Weiter hohe KI-NachfrageEntspannung am Rohölmarkt treibt Wall Street auf Bestmarken
Die G7-Staaten greifen in den Ölmarkt ein und beruhigen damit die Nerven der Investoren. Prompt klettern S&P 500 und Nasdaq auf Höchststände. Das wachsende US-Handelsdefizit könnte den Inflationsdruck jedoch neu anheizen.
Die US-Börsen haben am Dienstag dank einer Beruhigung der Ölpreise und sinkender Anleiherenditen im Plus geschlossen. Der breit gefasste S&P-500-Index und die technologielastige Nasdaq erreichten dabei neue Rekordstände. Der S&P 500 rückte um 0,6 Prozent auf 7818 Zähler vor. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,4 Prozent auf 27.599 Punkte. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte stieg um 0,5 Prozent auf 51.521 Punkte.
Die Anleger zeigten sich erleichtert über die Stabilisierung am Ölmarkt. Zuvor hatten die G7-Staaten vereinbart, Notfallreserven an Diesel und Rohöl freizugeben, um die durch den Iran-Krieg ausgelösten Angebotssorgen zu lindern. Wenn sich die Ölpreise stabilisierten oder fielen, sinke die Angst vor einer energiegetriebenen Inflation, sagte Oliver Pursche, Manager beim Vermögensverwalter Wealthspire Advisors. Dies drücke die Renditen von Staatsanleihen und treibe im Gegenzug die Aktienkurse an. An den Finanzmärkten wird laut dem FedWatch-Tool der Börse CME derzeit mit einer sinkenden Wahrscheinlichkeit gerechnet, dass die US-Notenbank Fed auf ihrer anstehenden Sitzung in diesem Monat die Zinsen zum zweiten Mal in Folge anhebt. „Wir erwarten nicht, dass die Fed bei der nächsten Sitzung etwas unternimmt“, sagte Tim Ghriskey, Stratege bei Ingalls & Snyder. Er gehe jedoch davon aus, dass sich die Notenbank in einem schrittweisen Zinserhöhungszyklus befinde.
Die Importe von Investitionsgütern stiegen im August um 4,4 Prozent. Insgesamt wuchs das US-Handelsdefizit nach Angaben des Handelsministeriums um 13,7 Prozent, da die Einfuhren ein Rekordhoch erreichten. Die starke Binnennachfrage könnte den Inflationsdruck weiter anheizen. Die Anleger richten ihren Blick nun auf die in der kommenden Woche beginnende Berichtssaison zum dritten Quartal. Analysten erwarten LSEG-Daten zufolge für die Unternehmen im S&P 500 ein Gewinnwachstum von insgesamt 30,6 Prozent. Angetrieben werden dürfte dies von einem erwarteten Gewinnsprung im Energiesektor um 114,7 Prozent sowie einem Plus von 66,5 Prozent bei den Technologieunternehmen.
Bei den Einzelwerten profitierten Chipwerte von der anhaltend hohen KI-Nachfrage. Die Aktien von Marvell Technology legten zu, nachdem der Chipentwickler seine Umsatzprognose für 2028 angehoben hatte. Die Papiere von AMD stiegen, nachdem Konzernchefin Lisa Su eine deutliche Ausweitung der Chip-Produktion für 2027 angekündigt hatte. Die Aktien von Constellation Energy sprangen nach oben. Der Energieversorger hat mit der Google-Mutter Alphabet einen Stromliefervertrag über 3590 Megawatt geschlossen.
