Die im Brief angeführte Adresse und Telefonnummer gehören zum Bundesinnenministerium in Bonn. Als Absender steht darüber jedoch ein erfundenes „Bundesamt für Gesellschaftlichen Zusammenhalt und Demokratieförderung“. Die übernommenen Kontaktdaten machen das Schreiben nicht zu einer amtlichen Mitteilung.
Das auf den 22. Oktober 2026 datierte Dokument behauptet, für bundesweite Demonstrationen am 31. Oktober werde ein Teilnahmegeld ausgezahlt. Wegen angeblicher Haushaltseinsparungen sei der sonst übliche Betrag auf 50 Euro pro Person reduziert worden. Ein uns übermittelter Facebook-Screenshot zeigt, dass das Schreiben auch in einer politischen Gruppe geteilt wird.
Die Kontaktdaten führen zum Innenministerium
Im Briefkopf stehen die Graurheindorfer Straße 198 in Bonn und die Telefonnummer 0228 99 681-0. Beides führt zum Bonner Dienstsitz des Bundesinnenministeriums. Das lässt sich auf der Webseite der Bundesregierung nachprüfen. Dort wird das Ministerium als zuständige Stelle genannt, kein Bundesamt mit dem Namen aus dem Schreiben.
Auch die Übersicht der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages über Behörden, Stiftungen und Unternehmen des Bundes enthält dieses angebliche Amt nicht. Die Übersicht stammt vom 13. November 2024 und ist daher ein ergänzender Abgleich, kein aktuelles Behördenverzeichnis. Der Brief selbst liefert keinen überprüfbaren Nachweis für die behauptete Auszahlung: Weitere Informationen sollen erst später auf den vermeintlichen offiziellen Seiten erscheinen.
Erfundene Antifa-Abrechnungen kennen wir seit Jahren
Die Geschichte vom bezahlten Protest taucht bei Mimikama seit Jahren in unterschiedlichen Varianten auf. Bereits 2020 prüften wir einen gefälschten Brief zu angeblichen Reisekosten der „Antifa UG“. Im selben Jahr erklärten wir eine erfundene Monatsabrechnung, die Zahlungen für gegen die AfD gerichtete Twitter-Hashtags vorspiegelte.
Bei einem weiteren Schreiben der angeblichen „Antifa UG“ führten die verwendeten Anschriften zu US-Generalkonsulaten. Das ist eine Parallele zum aktuellen Brief: Eine tatsächlich existierende Adresse wird unter einen erfundenen Absender gesetzt und soll dem Dokument Glaubwürdigkeit verleihen.
Daneben gibt es ausdrücklich satirische Projekte. Die Webseite „berufsdemonstrant.de“ ist ein solches Beispiel. Auch den Facebook-Auftritt „Antifa Germany GmbH“ haben wir als Satire- und Trollprojekt eingeordnet. Diese früheren Fälle erklären das wiederkehrende Muster; sie belegen keine Verbindung ihrer Urheber zum aktuellen Schreiben.
Wer den Brief teilt, sollte deshalb die Fälschung klar benennen. Die Formulierung, das Demogeld werde „gekürzt“, setzt eine bisherige Auszahlung bereits als Tatsache voraus. Einen Beleg dafür liefert das Dokument ebenso wenig wie für die angekündigten 50 Euro.
Deutscher Bundestag – Wissenschaftliche Dienste
13. November 2024
Bundesregierung
Ohne Datumsangabe
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