Die weltweiten Krisen und politische Spannungen setzen vielen Unternehmen in Deutschland zu. Doch Unternehmensberater sagen auch: Viele Insolvenzen könnten vermieden werden.
Jede zwölfte Firma bangt um ihre Existenz – das geht aus einer Umfrage des Münchner ifo Instituts hervor. Das entspricht etwa acht Prozent der befragten Firmen. Besonders kritisch ist die Situation im Gastgewerbe. Dort liegt der Wert bei fast 20 Prozent. Auch in der Werbebranche und im Bereich Marktforschung ist der Anteil überdurchschnittlich hoch.
Auch Einzelhändler in Sorge
Bei den Einzelhändlern machen sich den Angaben zufolge 17 Prozent der befragten Unternehmen Sorgen, ob sie überhaupt noch weitermachen können. Die Münchner Forscher sprechen von einem „neuen Höchststand“. Die Kaufzurückhaltung vieler Verbraucher sei eines der Hauptprobleme, hinzu komme der wachsende Online-Handel und die zunehmende Konkurrenz von Billiganbietern aus dem Ausland.
Branchenübergreifend sind es danach fehlende Aufträge, die vielen Unternehmen zu schaffen machen, aber auch steigende Betriebs- und Energiekosten sowie zunehmende bürokratische Anforderungen. Viele Betriebe berichten auch deshalb von Liquiditätsengpässen, weil ihre Kunden sparen oder insolvent werden. „Wenn Kunden wegbrechen oder Aufträge stornieren, trifft das die Zulieferer und Dienstleister mit voller Wucht.“
Kaum Aussicht auf Besserung
„Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt“, so der Leiter der ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. „Die Insolvenzzahlen dürften vor dem Hintergrund der geopolitischen Unsicherheit in den kommenden Monaten auf einem hohen Niveau bleiben.“
Die hohen Energie- und Rohstoffkosten sowie internationale Wettbewerbsnachteile gegenüber asiatischen Anbietern belasten vor allem exportorientierte Branchen.
Viele Insolvenzen könnten vermieden werden
Viele Unternehmensberater beobachten mit Sorge, dass viele Betriebe zu spät auf schwieriger werdende äußere Rahmenbedingungen reagieren. Denn viele tun es Fachleuten zufolge erst dann, wenn die Krise schon absehbar ist. Manche stecken sogar schon mittendrin.
Dabei könnten Insolvenzen vermieden werden, „wenn sich die verantwortlichen Organe frühzeitiger und konsequenter mit diesen Themen befasst hätten,“ so der Wirtschaftswissenschaftler Henning Werner von der EBS-Universität Oestrich-Winkel. Er ist Experte für Restrukturierung und Unternehmenstransformation.
DAX deutlich im Minus
Die vorerst gescheiterten Friedensbemühungen im US-Iran-Konflikt sorgen für maue Stimmung an den Aktienmärkten. Der DAX gibt am Mittag deutlich nach. US-Präsident Donald Trump hat einen iranischen Vorschlag für Gespräche zur Beendigung des Krieges am Sonntag zurückgewiesen.
„Nach wie vor ist unklar, wie die auf beiden Seiten bestehenden Maximalforderungen auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden sollen“, erläutert Jochen Stanzl, Chefanalyst der Consorsbank.
Mit Informationen von Claudia Wehrle, ARD-Finanzredaktion.
