Nur zu DFB-Spiel in KanadaBundesregierung vermeidet vorerst USA-Besuche bei der WM

Die Bundesregierung verkündet eine Reise zum WM-Gruppenspiel der DFB-Elf. Pikanterweise handelt es sich um die einzige Partie, die nicht auf US-Boden stattfindet. Ein Bundestagsmitglied kritisiert eine „nicht erkennbare Strategie“ von Merz und Co. im Umgang mit dem Turnier.
Mitglieder und Vertreter der deutschen Bundesregierung werden die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko (11. Juni bis 19. Juli) besuchen. Das geht aus einer Antwort des Auswärtigen Amts auf eine schriftliche Einzelfrage eines Mitglieds des Bundestags hervor, die ntv.de beide vorliegen. Demnach ist geplant, dass die Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Bundeskanzleramt, Christiane Schenderlein, zum zweiten Gruppenspiel der deutschen Nationalmannschaft reist.
Weitere Reisen von Regierungsmitgliedern stehen laut dem Schreiben des Auswärtigen Amts „noch nicht fest“. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte jüngst in der ARD-Sendung „Caren Miosga“ angekündigt, zur WM fliegen zu wollen, wenn das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann es bis ins Finale schafft.
Die zweite WM-Partie der DFB-Elf findet am 20. Juni in Toronto in Kanada statt. Der Gegner ist die Elfenbeinküste. Vorher geht es am 14. Juni gegen Außenseiter Curacao und zum Abschluss der Vorrunde am 25. Juni gegen Ecuador. Diese beiden Spiele finden auf dem Boden der USA statt.
„Zu keinem Zeitpunkt eine Strategie erkennbar“
Die schriftliche Einzelfrage hatte der Grünen-Abgeordnete Boris Mijatović gestellt. „Wenn der Bundeskanzler oder andere hochrangige Regierungsvertreter in offizieller Funktion zu deutschen WM-Spielen in den USA reisen, ist es gleichzeitig auch eine Legitimierung und Bestätigung für die US-Administration und die FIFA“, sagte er zu ntv.de. Mijatović hält die USA mit dem Präsidenten Donald Trump jedoch für „kein geeignetes Austragungsland für eine solche Veranstaltung wie die Fußball-Weltmeisterschaft 2026“.
Der Grünen-Politiker, der ordentliches Mitglied im Auswärtigen Ausschuss sowie ordentliches Mitglied im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe ist, wirft der Bundesregierung vor, beim Thema Menschenrechte nicht genug auf die US-Regierung eingewirkt zu haben: „Leider war und ist zu keinem Zeitpunkt eine Strategie der Bundesregierung erkennbar.“
Er erwarte insbesondere von Mitgliedern der Bundesregierung, „dass sie sich klar zu den Missständen äußern, wenn sie zu WM-Spielen in den USA reisen sollten“, so Mijatović. Er findet es immerhin „ein gutes – und sicher nicht zufälliges – Signal, dass Staatsministerin Schenderlein ausgerechnet das deutsche Gruppenspiel, das eben nicht in den USA stattfindet, besuchen wird.“
Grünen-Politiker regt diplomatischen Boykott an
Menschenrechtsorganisationen und Beobachter kritisieren die Lage der Menschenrechte in den USA rund um die WM schon länger. Im Interview mit ntv.de sagte Minky Worden, Direktorin von Human Rights Watch im Bereich „Global Initiatives“, dass das Turnier „eine potenzielle Menschenrechtskatastrophe“ werden könnte. Als Beispiele nennt sie die Menschenrechtsaktionspläne der Ausrichterstädte, die eigentlich verpflichtend sind, und mögliche Einsätze der brutalen US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE.
„Sollte es während der WM tatsächlich zu unverhältnismäßigen ICE-Einsätzen oder sonstigen massiven Menschenrechtsverletzungen kommen, muss die Bundesregierung auch einen diplomatischen Boykott des Turniers diskutieren“, fordert diesbezüglich Mijatović gegenüber ntv.de.
Auch die FIFA steht in der Kritik. Der Weltverband habe auf einer „unvorstellbaren Ebene versagt“, sagte Worden im Interview und kritisierte der FIFA-Friedenspreis für Donald Trump als „eine Form der Korruption“.