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Startseite»Nachrichten»Zu private Einblicke geteilt: Nach dem Oversharing kommt die Scham
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Zu private Einblicke geteilt: Nach dem Oversharing kommt die Scham

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 30, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Zu private Einblicke geteiltNach dem Oversharing kommt die Scham

Bevor es komische Blicke gibt: Vor dem Erzählen kurz prüfen, ob echtes Vertrauen schon da ist – oder ob man es gerade erzwingen will. (Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Gefühlt viel zu viel aus dem eigenen Leben und Fühlen ausgeplaudert und jetzt kickt die Reue? Ein Psychologe erklärt, warum es dazu kommt – und wie man solche Momente in Zukunft vermeidet.

„Was habe ich denn der neuen Kollegin da heute alles über meine Beziehungsprobleme erzählt? Die muss mich ja für vollkommen verrückt halten!“ Wenn Sie solche oder so ähnliche Situationen kennen, neigen Sie vielleicht zum Oversharing. Heißt: Sie teilen übermäßig viele Informationen, etwas zu detailliert und etwas zu persönlich. Und hinterher bereuen Sie es, schämen sich womöglich. Warum passiert uns das? Und was hilft dagegen?

„Per se ist Oversharing eigentlich nicht schlimm, wenn ich darüber stehen könnte, dass Leute mich etwas komisch finden“, sagt Ramón Schlemmbach, Psychologe und Coach aus Schwerin. „Sachen teilen, ehrlich und authentisch sein, ist ja gut.“ Nur: Allzu unangemessen sollte es eben nicht sein, sonst kann es unangenehm werden. Sowohl für einen selbst, als auch für die andere Person.

Laut Schlemmbach erfüllt Oversharing in der Regel eine bestimmte Funktion. Zum einen könne es ein unbewusster Versuch sein, Verbindung zu schaffen. „Wenn ich zum Beispiel in der Kindheit die Erfahrung gemacht habe, dass meine Belange nicht wichtig sind, dann brauche ich dieses Gefühl, gesehen und gehört zu werden.“ Auch Einsamkeit, im Hier und Jetzt oder in der Vergangenheit, kann dabei eine Rolle spielen. Nur: Oversharing passiert häufig gegenüber Menschen, mit denen man noch gar keine Basis hat, so viel zu teilen – Stichwort: die neue Arbeitskollegin.

Zum anderen könne Oversharing ein Weg sein, sich selbst zu regulieren und innerlichen Druck abzubauen, indem man sich Sachen von der Seele redet. „Ich plappere vor mich hin, und wenn ich alles gesagt habe, geht es mir ein Stück besser“, so der Psychologe.

Wann es zum Problem wird

Hinterher löst das übermäßige Mitteilen aber oft negative Gefühle aus und wir schämen uns, weil wir nicht die Reaktion bekommen, auf die wir intuitiv gehofft haben. Statt Anteilnahme, Interesse oder gleichmäßigem Teilen im Gegenzug gibt es vielleicht komische Blicke, Rückzug oder auch gar keine Reaktion. Und das greift den Selbstwert an.

Nun könnte man sagen: „Ist doch egal, was die Leute denken und wie sie reagieren.“ Bei Fremden, die man nie wiedersieht, kann diese Haltung funktionieren. Zum Problem kann es laut Schlemmbach aber werden, wenn man auf die anderen angewiesen ist, etwa weil man im Beruf zusammenarbeitet. Dann kann die Beziehung unter dem Oversharing leiden, weil man unausgesprochene Grenzen übertritt und andere damit entfremdet. Auch für einen selbst kann es zur Belastung werden, wenn man sich nach Gesprächen immer wieder komisch oder falsch fühlt.

Beziehung und eigene Motive prüfen

Schlemmbach rät, sich in Gesprächen bewusst Zeit zu nehmen, bevor man etwas sagt. Und sich ehrlich zu fragen, worum es einem eigentlich geht. „Bevor ich etwas teile, würde ich die Beziehungsqualität überprüfen. Konkret: Hat die Person mein Vertrauen schon verdient oder versuche ich jetzt Vertrauen zu gewinnen mit dieser Aktion?“

Echtes Vertrauen wachse nicht von heute auf morgen, sondern entstehe Schritt für Schritt durch gemeinsame Erlebnisse und indem man persönliche Informationen behutsam austauscht. Wer bei näherer Reflexion feststellt, dass er vor allem das Bedürfnis hat, Druck abzulassen, tut gut daran, einen Alternativweg suchen. „Statt es jemandem zu erzählen, kann ich es etwa aufschreiben in einer Art Tagebuch“, empfiehlt der Psychologe.

Quelle: ntv.de, kse/dpa

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