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Startseite»Nachrichten»Weniger Wolken, mehr Sonne: Europa bekommt deutlich mehr UV-Strahlung ab
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Weniger Wolken, mehr Sonne: Europa bekommt deutlich mehr UV-Strahlung ab

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 20, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Weniger Wolken, mehr SonneEuropa bekommt deutlich mehr UV-Strahlung ab

Messdaten aus 40 Stationen zeigen ein klares Muster: Vor allem in Mitteleuropa erreicht inzwischen mehr sonnenbrandwirksame Strahlung den Boden. (Foto: picture alliance / CHROMORANGE)

Mehr Sonnenschein in Europa klingt zunächst nach einer erfreulichen Nachricht. Doch weniger Wolken bedeuten auch, dass mehr hautschädigende UV-Strahlung durchkommt. Eine neue Analyse zeigt, wie deutlich sich die Belastung in Teilen Europas verändert hat.

Wer im Sommer draußen unterwegs ist, merkt zunächst einmal nichts davon: UV-Strahlung kann man weder sehen noch fühlen. Doch die Belastung hat an vielen Orten Europas laut einer neuen Untersuchung innerhalb weniger Jahre deutlich zugenommen. Messungen aus 2013 bis 2022 zeigen, dass die sonnenbrandwirksame UV-Strahlung an einem Großteil der untersuchten Stationen gestiegen ist. Besonders deutlich war die Entwicklung demnach in Mitteleuropa.

Für die Studie, die im Fachjournal „Photochemical & Photobiological Sciences“ erschienen ist, wertete ein internationales Forschungsteam um Alois Schmalwieser von der Veterinärmedizinischen Universität Wien und Sebastian Lorenz vom Bundesamt für Strahlenschutz Daten von 40 europäischen Messstationen aus. Gemessen wurde dabei gezielt jene UV-Strahlung, die für Sonnenbrand besonders relevant ist. Die Forschenden verglichen die Messwerte außerdem mit Satellitendaten, um herauszufinden, ob sich hinter den Veränderungen ein größeres europäisches Muster verbirgt.

Das Ergebnis: An 26 der 40 Stationen stiegen die Jahreswerte statistisch signifikant. Je nach Standort betrug die Zunahme zwischen 0,46 und 2,6 Prozent pro Jahr. Bei diesen Stationen lag der mittlere Anstieg bei 1,16 Prozent jährlich – über den untersuchten Zeitraum 2013 bis 2022 entspricht das einem Plus von rund 11,2 Prozent. Das bedeutet allerdings nicht, dass die UV-Strahlung überall in Europa um elf Prozent gestiegen ist.

Vor allem Mitteleuropa bekommt mehr Strahlung ab

Besonders deutlich zeigte sich der Anstieg demnach in Mitteleuropa. Richtung Norden und Süden wurden die Trends hingegen schwächer. So fanden in weiten Teilen Spaniens und auf der italienischen Insel Lampedusa die Forschenden beispielsweise keinen vergleichbaren Anstieg der Jahreswerte. Im Alpenraum wechselten stärkere und schwächere Trends teilweise auf engem Raum. Dort können unter anderem Höhenlage, Gelände und Schneebedeckung beeinflussen, wie viel UV-Strahlung an einer Messstation ankommt, vermutet das Team.

„Unsere Messreihen zeigen ein großräumiges, aber regional unterschiedlich starkes Plus an UV“, erklärt Studienautor Schmalwieser laut Mitteilung. Auffällig sei, dass sich dieses Muster auch in Satellitendaten zur gesamten Sonnenstrahlung wiederfinde. Damit stellte sich für das Forschungsteam die entscheidende Frage: Warum kommt an vielen Orten inzwischen mehr UV-Strahlung am Boden an?

Die naheliegende Vermutung wäre zunächst die Ozonschicht. Ozon in der Atmosphäre hält einen Teil der energiereichen UV-Strahlung ab. Doch ausgerechnet hier fanden die Forschenden keine passende Erklärung: An keiner der 40 Stationen zeigte sich zwischen 2013 und 2022 ein statistisch signifikanter jährlicher Trend der gesamten Ozonsäule.

Weniger Wolken lassen mehr Sonne durch

Viel besser passt dem Forschungsteam zufolge eine andere Entwicklung zu den Daten: An vielen Orten gab es weniger Wolken und mehr Sonnenschein. Wolken wirken wie ein Filter und halten einen Teil der Sonnenstrahlung zurück. Gibt es häufiger wolkenlose Phasen, kann entsprechend mehr UV-Strahlung den Boden erreichen, heißt es in der Studie. An 21 von 27 Stationen, für die auch Daten zur Sonnenscheindauer vorlagen, passten die Veränderungen von Sonnenschein und UV-Strahlung zusammen. Aerosole – winzige Schwebeteilchen in der Luft, die ebenfalls Strahlung abschwächen können – spielten nach Einschätzung der Forschenden dagegen eine kleinere Rolle.

Der Anstieg zeigte sich dabei nicht zu jeder Jahreszeit gleichermaßen. An 38 der 40 Stationen nahm die UV-Dosis in mindestens einem Monat deutlich zu, besonders häufig im Januar, Februar, Juni und Oktober. Hohe prozentuale Zuwächse im Winter klingen zunächst alarmierend, sind für die Haut aber weniger entscheidend als Veränderungen im Sommer. Wegen des hohen Sonnenstands ist die UV-Strahlung dann wesentlich intensiver. Ein prozentual kleinerer Anstieg im Juni kann deshalb gesundheitlich bedeutsamer sein als ein großer Anstieg im Januar.

Mehr gemessene UV-Strahlung bedeutet allerdings nicht automatisch entsprechend mehr Hautkrebs. Die Studie hat untersucht, was an den Messstationen aus der Atmosphäre am Boden ankommt – nicht, wie viel davon einzelne Menschen tatsächlich abbekommen. Das hängt stark vom Verhalten ab: Wer sich lange im Freien aufhält, unbedeckte Haut zeigt und keinen Sonnenschutz verwendet, sammelt eine andere persönliche UV-Dosis als jemand, der sich überwiegend im Schatten aufhält.

Zehn Jahre sind noch kein langfristiger Klimatrend

Die Ergebnisse beschreiben einen vergleichsweise kurzen Trendzeitraum. Die Forschenden wählten ihn unter anderem deshalb, weil in dieser Phase aufgrund zurückgehender Bewölkung ein Anstieg der UV-Strahlung in Teilen Europas zu erwarten war. Sechs längere, lückenlose Messreihen deuten zwar darauf hin, dass die Zunahme vielerorts schon zwischen 2010 und 2013 begonnen hat. Ob sich dieser Trend über die kommenden Jahrzehnte fortsetzt, lässt sich daraus aber nicht ableiten.

Die Studie liefert damit keine Prognose, dass Europas UV-Strahlung nun Jahr für Jahr weiter steigen wird. Sie zeigt aber, wie stark sich schon Veränderungen der Bewölkung auf die Belastung am Boden auswirken können. Die Forschenden halten deshalb langfristige Messungen für besonders wichtig und fordern dichte, qualitätsgesicherte Bodenmessnetze, die zusammen mit Satellitendaten regionale Veränderungen früh erkennen können.

Quelle: ntv.de, hny

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