Zurückhaltung wegen Nahost-LageAufwärtstrend an der Wall Street ist vorerst gestoppt
Nach den Allzeithochs der vergangenen Tage nutzen die US-Anleger die Gelegenheit zu Gewinnmitnahmen. Viel Bewegung – allerdings in unterschiedliche Richtungen – gibt es bei den Chip-Werten.
Gewinnmitnahmen bei Chip-Aktien und Unklarheiten über mögliche Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran haben die Wall Street am Donnerstag ins Minus gedrückt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,64 Prozent tiefer bei 49.597 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 gab 0,40 Prozent auf 7336 Zähler nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 0,15 Prozent auf 25.801 Punkte.
In den vergangenen Tagen hatte eine Rally bei Technologie- und KI-Werten die US-Börsen auf Rekordhöhen getrieben. „Man kann eine Reihe solcher Tage haben, und das ändert nichts an der Tatsache, dass dies ein rasantes, von Fundamentaldaten getriebenes Erholungsquartal war“, sagte Mike Dickson, Portfoliomanager bei Horizon Investments.
Arm Holdings verlieren trotz starker Zahlen
Bei den Einzelwerten standen Halbleiterkonzerne unter Druck. Die in den USA notierten Aktien von Arm Holdings stürzten um zehn Prozent ab. Sorgen über die Fähigkeit des Unternehmens, sich ausreichend Bauteile für seinen neuen KI-Chip zu sichern, überschatteten eine starke Gewinnprognose. Auch Intel und Advanced Micro Devices (AMD) (jeweils minus drei Prozent) gaben einen Teil ihrer jüngsten Gewinne wieder ab. Dagegen legten Nvidia und Microsoft (jeweils plus 1,7 Prozent) zu, was das anhaltende Vertrauen der Anleger in die Schwergewichte der Branche unterstrich.
Datadog verbuchte rasante Kursgewinne um 31 Prozent, nachdem das Cybersicherheitsunternehmen seine Jahresprognose angehoben hatte. Im Sog zogen auch Crowdstrike (plus acht Prozent) und Palo Alto Networks (plus sieben Prozent) an.
Die Papiere von Whirlpool brachen hingegen um zwölf Prozent ein. Der Haushaltsgerätehersteller hatte die Umsatzschätzungen für das erste Quartal verfehlt und seine Dividende ausgesetzt.
Anleger griffen bei Tesla zu. Die Papiere des US-Elektroautobauers stiegen um 3,3 Prozent. Die Auslieferungen der in China hergestellten Modelle 3 und Y legten im April im Jahresvergleich um 36 Prozent auf 79.478 Stück zu, wie die Daten des Branchenverbands China Passenger Car Association (CPCA) zeigten. Auch in mehreren europäischen Märkten erholten sich die Verkäufe zuletzt, gestützt von einer höheren Nachfrage nach E-Autos infolge gestiegener Ölpreise.
Für Zurückhaltung sorgten geopolitische Entwicklungen. Insidern und Regierungsvertretern zufolge nähern sich die USA und der Iran einem vorläufigen Abkommen zur Beendigung ihres Krieges. Die Regierung in Teheran prüfe einen Vorschlag, der die Kämpfe stoppen, die umstrittensten Themen jedoch ungelöst lassen würde. Die Ölpreise gaben leicht nach und notierten bei rund 100 Dollar pro Barrel.
Mit Blick auf die US-Geldpolitik wetten Händler weiterhin darauf, dass die Notenbank Fed die Zinsen bis zum Jahresende stabil halten wird. Als Gründe gelten der robuste Arbeitsmarkt und die hohen Energiepreise. Die Präsidentin des Fed-Ablegers in Cleveland, Beth Hammack, erklärte, sie gehe davon aus, dass die Zentralbank die Zinsen angesichts der erheblichen Unsicherheit noch weit in die Zukunft hinein unverändert lassen werde. Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe war zuletzt weniger stark gestiegen als erwartet. Anleger warten nun auf den umfassenden Arbeitsmarktbericht der Regierung am Freitag.
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