Live-Konzerte in den USA kosten Fans oftmals ein kleines Vermögen. Immer häufiger sagen Künstler ihre Auftritte ab. Möglicherweise liegt das an schlechten Verkaufszahlen.
In den USA gibt es schon einen neuen Begriff für das Phänomen: Das „blue dot fever“ – das Blaue-Punkte-Fieber – gehe um. Das Phänomen ist benannt nach den blauen Punkten, mit denen Ticketplattformen freie Sitze markieren. Die These: Mehr Konzerte würden abgesagt, weil nicht genug Tickets verkauft worden seien.
Nur wenige Acts räumen das freimütig ein, so wie die Pussycat Dolls. Sie gaben für die kürzlich abgesagten US-Konzerte ihrer Revival-Tour halbwegs deutlich zu: Man habe sich den US-Teil der Tour ehrlich angesehen und alle bis auf ein Konzert gestrichen. Die Konzerte in Europa hingegen finden statt.
Musiker wie Meghan Trainor, Post Malone oder Zayn Malik nannten dagegen andere Gründe für kurzfristige Absagen. Fans und Experten spekulieren trotzdem, ob Ticketverkäufe eine Rolle gespielt haben.
Verschätzt sich das Management?
Der große Konzertveranstalter Live Nation allerdings widersprach Anfang Mai bei der Bekanntgabe seiner Quartalsergebnisse: Die Nachfrage sei hoch und die Anzahl der abgesagten Konzerte nicht höher als sonst, so Vorstandsvorsitzender Michael Rapino.
Die Theorie von Musikjournalist Chris Willman: Topstars wie Billie Eilish oder Taylor Swift könnten zwar fast jeden Preis verlangen, aber wer nicht in der absoluten Top-Liga spiele, verkalkuliere sich schneller mal – mit der Höhe der Ticketpreise, der Größe der Halle oder der Zahl der interessierten Fans, sagte er bei Entertainment Tonight.
Konzerte werden immer teurer
Die Konzertpreise in den USA sind hoch: Im Schnitt zahlt man mittlerweile für erfolgreiche Künstler nach Pollstar-Daten mehr als 130 US Dollar pro Ticket, für Superstars sind ein paar Hundert Dollar keine Seltenheit – und bei begehrten Ticket bestimmt immer öfter die Nachfrage den Preis, das sogenannte dynamic pricing.
Wenn die Preise generell steigen, wird auch das Touren nicht billiger. Und insgesamt sind Konzerteinnahmen wichtiger geworden für Künstler, erklärte Musik-Business Experte Donald Passmann letztes Jahr auf der Messe SXSW: Mit Streaming lasse sich nicht so viel Geld verdienen wie mit Platten.
Rechtliche Schritte eingeleitet
Ein möglicher weiterer Faktor: Ein Gericht in den USA ist gerade zu dem Schluss gekommen, dass der große Veranstalter Live Nation zusammen mit der dazugehörigen Verkaufsplattform Ticketmaster im Land eine Art Monopol hat und Fans deshalb insgesamt bei Tickets draufzahlen. Der Rechtsstreit um Zahlungen oder die Zukunft der Firma ist noch nicht beendet.
Dazu kommen professionelle Wiederverkäufer, die sich viele Tickets sichern und mit hohem Aufschlag weiterverkaufen. In mehreren Bundesstaaten, darunter auch Kalifornien, versuchen Politiker, diese Praxis gesetzlich stärker einzuschränken.
Streaming statt Live-Erlebnis
Dafür kommen immer neue Konzertfilme im Kino – gerade erst der von Billie Eilish. Auch Streaminggigant Netflix will mittlerweile mit Live-Events aller Art – darunter auch Konzerte – mehr Abos und mehr Werbung verkaufen. Ein richtiger Ersatz dafür, selbst in der Halle zu stehen, ist das sicher nicht – aber vergleichsweise bezahlbar.

