Der Krieg in Iran dauert inzwischen drei Monate. Für die Weltwirtschaft wird das zunehmend zum Problem. Dabei war sich US-Präsident Trump schnell sicher, den Krieg praktisch schon gewonnen zu haben. Jetzt wirkt er ratlos.
Donald Trump startet den Krieg vor drei Monaten von seinem Anwesen Mar-a-Lago aus: Auf Truth Social teilt er den Amerikanern in einem Video mit, dass schwere Kampfhandlungen gegen Iran begonnen haben. Warum der Präsident sein Land an der Seite Israels in einen weiteren Krieg im Nahen Osten führt? Der Anlass dafür sei „das auf Fakten basierende Gefühl“ Trumps gewesen, dass Iran eine unmittelbare und direkte Bedrohung für die Vereinigten Staaten darstellt, erklärt kurz darauf die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt.
Militärisch laufe es für die US-Truppen hervorragend, Trump stimmt zu. Auf einer Skala von eins bis zu zehn, so der Präsident, stünden die Dinge an der Kriegsfront bei 15. Nur wenige Tage nach Kampfbeginn teilt Trump erstmals mit, dass man praktisch schon gewonnen habe.
Teheran hält die Weltwirtschaft im Würgegriff
Ähnlich wird sich der Präsident in den kommenden Wochen immer wieder äußern. Doch in der MAGA-Bewegung sind viele empört. Auch Trump-freundliche Publizisten wie Joe Rogan, der vielleicht bekannteste Podcaster des Landes, können nicht folgen. Er hält den Gegensatz zwischen dem, was der Präsident im Wahlkampf versprochen habe, und dem außenpolitischen Kurs Trumps für „irrsinnig“. Viele Menschen fühlten sich jetzt betrogen. Schließlich sei ja noch nicht einmal klar, warum dieser Krieg begonnen habe.
Meinungsumfragen zeigen: Nur wenige Menschen in den USA nehmen Iran tatsächlich als eine große Gefahr wahr. Iran reagiert auf die Angriffe so, wie es Kriegsspiele in Washington über Jahrzehnte immer wieder erwarten ließen: Er greift Ziele auf der anderen Seite des Persischen Golfes an und erklärt die Straße von Hormus für geschlossen. Global schießen die Energiepreise in die Höhe, Teheran hält die Weltwirtschaft im Würgegriff. Trump zeigt sich von dieser Entwicklung überrascht. Ihn habe niemand gewarnt, dass Iran so handeln werde.
Der Krieg macht Trump in den USA Probleme
Von Anfang an war eine Mehrheit der Amerikaner gegen diesen Krieg. Jetzt wird er innenpolitisch zu Gift für Trump. Eine Reporterin fragt den Präsidenten, wie man den Benzinpreis wieder senken könne. Seine Antwort: Dazu müsse er nur „aus dem Iran rausgehen“, was „sehr bald“ passieren werde. Da ist es Ende März.
Begleitet wird der Krieg von unzähligen Posts des Präsidenten auf Truth Social. Mal droht Trump mit Völkermord, mal stellt er einen baldigen Frieden in Aussicht, mal verlangt er eine bedingungslose Kapitulation – und verkündet schließlich eine Waffenruhe. Dazwischen: immer wieder Tiraden gegen die Verbündeten in der NATO, die sich weigern, an der Seite der USA in den Krieg zu ziehen. Dabei hatte die US-Regierung sie vorab noch nicht einmal in Kenntnis gesetzt.
Iran nutzt Trumps Ungeduld
Deutlich wird: Trump ist ratlos, denn die taktischen Erfolge seines Militärs addieren sich nicht zu einem strategischen Sieg. Ein Zurück zu schweren Bombardierungen ist keine erfolgversprechende Option. Das liegt auch daran, dass im Krieg die Munitionsvorräte geschrumpft sind.
Die atemlosen Posts des Präsidenten zeigen den Iranern: Je länger sich der Krieg hinzieht, desto ungeduldiger wird Trump, ihn zu beenden. Diese Schwäche nutzen die Iraner aus. Sie halten den Präsidenten hin, verhandeln im Schneckentempo und verschärfen damit dessen innenpolitische Probleme.
Bald wird klar: Die Führung in Teheran hat den militärischen Druck überlebt. Aus Sicht von Karim Sadjadpour vom Carnegie Endowment for International Peace, einer Denkfabrik in Washington, glauben beide Seiten, dass sie in diesem Krieg die Oberhand gewonnen haben.
Zwar habe Trump seine Ambitionen zurückgeschraubt, denn es gehe dem Präsidenten nun nur noch darum, die Straße von Hormus zu öffnen und eine Lösung für das hochangereicherte Uran des Iran zu finden. Sadjadpour sieht in Iran allerdings keine Bereitschaft dazu, bei diesen Fragen nennenswerte Zugeständnisse zu machen. Ein Ende des Konflikts liege deshalb in weiter Ferne.

