Sanfter Riese mit PowerDer bZ4X Touring ist der elektrische SUV-Allrounder von Toyota

Was wie ein schwer knackbares Passwort aussieht, bezeichnet bei Toyota das vollelektrische SUV. bZ4X, so heißt beim japanischen Auto-Giganten die BEV-Alternative zum RAV4. Die bekommt nun mit dem Touring einen Kombi zur Seite gestellt.
Toyota ließ bei vollmundigen Bekenntnissen zur Elektromobilität bislang angenehme Zurückhaltung walten. Deshalb muss der weltgrößte Automobilhersteller auch nicht kleinlaut zurückrudern wie so viele andere, sondern setzt mit Weitsicht und Bedacht weiterhin auf Vielfalt und Technologieoffenheit mit Verbrennern von Benzin, Diesel und Wasserstoff, mit Hybriden aller Art, Brennstoffzelle und, ja, natürlich auch mit vollelektrischen Autos. Mit der Kombi-Version Touring des im vergangenen Jahr überarbeiteten SUV bZ4X bringt Toyota nun sein zehntes BEV-Modell auf den Markt.
Von Zurückhaltung ist beim bZ4X Touring allerdings nichts zu spüren. Schon der erste Sichtkontakt lässt keinen Zweifel daran, dass eine ganze Menge Auto am Start ist. Schon die Schrägheck-Version des bZ4X ist kein optischer Leisetreter, aber der neue Touring legt nochmal kräftig einen drauf. Mit stattlichen 4,83 Metern ist er nicht nur um 14 Zentimeter länger, sondern kratzt mit seinen Dimensionen schon fast an die Businessklasse. Sein kantiges Design mit scharfen Linien und den mächtigen schwarzen Radläufen in Glanzschwarz ist nichts für Menschen, die sich gern verstecken, und positioniert den bZ4X Touring gegen eigenwillige Modelle wie den Kia EV6 oder auch den Peugeot 5008. Auch der Škoda Enyaq gehört sicherlich zu seinen Mitbewerbern, wenngleich der es optisch etwas ruhiger angehen lässt.
Angenehm fällt auf, dass die erwähnten Radläufe beim Touring mattschwarz gehalten sind, was im Alltag die Angst vor unschönen Kratzern lindert. Das passt viel besser zum SUV-Auftritt, denn Toyota sieht den Touring durchaus mit „authentischer Offroad-Leistung“ gesegnet, die „neue Maßstäbe für Elektrofahrzeuge setzt“ und ihn „mühelos unwegsames Gelände und rutschige Straßen mit souveränen Fahrleistungen meistern“ lässt. Konsequent unterscheidet sich der Touring denn auch vom Schrägheck bZ4X mit in den vorderen und hinteren Stoßfänger integrierter Unterfahrschutz-Optik, was ihn nochmal kerniger aussehen lässt.
Alltagstaugliche Reichweiten
Toyota bietet den bZ4X Touring mit Vorder- oder Vierradantrieb an, beide Versionen verfügen über die gleiche Lithium-Ionen-Batterie mit 104 Zellen und einer maximalen Kapazität von 74,7 kWh (71 kWh netto). Diese soll nach WLTP für Reichweiten (kombiniert) von 591 Kilometern mit dem Vorderradantrieb und 528 Kilometern mit dem Vierradantrieb gut sein. Wer die für den 4WD angebotene Topversion „Lounge“ mit ihren 20 statt 18 Zoll großen Rädern wählt, reduziert die Reichweite allerdings auf deutlich schmalere 479 Kilometer, was bei dieser Variante den Wunsch nach einer größeren Batterie aufkommen lässt.
Nachladen kann der bZ4X mit maximal 150 kW Gleichstrom oder je nach Ausstattungsversion 11 respektive 22 kW Wechselstrom. Beim DC-Laden soll der Akku in 28 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen sein, mit 11 kW AC dauert das 7 Stunden, mit 22 kW halb so lang. Damit das auch bei ungünstigen Umgebungsbedingungen von bis zu minus 21 Grad Celsius nicht wesentlich abweicht, ist serienmäßig immer eine Batteriekonditionierung (plus Wärmepumpe) an Bord, die entweder über die ebenfalls vorhandene Ladeplanung des Navigationssystems oder aber manuell aktiviert werden kann.
Leistung fehlt keiner der beiden Antriebsversionen. Mit einem E-Motor nur an der Vorderachse beschleunigen 224 PS den Touring in 7,3 Sekunden aus dem Stand auf 100 Kilometer pro Stunde. Mit weiterem Motor an der Hinterachse erledigt die kombinierte Systemleistung von – Achtung! – 380 PS die gleiche Übung in sehr performanten 4,5 Sekunden, was man ohne Übertreibung als atemberaubend bezeichnen kann. Beeindruckender beschleunigt bei Toyota nicht mal der Supra, vor allem, weil die E-Motoren weder ein Herunterschalten noch einen Hochlauf der Motordrehzahl benötigen.
Wer den Vierradantrieb nicht braucht, ist mit einer einzigen Maschine bestens bedient. Mit einem Drehmoment von knapp 269 Newtonmetern schiebt der Permanentmagnet-Synchronmotor den bZ4X Touring schon bei kleinsten Bewegungen des Fahrpedals ebenso souverän wie harmonisch an und lässt schon mit eingeschaltetem ECO-Modus nichts vermissen. Den braucht man allerdings auch, um die versprochenen 14 kWh/100 km (WLTP) zu realisieren. Unsere Probefahrten, überwiegend auf bergigen Landstraßen und ohne Eco-Modus, ließen eine 16 in der Durchschnittsverbrauchsanzeige aufscheinen. Konsequente Nutzung aller Effizienzsteigerer inklusive Rekuperation lassen die 14 kWh/100 km aber nicht unwahrscheinlich wirken. Die Rekuperation hat etwas enttäuscht, denn obwohl sie bequem an Lenkrad-Schaltpaddeln in vier Stufen wählbar ist, bleibt sie selbst in Stufe vier eher moderat in der Wirkung. One-Pedal-Driving ist mit dem bZ4X nicht möglich, wie übrigens in keinem einzigen BEV von Toyota weltweit. Dem äußerst angenehmen und völlig geräuschlosen Antrieb tut das jedoch keinen Abbruch.
Erreicht der Vorderradantrieb 160 km/h Höchstgeschwindigkeit, ermöglicht der Vierradantrieb 180 km/h. Das, ebenso wie die Sportwagen-Beschleunigung dank der 380 PS Systemleistung, sind aber Werte, die für den BEV-Alltag eher zweitrangig sind. Dennoch ist beim Vierradantrieb unter 16 kWh/100 km auch mit viel Zurückhaltung nichts zu machen. Angesichts der Traktionsvorteile des Vierradantriebs, dem in schnellen Kurven auf nasser Fahrbahn deutlich neutraleren Fahrverhalten, der brachialen Beschleunigung und den Offroadfunktionen wie dem Bergabfahrassistenten, ist die Mehrausgabe von 3010 Euro im Vergleich zum Vorderradantrieb eine ernsthafte Versuchung. Relevante Geländewerte wie 212 Millimeter Bodenfreiheit und Böschungswinkel von 18 Grad vorn sowie 21 Grad hinten empfehlen den bZ4X Touring allerdings eher für den Ausflug abseits asphaltierter Wege denn als Geländewagen. Und wer die feine Lounge-Version mit den energiefressenden 20 Zöllern haben möchte, dem bleibt nur der Griff zum Allrad, denn den Vorderradantrieb gibt es ausschließlich als Basisvariante „Teamplayer“. Unsere Empfehlung: 4WD in Basisausstattung Teamplayer.
Entspannte Power und viel Platz
Ob eine oder zwei angetriebene Achsen, der Aufenthalt im bZ4X Touring ist immer auffallend angenehm. Wir haben es mit einem Auto zu tun, das völlig problemlos zu bedienen ist und das gelassene Souveränität vermittelt. Im Innenraum dominieren angenehme Materialien, was vor allem für die Top-Ausstattung „Lounge“ gilt. Die Sitze passen und stützen ohne einzuengen, die Displays direkt oberhalb vor dem Lenkrad und in der Mittelkonsole nerven nicht mit einem Überangebot von Information und selbst mit Mühe gelingt es nicht, Fahrersitz und Lenkrad so einzustellen, dass der Lenkradkranz irgendwelche Anzeigen verdeckt. So muss das sein.
Das dürften sich auch die Passagiere im Fond denken, denn hier wartet nicht nur viel Platz für die Beine, sondern auch genügend Kopffreiheit, eine asymmetrisch getrennt neigungsverstellbare Lehne, eine ausklappbare Mittel-Armlehne mit Getränkehaltern und zwei Ladeports in der Bodenkonsole zwischen den Vordersitzen. Vorn warten gleich zwei Flächen für induktives Laden, was einerseits gut ist, andererseits gibt es aber keine alternative Möglichkeit, sein Smartphone sichtbar zu deponieren, außer vielleicht im Getränkehalter. Ist der Handy-Akku nämlich auf 100 Prozent, hält die Induktivladung ihn auch ständig dort, und wir alle wissen, dass die Batterie unseres wichtigsten Begleiters so etwas gar nicht mag. Die Induktivflächen bieten außerdem wenig Halt, und wer sich vom rasanten Antrieb mal zu ebensolcher Kurvenfahrt verführen lässt, könnte sein Smartphone im Fußraum suchen müssen. Das Fehlen eines Handschuhfachs gleicht der bZ4X aus – zum Beispiel mit Verstaumöglichkeiten im großen, tiefen Fach mit doppeltem Boden zwischen den Vordersitzen, einer großen offenen Ablage unterhalb der Konsole für den Fahrwahlschalter sowie den Türtaschen.
Zu den Stärken dieses Kombis zählt natürlich der im Vergleich zur Grundkarosse um 40 Prozent größere Laderaum mit 669 Litern Volumen bei stehenden und 1718 Litern bei umgeklappten Rücksitzlehnen und Beladung bis zur unteren Fensterkante. Angenehm ist, dass sich die asymmetrisch getrennten Rücksitzlehnenseiten ohne Streckübungen vom Laderaum aus mechanisch entriegeln und vorklappen lassen und dass danach ein ebener Ladeboden ohne Stufe entsteht. Der Laderaumboden lässt sich in zwei Höhen justieren, darunter gibt es noch zwei Fächer für Pannenhelfer und Ladekabel. Und links wie rechts der Heckklappe warten noch mal zwei kleine Staufächer. Dazu gibt es Verzurrösen und Haltehaken für Einkaufstüten. Die Heckklappe lässt sich elektrisch öffnen und schließen, allerdings nicht per Fußkick unter dem hinteren Stoßfänger wie bei vielen anderen Modellen in der Klasse.
Wem der große Gepäckraum nicht reicht, kann der stets serienmäßigen, robusten Dachreling 80 Kilogramm in Fahrt und 317 Kilogramm statisch zumuten. Das passt zum Beispiel für ein Dachzelt, das 80 Kilogramm wiegt und aufgestellt bis zu drei Erwachsenen Platz bietet. Soll darüber hinaus noch mehr mitgenommen werden, bleibt der Griff zur nachrüstbaren Anhängerkupplung. Der bZ4X Touring darf pro angetriebener Achse 750 Kilogramm hinter sich her ziehen, beim 4WD also 1500.
Sicherheit und Assistenten auf hohem Niveau
Toyota gibt ihm serienmäßig eine ganze Armada von Fahrassistenten mit auf den Weg. Neben den üblichen Funktionen wie adaptiver Cruise Control mit Spurhalteassistent, Totwinkelwarner oder Verkehrszeichenerkennung warnt ein Ausstiegsassistent dabei, trotz unbemerkt von hinten herannahenden Verkehrsteilnehmern die Türen zu öffnen. Ein Notfall-Lenkassistent stabilisiert bei plötzlichen Ausweichmanövern und verhindert, dass man dabei über die Mittellinie hinaus auf die Gegenfahrbahn gerät. Das System bremst und lenkt auch proaktiv, wenn der Fahrer das Hindernis nicht zu bemerken scheint. Dabei helfen neben einer Frontkamera auch ein LIDAR sowie ein Mikrowellensensor. Sicherheit vermittelt auch die Batteriegarantie von Toyota, die – jährlicher Batteriecheck beim Vertragshändler ist Voraussetzung – bis zu zehn Jahre oder 250.000 Kilometer Fahrleistung die Kapazität der Batterie auf mindestens 70 Prozent absichert.
Obwohl der Elektrokombi mit einem Einstiegspreis von 51.990 Euro für die Version „Teamplayer“ im Vergleich zu seinen Mitbewerbern auf den ersten Blick teuer wirkt, kommt beim Fahren nie der Eindruck auf, man hätte auch nur einen Euro zu viel bezahlt. Die komfortable Souveränität dank überlegenem Antrieb plus gelungener Fahrwerksabstimmung, kombiniert auch noch mit der reichhaltigen Serienausstattung sowie fühlbar solider Qualität – das alles weiß zu überzeugen. Die offensichtlichen Allrounder-Eigenschaften für Familie, Reise und sogar Camping-Ausflüge empfehlen den neuen Japaner zusätzlich als faires Angebot. Viel Auto fürs Geld.