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Wie die Conference League wirkt: Ein überflüssiger Europapokal?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 27, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Wie die Conference League wirktEin überflüssiger Europapokal?

Oliver Glasner mag die Conference League. (Foto: Pool via REUTERS)

Fünf Jahre gibt es die Conference League jetzt schon. Warum der dritte Europapokal für kleine Vereine sehr bedeutend ist und was die deutschen Teilnehmer sagen.

Oliver Glasner geriet beim Gedanken an die Conference League ein wenig ins Schwärmen. „Wir sind wirklich quer durch Europa gereist. Von Fredrikstad nach Florenz, von Lublin bis Shelbourne. Wir haben das vom ersten Spiel an genossen“, sagte der Trainer von Crystal Palace. Der Klub aus London trifft (21 Uhr/RTL Nitro und im ntv.de-Liveticker) auf Rayo Vallecano. Es wird das fünfte Endspiel des kleinsten europäischen Wettbewerbs. Eine Zwischenbilanz.

Deshalb gibt es die Conference League: Europapokal für jeden – so in etwa ist der Ansatz der UEFA bei der Conference League. Der Verband erklärte, dass durch die Einführung eines dritten Wettbewerbs nach der Champions League und der Europa League mindestens 34 Verbände international vertreten sein würden. Das geht auf. In der vergangenen Saison waren 29 verschiedene Nationen in der Gruppenphase der Conference League vertreten. Darunter erstmals Teams aus Wales und Nordirland.

„Wenn man regelmäßig Champions League spielt, ist es nicht der attraktivste Wettbewerb“, befand Glasner. „Aber wenn du zum ersten Mal überhaupt europäisch spielst, ist das einfach herausragend.“

Aberwitzige Einnahme-Unterschiede: Im vergangenen Jahr nahm der FC Chelsea als Sieger insgesamt rund 22 Millionen Euro ein – das ist etwas mehr als ein Champions-League-Klub allein für die Qualifikation bekommt. Für die großen Klubs sind die Einnahmen aus der Conference League nicht signifikant. Anders sieht es bei Teams von kleinerem Kaliber aus. Wie für den 1. FC Heidenheim. „Für einen Verein unserer Größenordnung waren die Einnahmen aus den UEFA-Prämien ein wirtschaftlich relevanter Faktor. Richtig lukrativ wird es dann natürlich, wenn man die K.-o.-Phasen erreicht“, sagte Heidenheims Geschäftsführer Holger Sanwald.

Für die Gruppenphase erhielt ein Verein 3,17 Millionen Euro. Ein Sieg brachte 400.000 Euro, ein Unentschieden 133.000 Euro. In der Playoff-Runde scheiterte Heidenheim in der Saison 2024/25 an Kopenhagen. Dadurch nahm der Klub rund fünf Millionen Euro ein. Der Stockholmer Klub Djurgarden erreichte das Halbfinale, erhielt insgesamt 13 Millionen Euro – eine enorme Summe, die in der schwedischen Allsvenskan bei vielen Vereinen mehr als die Hälfte des jährlichen Budgets ausmacht.

Hinzu kommen Einnahmen aus Spieltagen, Medienrechten, Merchandise und Sponsoring. Durch die Preisgelder sind kleinere Klubs nicht mehr gezwungen, ihre Spieler ins zahlungskräftigere Ausland zu verkaufen. Die internationale Präsenz wiederum erhöht den Marktwert der Talente. Zudem kann in die Infrastruktur investiert werden. „Wir haben die Einnahmen genutzt, um den FCH wirtschaftlich weiter zu festigen“, sagte Sanwald.

Chance für die Kleinen: In jedem Jahr der Conference League erreichte ein Klub aus England mindestens das Halbfinale, viermal war eine italienische Mannschaft dabei. Was die Chancen der kleineren Teams angeht, ist Djurgardens IF bisher das größte Märchen.

Der Effekt auf die kleineren Vereine beschränkt sich allerdings nicht nur auf sportlichen Erfolg und Preisgelder. Die Teilnahme am Europacup hat unmittelbaren Einfluss auf die Professionalisierung der Klubs. „Diese Erfahrungen haben unsere Strukturen nachhaltig professionalisiert und weiterentwickelt“, sagte Sanwald und bezeichnete die Teilnahme als Meilenstein.

Nicht zu unterschätzen ist die internationale Sichtbarkeit. Das spürte sogar der kleine 1. FC Heidenheim. „Unsere Reichweiten auf den Social-Media-Kanälen sind spürbar gewachsen“, sagte Sanwald. Selbiges berichteten die Verantwortlichen von Djurgarden. „Betis, Florenz, Chelsea und Djurgarden im Halbfinale – das ist doch total unglaublich“, sagte Sportchef Bosse Andersson. Laut Medienberichten hat sich die Markenbekanntheit des Clubs um Dutzende Prozent gesteigert.

Akzeptanz bei den Fans: Der sportliche Erfolg der deutschen Teams ist in der Conference League bescheiden. Die Viertelfinal-Teilnahme von Mainz ist bisher das Maximum. Ein Fan-Magnet war der Wettbewerb dennoch, jeder deutsche Teilnehmer verbuchte hohe Zuschauerzahlen.

„Wenn man sieht, wie viele Heidenheimer uns zu den Auswärtsspielen quer durch Europa begleitet haben, kriege ich heute noch Gänsehaut“, sagte Heidenheim-Manager Sanwald. „In Edinburgh waren es beispielsweise 1.000 mitgereiste FCH-Fans an einem Donnerstagabend.“

Blickt man auf die Endspiele, so stieg die Zuschauerzahl in fast jedem Jahr. Das erste Finale zwischen der AS Rom und Feyenoord Rotterdam sahen 2022 rund 22.000 Fans in Tirana. Im vergangenen Jahr waren in Breslau fast 40.000 Fans beim Sieg von Chelsea gegen Betis. Auch in Leipzig erwartet man weit mehr als 30.000 Zuschauende.

Leistungen in der Liga: Die Dreifach-Belastung wird zum Problem, wenn man in der Regel nicht international spielt. Soweit das Vorurteil. Mit Blick auf die Bundesliga lässt sich das nur bedingt bestätigen. Union Berlin schnitt in seiner Conference-Saison besser ab als im Jahr zuvor. Heidenheim und Mainz bekamen dagegen Probleme, steckten im Abstiegskampf.

„Natürlich war die körperliche und mentale Belastung durch die englischen Wochen extrem hoch, zumal die Bundesliga für uns immer oberste Priorität hatte“, sagte Sanwald. Aber die Spieler haben die Spiele auf dem internationalen Niveau vorangebracht.

Mainz-Manager Christian Heidel sagte: „Ich war kompletter Gegner des neuen Systems. Aber ich muss Abbitte leisten. Jetzt, nachdem wir selber mitgespielt haben, finde ich das überragend.“

Quelle: ntv.de, Tom Bachmann, dpa

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