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Lohnt sich nur für Prime-Kunden: So gut funktioniert Amazon Alexa+

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 19, 2026Keine Kommentare8 Minuten Lesezeit
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Lohnt sich nur für Prime-KundenSo gut funktioniert Amazon Alexa+

19.05.2026, 17:22 Uhr Von Klaus Wedekind
Alexa+ Test (1 von 1)
Manchmal muss man Alexa+ daran erinnern, was sie gerade tun wollte, aber dann bekommt die KI es meistens hin. (Foto: kwe)

Amazon beginnt in Deutschland, Alexa+ zur Verfügung zu stellen. Der Sprachassistent macht jetzt einen besseren Job und ist deutlich nützlicher, es hakt aber noch an einigen Stellen. Ohne Prime-Mitgliedschaft ist die KI-Unterstützung teuer, womit Amazon offenbar ein strategisches Ziel verfolgt.

Schon seit Februar 2025 ist Alexa+ in den USA verfügbar, doch es hat über ein Jahr gedauert, bis Amazon seinen runderneuerten KI-Sprachassistenten auch nach Deutschland bringt. Zunächst kann man ihn auf Einladung ausprobieren, indem man dafür einen Zugangscode beantragt. Auf neuen Amazon-Geräten wie dem Echo Show 11, den ntv.de für einen Test erhalten hat, ist Alexa+ bereits ab Werk verfügbar, viele ältere Geräte des Anbieters inklusive Fire-TV-Sticks lassen sich nachrüsten. Lautsprecher anderer Hersteller sind aktuell bisher nicht bereit für Alexa+.

Der Dienst bleibt nur für Prime-Mitglieder gratis. Ohne Abo kostet Alexa+ 23 Euro pro Monat, wenn die Testphase endet. Nachdem die Prime-Mitgliedschaft bereits ab rund 9 Euro monatlich zu haben ist, scheint Amazon vor allem dafür Abonnenten gewinnen und an sein Ökosystem binden zu wollen. Denn welchen Sinn ergibt es, fast das Dreifache für Alexa+ ohne die Prime-Vorzüge zu bezahlen?

Ungezwungenes Plaudern mit Aussetzern

Wichtigstes technisches Ziel des Updates ist, dass man mit Alexa+ ein nahezu normales Gespräch führen kann. Bei Plaudereien über allgemeine Themen hat dies im Praxistest weitgehend gut funktioniert. Man wird auch verstanden, wenn man sich verspricht, Umgangssprache nutzt, kurze Pausen zum Nachdenken macht oder Anglizismen verwendet. Eine Glanzvorstellung lieferte das KI-Helferlein bei der Suche nach einem Rezept, das zu Zutaten passt, die man vorrätig hat. Auch während man kocht, kann man nach Tricks, Methoden, Zeiten et cetera fragen.

Wenn es komplizierter wird, muss man allerdings gelegentlich länger auf eine Antwort warten. Im Extremfall schien der Assi so aus dem Konzept zu geraten, dass er zu Englisch wechselte. Nicht selten lag er völlig daneben. Und Fehler gesteht auch Alexa+ nur ungern ein, sondern macht lieber so weiter, als sei nichts gewesen. Nervig ist außerdem, dass man den Assi nicht einfach unterbrechen kann, wenn er sich verrannt hat, sondern erst wieder das Zauberwort „Alexa“ sagen muss.

Gedächtnislücken bei Anschlussfragen

Mit Anschlussfragen hat der Assi weitgehend keine Probleme mehr. Es ist auch möglich, einen Chat auf einem Gerät zu beginnen und auf einem anderen oder in der Amazon-Alexa-App fortzusetzen. Das funktioniert bei guter Internetverbindung fast ohne Verzögerung.

Im Prinzip ist es zudem ohne Weiteres möglich, ein früheres Gespräch wieder aufzugreifen. Allerdings merkt man auch hier, dass Alexa+ noch in der Testphase ist. Beispielsweise sprach ntv.de mit dem Assi über den Stromverbrauch von KI-Aufgaben. Einige Stunden später konnte sich Alexa+ zunächst nicht mehr daran „erinnern“. Erst nach dem Hinweis, dass man vor ein paar Stunden darüber gesprochen hatte, konnte die KI wie gewünscht eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse aus dem Chat erstellen.

„Datei nicht gesendet“

Probleme gibt es auch noch bei der Auswertung von Dokumenten, Fotos et cetera. Im Praxistest konnten in der Amazon-App keine Dateien im Chat hochgeladen werden – weder mit der iOS- noch mit der Android-Anwendung. Ebenso scheiterte der Versuch, dies über E-Mail zu machen. Beide Möglichkeiten sieht Alexa+ eigentlich vor. Handschriftliche Notizen soll die KI ebenfalls schon verstehen und Fragen dazu beantworten können. Wenn man sie danach fragt, sagt sie aber, dass sie das noch nicht beherrscht.

Man kann bei einem Echo-Gerät immerhin aber Text vor dessen Kamera halten und Alexa+ fragen, was dort steht. Ist die Handschrift einigermaßen leserlich, erkennt die KI den Inhalt recht gut. Das Gleiche gilt für Gegenstände und Pflanzen, die nicht zu außergewöhnlich sind.

Recht versiert zeigt sich Alexa+ beim Organisieren von Terminen. Man kann sie im Gespräch ändern, später Korrekturen vornehmen oder Teilnehmer hinzufügen. Aktuell ist das allerdings nur mit einem Kontakt möglich. Praktisch ist die Zusammenfassung der Kalendereinträge eines Tages, die Alexa+ einwandfrei präsentiert. Als sehr hilfreich hat sich das Helferlein zudem beim Abarbeiten von To-do-Listen erwiesen.

Buchen und Reservieren mit großen Einschränkungen

Eine starke Vorstellung liefert Amazons neuer KI-Assistent im Prinzip auch bei der Auswahl eines Restaurants in der Nähe und dem Reservieren eines Tisches. Allerdings nur, wenn die Lokalität der KI bekannt ist – und da hat sie einige Lücken, da sie nicht auf Google Maps oder Apple Karten, sondern nur auf OpenTable zugreifen kann. Außerdem bleiben Restaurants oder andere Örtlichkeiten mit exotischeren Namen eine echte Herausforderung für den Assi.

Wenn man vor oder nach dem Essen ins Theater oder Kino gehen möchte, erfährt man: „Ich kann keine Veranstaltungstickets in deiner Umgebung kaufen.“ Ebenso erhält man eine Absage, wenn man Alexa+ ein Taxi oder ein anderes Transportmittel rufen lassen möchte.

E-Mails schreiben hui, E-Mails versenden pfui

Ähnlich durchwachsen sieht es beim Versenden von E-Mails aus. Der diktierte Text wird weitgehend korrekt umgesetzt, solange man sich einfach und deutlich ausdrückt. Aber mit Adressen hat Alexa+ Probleme, wenn eine Person mehrere hat, etwa beruflich und privat. Das Gleiche gilt für komplizierte Namen. In so einem Fall schreibt man die Nachricht besser selbst, wenn man Zeit sparen möchte.

Alexa Umformulierung
Gut gemacht! (Foto: kwe)

Auf hohem Niveau zeigt sich Amazons verbesserter Assi beim Umformulieren von Texten. Für den Test wandelte er beispielsweise eine grobe Aufforderung, künftig pünktlich die Mülltone vors Haus zu stellen, in eine freundliche, aber unmissverständliche Bitte um, die den Hausfrieden bewahrt.

Umfangreiche Datenschutzeinstellungen

Wenn es darum geht, Rezepte zu entwickeln, einen Restaurantbesuch, eine Kino- oder Theatervorstellung oder irgendeine andere Aktivität zu planen, ist es praktisch, Alexa+ mit seinen Vorlieben vertraut zu machen, indem man den Assistenten auffordert, sich etwas zu merken. Dabei handelt es sich wie bei vielen Daten, die man Amazon anvertraut, um sehr persönliche Informationen. Wenn man die Kontrolle behalten möchte, sollte man daher einen Blick in die Datenschutzeinstellungen der aktualisierten App werfen.

Dort kann man unter anderem festlegen, ob und wann Daten gelöscht werden – unter anderem jene zu „Merk dir das“. Besonders wichtig ist der Punkt „Meine Alexa-Daten verwalten“. Denn hier kann man einstellen, ob man akzeptieren möchte, dass Amazon gespeicherte Aufnahmen nutzen darf, um sein Sprachmodell zu trainieren. Es ist auch möglich, das Speichern von Sprachaufnahmen und Transkripten vollständig zu verweigern.

„Bitte gehe auf Amazon zur Kasse“

Souverän agiert Alexa+ grundsätzlich wenn es darum geht, Content bei Streamingdiensten auszusuchen, und das nicht nur im eigenen Angebot. Allerdings hat die KI bei Weitem nicht auf alle verfügbaren Dienste Zugriff. Ärgerlich ist zudem, dass der Assi ausgerechnet beim viel genutzten Spotify Aussetzer erlaubt. Beispielsweise findet er eine Playlist nicht, die er am Vortag ohne Probleme abgespielt hat.

Wenig überraschend unterstützt der Assi beim Einkaufen auf Amazon.de. Er sucht Angebote heraus, nennt auf Nachfrage Details, zeigt Alternativen und mehr. Weiter als bis zum Einkaufswagen kommt man dann aber nicht. Um den Kauf abzuschließen, muss man die App öffnen oder sich im Browser anmelden.

Extrem routiniert im Smarthome

Der wahrscheinlich größte Pluspunkt der aufgemöbelten KI-Unterstützung ist die Steuerung von Geräten im Smarthome. Sie gehörte bisher schon zu den Alexa-Stärken, ist aber noch besser geworden. Das betrifft speziell Routinen, die man wie von Amazon versprochen, jetzt per Sprachbefehl eingeben kann, sogar wenn sie komplexer ausfallen.

Dabei ist es möglich, Alexa+ zu fragen, ob eine bestimmte Routine klappen könnte und zu experimentieren. Für den Test hat ntv.de ein einfaches Alarmsystem eingerichtet, indem ein über Matter eingebundener Bewegungsmelder „Death Train“ von The Bobby Lees in höchster Lautstärke auf einem per Bluetooth mit dem Echo Show 11 verbundenen Lautsprecher abspielt. Zusätzlich könnte eine Amazon-Ring-Kamera den Eindringling aufnehmen. Ebenso unkompliziert ließ sich eine Morgenroutine mit Espressomaschine, Lichtern, Radiosendern, Heizung und vorgelesenen News erstellen.

Apropos Heizung: Man muss nicht mehr sagen, „Alexa, Heizung auf 21 Grad stellen“, es genügt dem Assi mitzuteilen, dass einem kalt ist und er stellt die vorher – mündlich diktierte – Temperatur ein. Umgekehrt klappt das auch bei Hitze mit einer Klimaanlage. Oder man spart sich das Gequatsche und erstellt mit einem Temperatursensor entsprechende Routinen.

Fazit

Alexa+ ist im Vergleich zum Vorgänger ein großer Fortschritt, Gespräche sind einfacher und natürlicher, es gibt mehr Möglichkeiten, speziell bei der Smart-Home-Steuerung. Mit ChatGPT oder Google Gemini kann der KI-Assistent zwar nicht ganz mithalten, aber er ist in zahlreichen Haushalten mit vorhandenen Alexa-Geräten einfacher und manchmal auch nützlicher einsetzbar, wenn man ihm die entsprechenden Daten und Zugriffe gestattet.

Andererseits fehlen Alexa+ Verbindungen zu vielen wichtigen Diensten, und zu oft muss man nachbessern, korrigieren oder dann doch selbst in der App oder im Browser tippen und klicken. 23 Euro monatlich möchte man dafür kaum bezahlen. Für Prime-Abonnenten gilt aber: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Außerdem ist Alexa+ noch in der Testphase, und Amazon plant neben Verbesserungen weitere Funktionen und eingebundene Dienste.

Quelle: ntv.de

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