Deutlich mehr Menschen als in den Vergangenen Jahren sind in Braunschweig, Nürnberg und Essen für queere Rechte auf die Straße gegangen. Die friedlichen Demonstrationen standen im Zeichen des Anschlags beim Berliner CSD Ende Juli.
Zwei Wochen nach dem islamistischen Anschlag am Rand des Christopher Street Day (CSD) in Berlin melden Veranstalter von CSD-Demonstrationen vermehrten Zulauf – auch bei Kundgebungen abseits der Metropolen. In Braunschweig demonstrierten nach Polizeiangaben mindestens 6.000 Menschen für queere Rechte. Das waren deutlich mehr als sonst. In den vergangenen Jahren zählten die Beamten zwischen 4.500 und 5.000 Teilnehmende.
„Es sind auch viele nicht-queere Menschen dabei, die der Community ihrer Solidarität zeigen wollen“, sagte Björn Waldmann vom Orga-Team des Braunschweiger CSD der Nachrichtenagentur epd. Der CSD sei „wieder politischer als in den Vorjahren“. Nach dem Berliner Anschlag liege eine „Jetzt-erst-recht-Stimmung“ in der Luft.
Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen
Mit mehr als 20.000 Teilnehmenden verzeichnete auch der Christopher Street Day in Nürnberg einen Rekord. Unter dem Motto „Nürnberg liebt“ zogen mehr als 60 Gruppen durch die Innenstadt, um ein Zeichen für Sichtbarkeit, Gleichberechtigung und gegen Queerfeindlichkeit zu setzen. Die Polizei schätzte die finale Zahl der Demonstrierenden am Nachmittag sogar auf rund 23.000 Menschen. Die Demonstration verlief friedlich und ohne Zwischenfälle.
Wie in Nürnberg und Braunschweig hatte die Polizei auch beim RuhrPride in Essen ihr Sicherheitskonzept nach dem Berliner Anschlag nachgeschärft. Am Demonstrationszug in der nordrhein-westfälischen Stadt nahmen nach Angaben der Polizei mindestens 3.500 Menschen teil. Der Zug war am Mittag an der Grugahalle gestartet. Die Parade verlief am Nachmittag ohne besondere Vorkommnisse. Für den gesamten CSD rechnen die Veranstalter im Laufe des Tages mit rund 12.000 Menschen.
Auch am vergangenen Wochenende schon großer Zulauf
Ein ähnliches Bild hatte sich bereits am vergangenen Wochenende gezeigt – bei großen wie bei kleinen Kundgebungen: Der Hamburger CSD – der erste große nach dem Anschlag von Berlin – verzeichnete mit rund 300.000 Teilnehmenden einen neuen Höchstwert. Auch zum CSD in Kempten im Allgäu kamen am vergangenen Wochenende mehr Menschen als erwartet – gut 2.500.
Bei dem Terroranschlag am 25. Juli war der islamistische Attentäter mit einem Auto in Berlin im Großen Tiergarten nahe dem Brandenburger Tor in eine Menschengruppe gefahren und mit dem Fahrzeug anschließend gegen den Baum geprallt. Eine Frau wurde getötet, mindestens 31 Menschen zum Teil schwer verletzt. Einen Tag später erschossen Polizisten den mutmaßlichen Attentäter in Berlin-Spandau bei dem Versuch, ihn festzunehmen.
Schweigeminute in Prag
Auch in Prag wurde der Opfer des Anschlags gedacht. Gleich zu Beginn der Pride-Demonstration in der tschechischen Hauptstadt fand eine Schweigeminute statt. Zehntausende Menschen zogen anschließend durch die Innenstadt, um gleiche Rechte für sexuelle Minderheiten zu fordern.
Als Reaktion auf den Angriff in Berlin hatten die Veranstalter des Prager Festivals verstärkte Sicherheitsmaßnahmen angekündigt. Hunderte von Polizisten und ein Deeskalations-Team begleiteten die Parade. Die Teilnehmer wurden zudem gebeten, Transparente mit der Hand zu tragen oder Kunststoffstangen zu verwenden. Auf Holzstangen und Besenstiele sollte verzichtet werden. Nach Polizeiangaben kam es zu keinen besonderen Zwischenfällen, obwohl sich an der Route auch eine kleine Gruppe von Gegendemonstranten aufgestellt hatte.
