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Startseite»Nachrichten»Wird an der Vorsorge gespart?: Hautkrebs-Fälle nehmen rasant zu
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Wird an der Vorsorge gespart?: Hautkrebs-Fälle nehmen rasant zu

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 28, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Wird an der Vorsorge gespart?Hautkrebs-Fälle nehmen rasant zu

Immer mehr Hautkrebs-Fälle werden erkannt. Trotzdem sterben viele Menschen mit der Diagnose. (Foto: picture alliance / Zoonar)

In deutschen Krankenhäusern werden immer mehr Menschen wegen Hautkrebs behandelt. Ein Dermatologe plädiert für eine grundlegende Reform der Früherkennung: Statt eines Screenings für alle sollten Risikogruppen gezielter untersucht werden, womit sich sogar Geld einsparen ließe.

Die Zahl der Hautkrebs-Patienten in deutschen Krankenhäusern hat sich in den vergangenen 20 Jahren fast verdoppelt, wie aus Daten des Statistischen Bundesamts hervorgeht. 2024 waren es 120.100 stationär mit Hautkrebs behandelte Patienten und damit 95 Prozent mehr als noch 2004. 

Ein Grund ist die alternde Bevölkerung: Das Hautkrebsrisiko steigt mit dem Alter deutlich an. Mutmaßlich werden heute aufgrund großflächigerer Screening-Angebote zudem deutlich mehr Fälle überhaupt erkannt. Trotzdem will die Bundesregierung aus Spargründen die Vorsorge für Hautkrebs auf den Prüfstand stellen. Auch ein Experte sieht Reformbedarf bei dem derzeit geltenden Programm.

Welche Vorsorgeangebote gibt es aktuell?

Bisher haben alle Versicherten ab einem Alter von 35 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf ein Screening auf Hautkrebs, unabhängig von persönlichen Risikofaktoren. Das Gesundheitsministerium weist darauf hin, dass Deutschland derzeit das einzige Land mit einem flächendeckenden, nicht risikobasierten Screening sei. 

Warum könnte sich das ändern?

Derzeit stellt die Bundesregierung in allen Bereichen Ausgaben auf den Prüfstand, weil das Geld knapp ist. Das Gesundheitsministerium argumentiert, vorliegende Studien lieferten keine zuverlässigen Belege dafür, dass ein flächendeckendes Screening die Sterblichkeit bei Hautkrebs verringert. 

Wie viele Menschen sterben an Hautkrebs?

Laut den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts hat auch die Zahl der Todesfälle durch Hautkrebs zugenommen: 4600 Menschen starben 2024 an Hautkrebs, 65 Prozent mehr als 20 Jahre zuvor. Hautkrebs liegt damit über dem Durchschnitt: Im selben Zeitraum stieg die Zahl der Krebstoten in Deutschland insgesamt um rund zehn Prozent.

Bringt die heutige Vorsorge also nichts?

Der Dermatologe Titus Brinker ist am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg verantwortlich für digitale Prävention, Diagnostik und Therapiesteuerung. Er hält die bisherige Früherkennung keinesfalls für einen Misserfolg – „weil definitiv durch das Screening Melanome gefunden werden und diese Menschen prognostisch dadurch sehr häufig profitieren“, sagt er. In einer älter werdenden Gesellschaft flössen nun mittlerweile die Daten vieler älterer – und irgendwann versterbender – Hautkrebs-Patienten ein, da Krebs in höherem Alter häufiger vorkomme, erklärt Brinker. Dies schlägt sich in der aktuellen Statistik nieder: Mehr als die Hälfte der 2024 an Hautkrebs Gestorbenen war 80 Jahre oder älter (knapp 53 Prozent). 

Zudem entwickle sich durch erfolgreiche Therapien schwarzer Hautkrebs zunehmend zu einer chronischen Krankheit, sodass Patienten erst später sterben, so Brinker weiter. Beides trage dazu bei, dass zeitliche Entwicklungen der Hautkrebssterblichkeit vorsichtig interpretiert werden müssten und nicht für sich genommen belegten, dass das Screening nicht funktioniere.

Sollte das Screening also so bleiben, wie es ist?

Nicht unbedingt in seiner heutigen Form, wie Brinker meint. Er sieht deutlichen Optimierungsbedarf. „Ein Screening, wo jeder regelmäßig hingehen kann ab 35, das halte ich für falsch. Es gibt sicherlich Patienten, die sogar jedes Jahr gescreent werden sollen oder sogar alle sechs Monate. Das sind Leute, die haben über 100 Muttermale auf der Haut, die haben Hautkrebs in der Familie, oder die haben einen Beruf, der sie stark UV-Strahlung exponiert. Denken Sie an den Dachdecker, an den Postboten – auf die sollte man gezielter zugehen.“ 

Bei einem ersten Vorsorgetermin sollten Risikofaktoren abgefragt werden und dann entsprechend die weitere Häufigkeit der Vorsorgetermine festgelegt werden. Viele müssten dann jahrelang nicht kommen, andere wiederum häufiger. „In diesem Spektrum kann aus meiner Sicht auch wirklich Geld gespart werden.“ Zudem wünscht sich der Experte eine schnellere Zulassung von KI-unterstützten Geräten, die Hausärzte bei einer besseren Diagnostik unterstützen können. Der Berufsverband der Deutschen Dermatologen warnt davor, das Screening auszusetzen, und weist darauf hin, dass es auch für die Aufklärung über den richtigen Umgang mit UV-Belastung eine wichtige Rolle spiele.

Wie geht es weiter?

Zunächst müssen Bundestag und Bundesrat den Plänen des Kabinetts zustimmen. Danach könnte der Gemeinsame Bundesausschuss mit einer Überprüfung beauftragt werden. Dieser würde dann Studien auswerten, Experten zurate ziehen und schließlich eine Stellungnahme dazu abgeben, welchen erwiesenen Nutzen die Früherkennung hat – oder eben auch nicht hat. Dies soll bis Ende 2027 passieren. Auf dieser Grundlage könnte die Politik dann Konsequenzen ziehen und entscheiden, ob sie das Programm auf besondere Risikogruppen fokussieren oder die Häufigkeit der angebotenen Untersuchungen verändern will. 

Wichtig bleibt für jeden Einzelnen, sich selbst zu schützen und das Hautkrebs-Risiko zu minimieren. Laut Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums ist der wichtigste Risikofaktor für fast alle Hautkrebsarten UV-Strahlung (ultraviolette Strahlung). Konsequenter Sonnenschutz – unter anderem durch Kleidung, Kopfbedeckung und Sonnencreme mit ausreichendem Lichtschutzfaktor – wird dringend empfohlen.

Quelle: ntv.de, hny/dpa

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