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Startseite»Politik»Jetzt steigt auch Ferrari ein: Elektromobilität für Superreiche
Politik

Jetzt steigt auch Ferrari ein: Elektromobilität für Superreiche

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 27, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 27.05.2026 • 11:44 Uhr

Auch Luxusmarken setzten auf Elektroantrieb. Nach Herstellern wie Porsche, Rolls-Royce oder Maserati steigt auch Ferrari ins exklusive E-Auto-Segment ein. Kann eine solche Strategie aufgehen?

Claudia Wehrle

Die technischen Daten vom neuen Ferrari „Luce“ sind beeindruckend: Allradantrieb. Für jedes Rad einen eigenen Elektromotor. Die Leistung: mehr als 1.000 PS. Von null auf Tempo 100 geht es in 2,5 Sekunden. Die Reichweite gibt Ferrari mit 530 Kilometern an.

So technisch ausgefeilt der erste vollelektrische Ferrari sein mag, in der Fachwelt und bei Ferrari-Liebhabern sorgt er für großes Aufsehen – und zugleich für Entsetzen: Denn wer beim Design einen klassischen Ferrari-Sportwagen erwartet hat, wird vom neuen „Luce“ (italienisch für „Licht“) enttäuscht sein.

„Er sieht mehr aus wie ein chinesisches Auto oder wie ein Tesla“, findet Frank Schwope. Er ist Lehrbeauftragter für Automotive & Mobility Management an der Fachhochschule des Mittelstands (FMH) in Berlin. „Das ist schon eine mutige Entscheidung, die Ferrari getroffen hat.“

Elektromobilität – ein schwieriges Geschäft

Ferrari geht diesen Schritt zu einer Zeit, in der andere Hersteller im Luxus-Segment längst vorsichtiger geworden sind, was hochfliegende Elektromobilitätsvorhaben betrifft. Porsche etwa macht keinen Hehl daraus, dass die Nachfrage nach seinen Stromern zu wünschen übrig lässt.

Lamborghini hat seine E-Autopläne Anfang des Jahres auf Eis gelegt. Man habe erkannt, dass Kunden nicht an einem vollelektrischen Lambo interessiert seien, so Lamborghini-Chef Stephan Winkelmann. Bugatti konzentriert sich eher auf leistungsstarke Plug-in-Hybride, die klassische Verbrennungsmotoren mit elektrischem Antrieb kombinieren.

Kleiner exklusiver Kundenkreis

Der Kundenkreis für luxuriöse Elektro-Sportwagen ist nicht sehr groß. Es sind besonders vermögende Menschen, auch jüngere Menschen gehören dazu, die technikaffin sind und sich solch einen Luxus leisten können oder leisten wollen und etwas Besonderes suchen, so der Ökonom Martin Lück von Macro Monkey. „Meistens sind solche Fahrzeuge nicht nur schick und haben tolle Marken drauf, sondern sind auch hochwertig entwickelt.“

Lück spricht im Interview mit der ARD-Finanzredaktion von technischen Features, die andere Fahrzeuge nicht haben. Das kann eine besondere Federung sein, ein besonderes Ambiente oder eine besondere Innenausstattung, im günstigsten Fall alles davon. „Und das wird eben bedient von einer Industrie, die jetzt nach neuen Positionierungen und neuen Märkten sucht.“

„Der Ferrari-Kunde hängt am Verbrenner“

Ob für Luxus-Sportwagenbauer die Zukunft wirklich in voll elektrischen Antriebstechniken liegt? Experte Schwope ist skeptisch. Früher oder später werden die Hersteller zwar nicht daran vorbeikommen, zumindest werden sie Angebote in dieser Richtung machen müssen; schon allein deshalb, weil die Branche in Bewegung sei. „Man schaut auch auf den chinesischen Markt, wo man das ein oder andere Stück absetzen möchte. Man schaut auch auf das Verbrennerverbot für 2035.“

Luxus-Sportwagen-Herstellern gehe es nun darum, neue Varianten auf den Markt zu bringen, mit kleinen Marktanteilen, „einfach um was Neues auszuprobieren und um zu sehen, wie das Ganze ankommt“, so Schwope. Es sei auch die Möglichkeit, sich neben Verbrenner- und Hybrid-Modellen ein zusätzliches Standbein zu schaffen.

Ob diese Strategie auf lange Sicht hin aufgeht, ist noch keine ausgemachte Sache. „Im Hause Ferrari wird man solange es geht die Verbrennertechnologie nicht aufgeben“, sagt Schwope. „Sie gehört einfach zur Tradition und zur Historie von Ferrari.“

Anleger skeptisch

An der Börse kommen die E-Auto-Pläne von Ferrari nicht gut an. Von einem herben Rückschlag für die Sportwagenbranche ist die Rede. Negative Stimmen gibt es vor allem zum Design des Fahrzeugs – auch deshalb, weil der „Luce“ anderen bereits bekannten Fahrzeugen ähnele. Anthony Dick von Oddo BHF bezeichnete das Fahrzeug als „radikale und durchaus kontroverse Abkehr vom traditionellen Marken-Ethos“.

Viele Experten an der Börse bemängeln auch den Preis. Mit einem Einstiegspreis von etwa 550.000 Euro sei das Modell um ein Vielfaches teurer als vergleichbare Modelle anderer Hersteller, während die technischen Daten keine größere Innovation seien.

Analyst Michael Binetti von Evercore ISI berichtet von ersten Gesprächen mit Händlern, die das Fahrzeug bereits vor über einem Monat zu Gesicht bekommen hätten. Danach gibt es bislang nur eine äußerst geringe Nachfrage. Ferrari werde all sein Geschick in der Kundenpflege aufbieten müssen, um Interessenten für den „Luce“ zu gewinnen. Ferrari-Aktien gaben unmittelbar nach der Vorstellung des ersten Elektrofahrzeugs deutlich nach, verloren zeitweise sieben Prozent.

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