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Politik

Gordon Schnieder im Porträt: Bürgerlich, bescheiden, Birresborn

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 18, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Porträt

Stand: 18.05.2026 • 14:25 Uhr

Der neue rheinland-pfälzische Ministerpräsident setzt auf Sachlichkeit statt lauter Attacken und Einigkeit mit dem Koalitionspartner SPD. Wer ist der Mann aus der Eifel, der die CDU wieder zurück an die Macht brachte?

Christin Jordan, SWR

Gordon Schnieder, Jahrgang 1975, Nesthäkchen. Sein Heimatdorf: Birresborn in der Vulkaneifel, etwas mehr als 1.000 Menschen leben hier. Eine unbeschwerte, behütete Kindheit habe er gehabt, sei durch und durch Familienmensch, sagt Gordon Schnieder über sich selbst. „Ich bin in einer großen Familie mit drei Geschwistern aufgewachsen. Die Großmutter wohnte bei uns. Einen Schlüssel habe ich als Kind nie gebraucht, weil immer jemand da war.“

Die Jungs sind Messdiener in der katholischen Kirche im Ort, Gordon singt im Kirchenchor. Bildung ist seinem Vater wichtig, die Kinder werden angespornt, etwas aus ihren Talenten zu machen, und sie werden so gut wie möglich gefördert. Er liebe das Landleben, sagt Gordon Schnieder, und bis heute leben er und einer seiner Brüder in dem kleinen Ort. Er selbst mit Frau und Kindern in seinem Elternhaus.

Nach dem Abitur geht er zur Bundeswehr, studiert Finanzwesen und Steuerrecht. Heimatverbunden, bodenständig, im Vereinsleben engagiert – der Mann aus der Eifel wirkt eher unauffällig. Seine Hobbies: Radfahren, Wandern, Briefmarkensammeln.

Die Union als politische Heimat

Schon früh engagiert er sich politisch. Mit 16 tritt er in die Junge Union ein. Gordon Schnieder erinnert sich: „Es war die Zeit Helmut Kohls. Wir waren noch ein sehr politisch interessierter Jahrgang, auch in der Schule.“ Deswegen sei Politik an der Tagesordnung gewesen. „Und dann gab es einen Parteitag der CDU, wo mein Bruder selber mit Redebeiträgen dann ran musste, die am Schluss des Tages erfolgreich waren. Und ich gesagt habe, ich möchte hier auch mitmachen.“

Der Bruder – das ist Patrick Schnieder, heute Bundesverkehrsminister. Er habe das aufkeimende politische Interesse des jüngeren Bruders seinerzeit nicht bewusst wahrgenommen, den Jüngeren auch nicht in diese Rolle gedrängt.

Gordon engagiert sich. Er wird Vorsitzender der CDU im Kreistag Vulkaneifel, Ortsbürgermeister in Birresborn. Er will Landrat werden und scheitert. 2016 schafft er es in den Landtag. Auch wenn die CDU die beiden folgenden Landtagswahlen verliert, geht es für ihn politisch aufwärts. 2023 setzt er sich im Machtkampf gegen den glücklosen Christian Baldauf durch und übernimmt den Fraktionsvorsitz, 2024 wird er Landesvorsitzender der CDU Rheinland-Pfalz, 2025 Spitzenkandidat. Er schafft es, die zerstrittene Partei zu einen und hinter sich zu bringen.

„Verlässliche Langeweile“

Sein Politikstil ist sachlich. Schnieder sagt, eine seiner größten Stärken sei es, ruhig bleiben zu können. Wer sich mit ihm unterhält, merkt schnell: Poltern oder Polemik sind überhaupt nicht sein Ding. Im Landtagswahlkampf gibt es bis zuletzt kaum persönliche Spitzen gegen den politischen Gegner. „Es war für mich von Anfang an klar, es geht um Themen. Und die spielte ich. Und da war ich auch hart in der Sache. Aber ich kämpfe nicht gegen jemanden anders, sondern ich setze mich für meine Themen ein. Es ging nie um Schnieder gegen Schweizer oder Schweizer gegen Schnieder.“

Das kommt beim Wähler an, analysiert der Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte: „Wir lieben Biederfrau und Biedermann. Verlässliche Langeweile ist das Hauptkriterium“, sagt Korte. „Die Leute sollen in ihr Amt kommen, alles abarbeiten für uns und sich nicht selbst inszenieren.“ Und so habe das in einem relativ ruhigen Fahrwasser die Union auch für sich versucht. Mit genau dem Kandidaten, der dazu passe. „Kein enthusiastischer, leidenschaftlich wirkender Großeiferer, sondern ein klassischer Eifelaner.“

Kompromisse statt Kämpfe

Ob der frisch gewählte Ministerpräsident diesen Stil auch in der Koalition mit der abgewählten SPD durchhält? Bei der Präsentation des Koalitionsvertrags demonstrieren Schnieder und sein unterlegener Vorgänger Alexander Schweitzer Einigkeit. Schnieder sagt: „Wir haben einen hervorragenden Koalitionsvertrag. Da war auch nicht jeder Tag so, dass wir bei jedem immer beide einen Haken dran gemacht haben. Sondern da ringt man auch um einen Kurs, aber man ringt auch um einen Kompromiss.“

Ein Kompromiss, mit dem manche in seinen eigenen Reihen nicht richtig glücklich sind: Obwohl die Union mit fünf Prozentpunkten Vorsprung deutlich besser abgeschnitten hat als die SPD, bekommen beide Partner je fünf Ministerien.

Aber vielleicht ist auch das typisch für Gordon Schnieder, der auch im Privatleben gerne Harmonie hat. „Ich mag es, dass wir alle zusammen am Tisch sitzen und gemeinsam essen. Das heißt aber auch, dass wir alle zusammen sitzen bleiben, bis auch der letzte fertig ist. Mir ist das Gebet beim Mittagessen wichtig, das machen wir gemeinsam und genauso zur guten Nacht. Ich gehe nicht gerne im Streit auseinander, das heißt man wird das letzte Gespräch auch am Abend noch miteinander führen, damit man nicht im Konflikt ins Bett geht.“

„Ich bin immer noch der Junge vom Dorf“

Auf ihn warten große Herausforderungen. Authentisch und verlässlich wolle er bleiben, sagt er. „Ich bin immer noch der Junge vom Dorf und gehe genauso durchs Dorf und möchte das auch weiterhin genauso tun“, sagt er. Er komme nicht nach Hause mit einem Amt in der Tasche, sondern gehe in die Dorfgastronomie, „weil ich abends da ein paar Leute treffen will, ein bisschen sprechen will und am besten über Dinge, die nicht den ganzen Tag hier schon angestanden sind. Und das ist für mich Heimat.“

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