vergangenen Nacht und sinkender Temperaturen. „Wir versuchen, diese Entspannung zu nutzen, um das Feuer an seinen Rändern zu attackieren“, so Innenminister Laurent Nuñez am Mittag. „Das bedeutet mehrere Dinge: Es bedeutet Gräben anzulegen, um das Feuer zu bremsen – oder taktische Feuer zu legen, um eine weitere Ausbreitung des Brandes zu verhindern.“
Nuñez bestätigte, dass ab dem Nachmittag ein speziell umgebautes Militärflugzeug des Typs A400M für die Brandbekämpfung im Einsatz ist. Ursprünglich war das erst ab Mitte kommender Woche geplant. Der A400M kann bis zu 20 Tonnen Flammschutzmittel auf einmal abwerfen.
Ausharren in Notunterkünften
Tausende Menschen, die vor den Flammen in Sicherheit gebracht wurden, harren unterdessen in Notunterkünften aus, etwa auf dem Messegelände im Norden von Bordeaux, wo sich Feldbetten aneinanderreihen.
„Gestern Abend haben wir nur den Himmel gesehen und ein bisschen Asche, die auf uns gelandet ist. Und deswegen war es heute früh ganz komisch, dass wir losfahren müssen, obwohl die Situation für uns besser als gestern Abend war“, erzählt Clélia Brard dem ARD-Team vor Ort. Sie kommt aus Paris und war in der Region im Urlaub.
Zwar habe sie das Feuer selbst nicht gesehen, sagt Clélia, doch sie und ihre Familie mussten das Ferienhaus bei Tagesanbruch verlassen. Um drei Uhr nachts sei sie per SMS informiert worden, dass sie Richtung Bordeaux fahren müssten, erzählt sie. „Ungefähr, so würde ich sagen, um fünf sind wir weggefahren: mit den Nachbarn, weil ich kein Auto habe. Und jetzt sind wir hier mit guter Unterstützung.“
Tour de France kürzt Strecke ab
Auch bei Biscarrosse, etwa 50 Kilometer südlich der Bucht von Arcachon, kämpfen die Feuerwehrleute weiter gegen die Flammen – hoffen aber, die weitere Ausbreitung des Feuers im Laufe des Tages zu stoppen, trotz starker Winde.
Um die Rettungskräfte zu entlasten, wird die morgige Schlussetappe der Tour de France abgekürzt. Das haben die Tour-Organisation und die Polizeipräfektur von Paris mitgeteilt. Der Fahrgast-Service der Bahngesellschaft SNCF ruft zudem dazu auf, bis einschließlich Montag geplante Reisen in die Region zu verschieben.
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