Die finanzielle Krise der Kommunen trifft auch viele Freibäder. Eintrittspreise werden erhöht, Angebote eingeschränkt – und das ist erst der Anfang.
Es waren heiße Tage in Karlsruhe: Immer wieder stieg das Thermometer über die 30-Grad-Marke. Das Rheinstrandbad im Stadtteil Rappenwört blieb trotzdem tagelang geschlossen. Es öffnet in dieser Saison aus Kostengründen nur von Donnerstag bis Sonntag. Und auch dann ist nicht die ganze Anlage freigegeben: Das Kinderplanschbecken und das Mehrzweckbecken bleiben gesperrt.
„Da bin ich schon traurig“, sagt der Karlsruher Bäderchef Oliver Sternagel. „Aber wenn wir sparen müssen, müssen wir halt sparen.“ Er sei froh, „dass das Bad überhaupt geöffnet hat“. Lange drohte sogar die komplette Schließung, erst im April gab der Karlsruher Gemeinderat grünes Licht für die Teilöffnung, mit den genannten Einschränkungen. Außerdem müssen die Karlsruher nun tiefer in die Tasche greifen: Der Eintritt für eine erwachsene Person kostet in dieser Saison 7,50 Euro, das ist 1,50 Euro mehr als im Vorjahr.
Hohe Kosten für den Betrieb
Dabei stehen die Karlsruher Bäderbetriebe laut Amtsleiter Sternagel „wirtschaftlich gut da“, das Defizit der insgesamt zehn Bäder in der Stadt sei im Vergleich zu anderen Städten noch im Rahmen. Allerdings seien Bäder immer Zuschussbetriebe – und Freibäder erst recht: „Das ist ein sehr hoher Personalaufwand, ein hoher Instandhaltungsaufwand, hohe Energiekosten, und das für eine relativ kurze Öffnungszeit.“ Außerdem sei man eben „extrem wetterabhängig“: Bei schlechtem Wetter kämen keine Gäste, doch die Kosten blieben.
Der Grund für die harten Sparmaßnahmen im von der Stadt betriebenen Rheinstrandbad: Karlsruhe hat in den vergangenen Jahren enorme Schulden angehäuft. Vielen anderen Städten geht es ähnlich: Selbst finanziell starke Kommunen sind in den vergangenen Jahren ins Minus gerutscht: 2023 betrug das Defizit bundesweit 6,8 Milliarden Euro, 2024 waren es schon 24,8 Milliarden. Im vergangenen Jahr: 31,9 Milliarden Euro.
Der Karlsruher Bäderchef Oliver Sternagel.
Finanzielle Krise spitzt sich weiter zu
In den Jahren zuvor hatten viele Kommunen noch Überschüsse erzielt, mit diesen konnten sie die Defizite der darauffolgenden Jahre zumindest teilweise ausgleichen – doch das ist vorbei. Und es wird erwartet, dass das Defizit in den kommenden Jahren noch größer wird, die Sparmaßnahmen immer härter werden.
„Die Lage ist wirklich desaströs“, sagt Burkhard Jung (SPD), Präsident des Deutschen Städtetags. Wegen der wirtschaftlichen Krise in Deutschland seien die Gewerbesteuereinnahmen massiv eingebrochen – und diese seien die wichtigste Einnahmequelle der Kommunen: „Wir haben auf Grund der Wirtschaftslage kaum noch Spielräume.“
Schwimmbäder „freiwillige Leistungen“ der Kommunen
Angesichts der hohen Kosten für den Betrieb von Freibädern wundert es kaum, dass diese in den Fokus von Kommunen rücken, die sparen müssen. Ihr Spielraum ist dabei eingeschränkt, denn zu gewissen Aufgaben sind die Kommunen verpflichtet: Da wären zum Beispiel der Betrieb von Schulen, die Entsorgung von Müll und Abwasser und die Instandhaltung von Straßen. Bleiben die „freiwilligen Leistungen“: Neben Schwimmbädern und Sporthallen sind das beispielsweise Theater und andere kulturelle Einrichtungen oder Zuschüsse an Vereine und den öffentlichen Personennahverkehr.
Das sei „letztlich alles das, was das Leben ausmacht in einer Stadt“, sagt Städtetagspräsident Jung. Er appelliert an den Bund, den Kommunen zu helfen. Denn er halte es für „einen schwerwiegenden Irrtum, zu glauben, wir Kommunen könnten uns durch die freiwilligen Leistungen gesundschrumpfen und dann nur noch die Pflichtbereiche machen“. Seine Befürchtung: „Dann zerfällt eine Stadtgesellschaft.“
Förderverein will Schließung verhindern
In Karlsruhe hat sich die Stadtgesellschaft in der Debatte um das Rheinstrandbad offensiv zu Wort gemeldet: Im vergangenen Jahr hat sich ein Förderverein gegründet, um die drohende Schließung des Bades zu verhindern. Er machte Druck auf die Politik und erreichte, dass das Bad für diese Saison doch noch einmal geöffnet wurde – wenn auch mit Einschränkungen. Der Verein will auch helfen, indem er zum Beispiel bei der Badeaufsicht unterstützt. Zudem wollen die Mitglieder Events veranstalten, durch die Einnahmen generiert werden sollen.
Ein langfristig finanziell tragbares Konzept für das mit Abstand teuerste Bad der Stadt ist das noch nicht. Und so ist weiterhin fraglich, wie lange das Rheinstrandbad noch betrieben werden kann. Ob es im kommenden Jahr wieder öffnen wird? Die Frage kann Karlsruhes Bäderchef Sternagel nicht beantworten: „Das ist ein Blick in die Glaskugel.“
