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Startseite»Politik»Zehntausende Lkw-Fahrer fehlen – was hilft den Speditionen?
Politik

Zehntausende Lkw-Fahrer fehlen – was hilft den Speditionen?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 9, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 09.09.2026 • 17:16 Uhr

In ganz Deutschland suchen Speditionen nach Verstärkung. Zehntausende Lkw-Fahrer fehlen. Die Branche muss kreative Lösungen finden, um Lieferengpässe zu vermeiden.

Michael Vendel sitzt hinter dem Steuer eines großen, roten Lkw. Er ist Geschäftsführer der Spedition Franz-Peter Vendel in Bornheim nahe Köln. Rund drei bis vier Mal im Monat müsse er aber noch selbst fahren. „Ich fahre dann, wenn es einen Mangel an Leuten gibt. Wenn zum Beispiel Urlaubszeit ist, wir Kranke haben oder jemand ausfällt“, sagt Vendel.

Die Spedition übernahm er von seinem Vater. Der habe vor über 40 Jahren mit einem einzigen Lkw angefangen. Inzwischen hat das Unternehmen 85 Wagen. Sie liefern Obst und Gemüse für eine große Supermarktkette nach ganz Deutschland. 110 Fahrer arbeiten bei der Spedition. Das ist eigentlich zu wenig. Wie fast alle Speditionen in Deutschland sucht auch Vendel händeringend nach Verstärkung: „Die Sorge ist immer groß, dass man sich verkleinern muss. Das können wir aber nicht.“

Bis zu 120.000 Fahrer fehlen

Der Personalmangel bei Lkw-Fahrern ist kein neues Phänomen. Seit 20 Jahren warnen Verbände davor. Doch die Probleme werden größer. „Ab 2025 bis 2035 gehen die sogenannten Baby-Boomer in Rente. Das heißt, wir sind gerade am Anfang des Fahrermangels“, sagt Rüdiger Ostrowski, Vorsitzender des Verbands Spedition und Logistik Nordrhein-Westfalen.

Rund 527.000 Menschen arbeiten in Deutschland als Lkw-Fahrer. Laut dem Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) fehlen schon heute bis zu 120.000 Fahrer – Tendenz steigend.

Dass es dadurch Versorgungsengpässe geben wird, glaubt Ostrowski nicht. Speditionen seien aber gezwungen, kreativer zu werden. „Man muss im Ausland suchen, ob Fahrer an einem Job in Deutschland interessiert sind. Außerdem müssen die Löhne steigen, was sie schon tun. Außerdem muss man Schichtsysteme einführen, die möglichst familienfreundlich sind“, so Ostrowski.

Lockerung des Sonntagsfahrverbots hilft nur bedingt

Hinzu kommt: Durch niedrige Wasserstände in Flüssen wie dem Rhein oder der Donau musste der Güterverkehr in den vergangenen Wochen mehr auf die Straße ausgelagert werden. Daraufhin lockerten fast alle Bundesländer das Lkw-Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) begründete das unter anderem damit, „Lieferketten stabil zu halten“.

Für Rüdiger Ostrowski kann so eine Maßnahme jedoch allenfalls langfristig wirken: „Es muss ja erstmal disponiert werden, und wir haben Sommerzeit. Viele Fahrer sind im Urlaub. Aber jetzt im August und September wird es Wirkung zeigen, sofern die Aufhebung des Fahrverbots noch gilt.“ Das Problem der Fahrerknappheit wird die Einschränkung des Wochenendfahrverbots nicht lösen können.

Rentner sollen Fahrten übernehmen

Die 110 Fahrer der Spedition Vendel sind durchschnittlich 56 Jahre alt. In den kommenden Jahren werden viele in Rente gehen. Junge Leute für den Beruf zu gewinnen, ist schwierig. „Der Lkw-Fahrer hat einfach kein Ansehen mehr“, sagt Michael Vendel. Jan Buchholz ist in der Spedition als Geschäftsführer für das Personal zuständig. Er muss kreative Lösungen finden und setzt unter anderem auf Rentner, die weiterhin Fahrten übernehmen.

Bei den Auszubildenden sei es wichtig, sie nicht zu überlasten. „Es darf auf keinen Fall sein, dass wir junge Leute direkt auf den Lkw setzen und die weitesten Touren fahren lassen. Wir wollen lieber langfristig investieren und darauf achten, dass sie über ein attraktives Arbeitszeitmodell nach der Ausbildung im Unternehmen bleiben“, so Buchholz. Die gesamte Lkw-Branche steht vor schwierigen Jahren. Die Herausforderungen werden größer. Der Fahrermangel wohl auch.

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