Bei den Kommunalwahlen in Großbritannien hat die Labour-Partei mehr als 1.400 Sitze eingebüßt. Um wieder aus der Krise zu kommen, setzt Premier Starmer auf Ex-Regierungschef Brown. Der 75-Jährige soll die Regierung in Finanzfragen beraten.
Nach der Pleite seiner Labour-Partei bei den Regional- und Kommunalwahlen in Großbritannien hat Premierminister Keir Starmer den früheren Regierungschef Gordon Brown zu seinem Sondergesandten für globale Finanzen ernannt.
Der 75-Jährige sei bestens dafür geeignet, „gemeinsam mit unseren internationalen Verbündeten daran zu arbeiten, ein stärkeres Großbritannien aufzubauen und die Sicherheit sowie Widerstandsfähigkeit unseres Landes zu stärken“, schrieb Starmer auf X.
Expertise in Banken und Finanzen
Brown war von 2007 bis 2010 britischer Regierungschef, zuvor hatte er ein Jahrzehnt unter Ex-Premier Tony Blair als Schatzkanzler gedient. Während der weltweiten Finanzkrise hatte er sich mit der Stabilisierung von Banken einen Namen gemacht.
Die Labour-Partei erlitt bei den Wahlen die schwersten Verluste einer Regierungspartei seit 1995. Nach Auszählung der letzten Stimmen am Samstag ist klar: Die Partei hat in England mehr als 1.400 Sitze verloren. Die Niederlage fiel damit noch drastischer aus als die der Konservativen unter der damaligen Premierministerin Theresa May im Jahr 2019, die 1.330 Mandate eingebüßt hatte. May trat drei Wochen später zurück.
Absturz in Wales
Besonders die Wahl zum Regionalparlament in Wales war für Labour schmerzhaft: In ihrer einstigen Hochburg wurde die Partei erstmals nicht stärkste Kraft, sondern rutschte auf Platz drei hinter die Unabhängigkeitspartei Plaid Cymru und der rechtspopulistischen Partei Reform UK.
Angesichts des Wahldebakels fordert eine wachsende Zahl von Labour-Abgeordneten Starmers Rücktritt. Dieser hatte jedoch am Freitag erklärt, er wolle im Amt bleiben. Er ist angesichts leerer Staatskassen und geringen Wirtschaftswachstums sowie steigender Lebenshaltungskosten seit Monaten unter Druck. Hinzu kamen etliche gescheiterte Reformprojekte und Skandale.
