Die Ukraine und Russland werfen sich trotz der vereinbarten dreitägigen Feuerpause neue Angriffe vor. Die Militärparade in Moskau zum Weltkriegsgedenken ging aber ohne Störungen über die Bühne.
Die Ukraine und Russland haben sich gegenseitig Verstöße gegen die seit heute geltende Waffenruhe vorgeworfen. Seit Beginn des Tages seien 51 russische Angriffe verzeichnet worden, teilte der ukrainische Generalstab mit. Die ukrainische Luftwaffe sprach von 45 russischen Drohnenangriffen seit Freitagabend. Dies war die geringste Zahl seit Monaten. Bei Drohnenangriffen in der Region Saporischschja wurden nach Behördenangaben zwei Zivilisten getötet und drei weitere verletzt. Vor allem Regionen im Donbass sollen angegriffen worden sein.
Das russische Verteidigungsministerium erklärte, die ukrainischen Streitkräfte hätten ungeachtet der Vereinbarung mit Drohnen und Artillerie russische Positionen und auch zivile Objekte angegriffen. Betroffen gewesen seien unter anderem die Gebiete Kaluga, Tula, Smolensk, Kursk, Brjansk und Belgorod sowie im Süden die Teilrepublik Tschetschenien und die Regionen Stawropol und Krasnodar.
In der russischen Grenzregion Belgorod meldete Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow drei Verletzte bei einem ukrainischen Drohnenangriff. Die Angaben beider Seiten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Waffenruhe zur Militärparade eingehalten
Kremlsprecher Dmitri Peskow teilte mit, dass die Waffenruhe für Moskau zur Militärparade gehalten habe. Es gab demnach – anders als befürchtet – keine Versuche von ukrainischer Seite, die Feiern zum 9. Mai – dem Tag des Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland – zu stören. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Freitag nach US-Vermittlung angekündigt, die Militärparade auf dem Roten Platz nicht anzugreifen.
Die Feierlichkeiten fanden in deutlich bescheidenerem Umfang statt als in den vergangenen Jahren. Wie im Staatsfernsehen zu sehen war, fuhren zum ersten Mal seit fast 20 Jahren keine Panzer oder anderes schweres militärisches Gerät auf dem Roten Platz auf.
Die dreitägige Feuerpause war am Freitagabend von US-Präsident Donald Trump verkündet worden. Kiew und Moskau bestätigten die Waffenruhe. Beide Seiten vereinbarten laut Trump zudem den Austausch von jeweils 1.000 Kriegsgefangenen.
Verhandlungen liegen auf Eis
Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine dauert mittlerweile seit mehr als vier Jahren an. Mit bereits Hunderttausenden Toten ist es der blutigste Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über eine Beendigung des Kriegs liegen seit dem letzten Treffen im März auf Eis.
Die USA, die in den Gesprächen vermittelt hatten, konzentrieren sich momentan auf den Konflikt mit dem Iran. Am Donnerstag fanden in Florida jedoch erstmals seit Ende März wieder Gespräche zwischen ukrainischen und US-Gesandten statt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rechnet nach eigenen Angaben mit einem Gegenbesuch der US-Verhandler in den kommenden Wochen.
