Gegen „Radikalkapitalismus“ und die „soziale Abrissbirne“ – die Chefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes zeigt sich für die kommenden vier Jahre kämpferisch. Auf dem DGB-Bundeskongress wurde sie mit großer Mehrheit wiedergewählt.
Yasmin Fahimi ist als Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) bestätigt worden. Die 58-Jährige wurde beim Bundeskongress in Berlin mit 96,1 Prozent der Stimmen für weitere vier Jahre wiedergewählt. Fahimi hat den DGB-Vorsitz seit 2022 inne. Die frühere Generalsekretärin der SPD war zuvor Mitglied des Bundestages.
In ihrer Vorstellungsrede sagte sie mit Blick auf anstehende Sozialreformen, wenn aktuell unverblümt der Radikalkapitalismus gelobt werde und die Beschäftigten mit ihren Arbeitsbedingungen und ihren Löhnen dafür bezahlen sollten, „dass halt mal wieder Krise ist“, dann solle auf sie Verlass sein. Die Gewerkschaften müssten mobilisierungsbereit sein. „Auf der anderen Seite sind wir und bleiben wir eine Gestaltungskraft in diesem Land.“
Bereits zum Auftakt des Kongresses am Sonntag sagte Fahimi: „Wir sehen, wie versucht wird, den Acht-Stunden-Tag infrage zu stellen oder soziale Sicherungssysteme auszuhöhlen.“ Der DGB werde „klare rote Linien ziehen“ – gegen jeden weiteren Eingriff in das Arbeitszeitgesetz, bei der Ablehnung einer Ausweitung von Befristungen oder einer Abschaffung des Rechts auf Teilzeit.
Keine „Politik der sozialen Abrissbirne“
Fahimi warnte erneut davor, „den Sozialstaat schlechtzureden und die Beschäftigten zur Ursache der Krisen zu erklären“. Mit den Gewerkschaften sei eine „Politik der sozialen Abrissbirne“ nicht zu machen. Auch mögliche Rentenkürzungen würden die Arbeitnehmer nicht hinnehmen.
Als Schwerpunkte des DGB für die kommenden vier Jahre kündigte Fahimi „mehr Tarifbindung, mehr Mitbestimmung und mehr Investitionen in die Zukunft“ an. Nötig sei eine Wirtschaft, die auf Innovation und Produktivität setze und nicht auf Lohndruck und Deregulierung. „Und wir wollen einen Sozialstaat, der Sicherheit gibt und den Wandel begleitet.“
Unter dem Motto „Stärker mit uns“ berät der DGB-Kongress noch bis Mittwoch in Berlin. Am Abend wird Vizekanzler und SPD-Chef Lars Klingbeil erwartet. Für Dienstag sind Reden von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) geplant.
Der DGB ist Dachorganisation von acht Einzelgewerkschaften mit insgesamt etwa 5,4 Millionen Mitgliedern. Die beiden größten Gewerkschaften sind die IG Metall und die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di.
