„Wer wird Millionär?“Penetrationstest: Jauch rettet Studentin und kippt WWM-Verbot

Die Studentin hat sich bereits auf die Kondome versteift. Jauch wittert eine Falle und legt sein Veto ein. Eine strenge Regel für die Zuschauer ist ihm neu und wird sogleich kassiert: „Diese Sendung ist eine Ruine.“ Seine Erdoğan-Schelte erntet Applaus.
Ungefähr einmal pro Jahr lässt Günther Jauch Gnade vor Recht ergehen. Betreutes Gewinnen lehnt er bei „Wer wird Millionär?“ eigentlich strikt ab. Doch am Montagabend griff der Moderator dann doch beherzt ein und rettete die sympathische Studentin Nazan Yilmaz vor einem kostspieligen Absturz. Die angehende Juristin war nämlich beim Penetrationstest der Fragenredaktion auf den Leim gegangen.
„Ach Mann, Herr Jauch, ey“, hatte sich die Jurastudentin gerade beim Moderator beschwert. Der hatte nämlich verraten, dass Yilmaz beim Einparken so ihre liebe Not hat. Sie nahm auch schon mal eine Mauer mit. Während die in der Regel bei Druck nicht nachgibt, ging es anschließend bei der 32.000-Euro-Frage darum, was klassischerweise bei einem sogenannten Penetrationstest überprüft wird: die Sicherheit von IT-Systemen, die Spannung von Klaviersaiten, die Güteklasse von Kondomen oder der Zustand von Verkehrsbrücken?
Yilmaz setzte auf die Lebenserfahrung ihres ältesten Telefonjokers, Udo Engel. Er war sich nicht völlig sicher, plädierte aber zu 80 Prozent für die Kondome. Die hatte die fröhliche Kandidatin aus Herford anfangs eigentlich ausgeschlossen. Trotzdem loggte sie die falsche Antwort eigentlich schon ein, da startete Jauch seine Rettungsaktion. Sicher war er sich zwar auch nicht, misstraute den Kondomen aber genug für eine klare Ansage.
„Ich würde Ihnen den Vorschlag machen … der Udo liegt Ihnen ja am Herzen. Sie steigen aus, nehmen die 16.000 mit und überraschen ihn mit einer Großpackung Güteklasse-Antwort-C“, intervenierte Jauch. „Mein Eindruck ist: Dann ist allen geholfen“, bekräftigte er zur Sicherheit. „Dann höre ich auf Sie, Herr Jauch“, sagte Yilmaz und war dank der Rettungsaktion um 16.000 Euro reicher. Denn mit dem Penetrationstest wird geprüft, wie gut ein Computernetzwerk gegen Hacker geschützt ist.
Zuschauerverbot bei WWM?
„Hier kriegt fast jeder seine Chance“, freute sich der Moderator bei der anschließenden Auswahlfrage. Tatsächlich schafften es in dieser Sendung gleich fünf der sechs potenziellen Kandidaten auf den heißen Stuhl. Ein Zusatzjoker konnte gleich zweimal aushelfen und sorgte nebenbei dafür, dass offenbar eine strenge Regel bei „Wer wird Millionär?“ ab sofort Geschichte ist. Ein Rentner aus Hamburg ließ beiläufig im Gespräch mit Jauch fallen, dass er durch seinen Gewinn ja nun für die nächsten zwei Jahre als Zuschauer bei der RTL-Quizshow gesperrt ist. Das war dem Moderator völlig neu. Erst kam von der Regie ein Dementi, dann brach hinter den Kulissen Aufregung aus und es hieß: „Wir gehen dem nach.“
Notfallsanitäterin Claudia Vogt-Schiffner sicherte sich zwischendurch noch schnell die 16.000 Euro, da versicherte die Regie: „Zusatzjoker dürfen so oft wiederkommen, wie sie wollen.“ Die Zuschauer im Studio protestierten raunend. Nicht nur der Herr aus Hamburg hatte seine Eintrittskarte genau studiert und dort den Hinweis auf eine Besuchersperre gelesen.
Ein Zuschauer reichte Jauch schließlich sein auf einer DIN-A4-Seite ausgedrucktes Ticket und der Moderator konnte auch für das Publikum vor den Bildschirmen verlesen: „Nach einem Gewinn als Zusatzjoker ist die erneute Teilnahme erst nach 24 Monaten wieder möglich.“ Die Regie reagierte prompt („Hier ist keiner mehr – alle wurden entlassen“), Jauch kicherte: „Diese Sendung ist eine Ruine“ und verabschiedete sich von Vogt-Schiffner: „Alles geklärt, brauchen Sie noch was?“
Bei Amthor sähe Jauch Rot
In der nächsten Runde kämpften dann nur noch zwei Kandidaten um die Chance auf die Million. Der 18-jährige Abiturient Noah Schwarz aus Walzbachtal setzte sich wenige Minuten vor Ende der Sendung knapp durch. Der angehende Medizinstudent wählte als Einziger in dieser Ausgabe von „Wer wird Millionär?“ die Sicherheitsvariante und kehrt nächsten Montag mit der 4000-Euro-Frage und nur noch zwei Jokern zurück.
Den Publikumsjoker hatte Schwarz gebraucht, um zu klären, welcher Superstar bei einem Fototermin einen späteren Star als Baby gebadet hat. „Wenn jetzt irgendwer Philipp Amthor (mit Friedrich Merz) drückt – ich hole Sie raus“, warnte Jauch sein Studiopublikum. Das lieferte jedoch mit 100 Prozent für Lionel Messi und Lamine Yamal die korrekte Antwort.
Überhangkandidat Eike Sievers aus Köln stieg mit der 16.000-Euro-Frage ein, was auch seine Gewinnsumme wurde. Die sicherte ihm sein Telefonjoker, der wusste, dass New Mexico unter den vier „New-“ Bundesstaaten der USA der mit Abstand jüngste ist. Sievers überlegte auch aus Solidarität mit den wartenden Kandidaten in der nächsten Runde nicht lange und verabschiedete sich.
DB-Referent stürzt ab
Leider brachte der schnelle Umzug auf den heißen Stuhl dem ersten Kandidaten des Abends kein Glück. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich so weit komme“, freute sich der 26-jährige Noah Petrik. „Sie stehen bei null Euro“, zügelte Jauch den Enthusiasmus des Personalreferenten von der Deutschen Bahn und nahm damit leider ein wenig dessen Ergebnis bei WWM voraus.
Wer wurde im Juli Fußballcheftrainer bei Union Berlin? Diese Frage für 2000 Euro beantwortete Petriks Telefonjoker in den letzten Sekunden wenig überzeugend mit „Igor Spassikowski“. „Sie gucken so gequält, Herr Jauch“, fiel Petrik auf. „Das ist bei mir zu Hause auch so“, lenkte Jauch erst ab, legte dem Kandidaten dann aber doch einen weiteren Joker ans Herz. Petrik loggte aber die falsche Antwort ein (richtig: Mauro Lustrinelli), nahm den Absturz auf 500 Euro jedoch gelassen.
Helmut Maassen aus Würselen holte kurz darauf 8000 Euro und sorgte so mit dafür, die Zahl der Kandidaten in dieser Ausgabe in die Höhe zu treiben. Der 57-Jährige scheiterte an der Frage, was laut Gesetz in zusammenhängend bebauten Wohngebieten in der Regel nie weiter als 1000 Meter entfernt sein darf: die nächste Bushaltestelle oder der nächste Postbriefkasten (korrekt).
Apropos Rechtsstaat: Als anschließend Jurastudentin Yilmaz berichtete, das türkische Strafrecht sei dem deutschen sehr ähnlich, zeigte sich Jauch verdutzt. „Wirklich? Warum sitzen die beim Erdoğan, wenn man einmal demonstriert hat, dann zwölf Jahre im Knast?“, sagte der Moderator und erntete Applaus.