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Politik

Studie zu Aufholprozess: Abstand zum Westen schrumpft nur langsam

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 28, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 28.05.2026 • 18:35 Uhr

Das Wachstum in den neuen Bundesländern hat an Schwung verloren. Der Abstand zum Westen schrumpfe nur langsam, mahnen die Autoren einer Studie – und fordern einen Blickwechsel.

Dietrich Karl Mäurer

Der Aufholprozess des Ostens verliert seit Jahren an Tempo. Das zeigt der Wettbewerbsreport Ostdeutschland 2026. Unmittelbar nach der Wiedervereinigung lag die Wirtschaftsleistung der Beschäftigten im Osten bei gut einem Drittel des Westniveaus, vor zehn Jahren bei 78 Prozent und heute bei rund 85 Prozent.

Zugleich ist die Entwicklung uneinheitlich. Einige Landkreise wie Jena, der Saalkreis und die Uckermark liegen inzwischen über dem gesamtdeutschen Durchschnitt.

Brandenburg wächst stark, besonders im Berliner Umland und durch Industrieansiedlungen wie Tesla-Grünheide. Auch Dresden und Leipzig entwickeln sich dynamisch.

„Der Aufholprozess ist in Gefahr“

Schwächer bleiben vor allem peripherere Räume, etwa Teile Mecklenburg-Vorpommerns, sowie Regionen in Nordsachsen und im Erzgebirge. Joachim Ragnitz, Mitherausgeber des Reports und stellvertretender Leiter der Dresdner Niederlassung des Wirtschaftsforschungsinstitut ifo, mahnt, der Aufholprozess sei in Gefahr:

„Wir sehen große Probleme bei der künftigen Bevölkerungsentwicklung, bei Investitionen und bei Innovationen“, so Ragnitz. Das führe dazu, dass die Wachstumsdynamik tendenziell schwächer ausfalle als in der Vergangenheit, „tendenziell auch schwächer als im Westen.“

„Das macht was mit den Menschen“

Der Wettbewerbsreport wurde vom Saarower Kreis erstellt, einem Zusammenschluss ostdeutscher Wirtschaftsverbände und Initiativen. Neben strukturellen Problemen sieht der Bericht die sogenannte Vermögenslücke als zentrales Risiko.

Ostdeutsche Haushalte besitzen nur einen Bruchteil des Vermögens im Westen. Das begrenzt Investitionen und schwächt die wirtschaftliche Dynamik. Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser, SPD, warnt vor politischen Folgen.

Besonders in strukturschwachen Regionen seien die Zukunftsperspektiven eher trüb – „und das macht was mit den Menschen“, sagt Kaiser. Auch selbst wenn sie eigentlich ökonomisch ganz gut dastehen, „haben sie Angst, den Status zu verlieren – Angst, dass ihre Kinder dort keine gute Zukunft finden“.

Auch junge Menschen würden pessimistisch auf die Zukunft schauen, betont die Ostbeauftragte. „Und das macht dann auch was mit dem Wahlverhalten und mit der politischen Einstellung.“

„Es gibt da so eine Unsichtbarkeit“

Die Autoren des Reports fordern mehr Investitionen, stärkere Innovationsförderung und gezielte Fachkräftegewinnung. Was die Ost-Wirtschaft sich wünsche, sei Verlässlichkeit, erklärt der
Mitherausgeber und Gründer des Ostdeutschen Wirtschaftsforums, Frank Nehring. „Da gibt es gar keinen Unterschied zwischen Ost und West. Weil einfach Rahmenbedingungen für die Zukunft da sein müssen.“

Nehring verweist außerdem darauf, dass die ostdeutsche Wirtschaft kleinteilig strukturiert ist. Betriebe hätten oft nur bis zu zehn Mitarbeitende und weniger als zwei Millionen Euro Umsatz:

Viele Sachen, die im Bund – auf der großen Bühne – diskutiert werden, betreffen diese Unternehmen gar nicht. Da gibt es so eine Unsichtbarkeit.

Wohl auch deshalb hinterfragen die Autoren des Reports die bisherige Perspektive. Wirtschaftsforscher Ragnitz plädiert dafür, den Blick zu ändern: „Nicht mehr das Aufholen sollte im Vordergrund stehen, sondern stärker, dass man Wachstumsdynamik schafft in den einzelnen Ländern – unabhängig davon, dass man irgendeine Zielgröße hat.“

Wie das gelingen kann, darüber diskutieren Wirtschaft und Politik ab Sonntag auf dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum in Bad Saarow südöstlich von Berlin.

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