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Werden die neuen kanadischen U-Boote aus Deutschland oder aus Südkorea kommen? In Kanada warb Pistorius für den möglichen Milliarden-Deal: „Möge der bessere gewinnen“, sagte er. Dabei geht es um mehr als nur einen Deal.
„Das mit der Landung hat schon mal geklappt“, Verteidigungsminister Boris Pistorius freut sich. Beim Besuch des kanadischen Unternehmens CAE hatte er die Gelegenheit, in einem Simulator ein Flugzeug zu steuern, von Berlin nach Osnabrück.
CAE baut bisher vor allem Simulatoren für das Training von Flugpiloten. Gemeinsam mit der deutschen Firma TKMS – das Unternehmen, das auf einen mehr als 30 Milliarden Euro schweren Auftrag aus Kanada für U-Boote hofft – will CAE nun auch Simulatoren für das Maritime entwickeln. Etwa für U-Boote und Schiffe.
In Anwesenheit von Pistorius unterzeichneten die beiden Firmen eine Absichtserklärung, ein „Memorandum of Understanding“. Die Zusammenarbeit könnte ein Teil der U-Boot-Kooperation zwischen Deutschland, Norwegen und Kanada sein. Was aber wenn Deutschland den Zuschlag nicht bekommen sollte? Das könnte dann auch andere potenzielle Geschäfte betreffen.
Persönliche Verbindungen für die Länderpartnerschaft
Die simulierte fliegerische Landung ist Pistorius geglückt, aber wird es ihm auch gelingen, den Auftrag für die deutsche Industrie sicher zu „landen“? In Kanada ging er „all in“, er hat sein ganzes politisches und empathisches Gewicht in die Waagschale geworfen. Mit Premierminister Mark Carney sah man ihn die Köpfe zusammenstecken, auch wenn es nur ganz kurz war.
Mit Verteidigungsminister David McGuinty saß er gemeinsam im Cockpit eines Hubschraubers, mit der Außenministerin Anita Anand verbindet ihn eine Freundschaft. Sie kennen sich aus ihrer Zeit als Anand Verteidigungsministerin war und haben einen guten Draht zueinander. Alle versicherten sich, wie wichtig die Partnerschaft zwischen Kanada und Deutschland sei und dass man sie weiter ausbauen will.
Herzlich ging es in Kanada zu: Verteidigungsminister Pistorius umarmt Kanadas Außenministerin Anand.
Selbstbewusstes Auftreten Carneys
Außenpolitische Harmonie, gemeinsame Ziele, geteilte Werte – all das prägte die Gespräche. Doch Premierminister Carney macht klar, dass über all dem die kanadischen Interessen stehen. „Bei der Entscheidung geht es um mehr als die militärischen Anforderungen“, erklärt der Premier vor Journalisten. Das Geschäft solle zuallererst den Kanadiern helfen und den Verbündeten, aber so, dass es den kanadischen Nutzen maximiere. Es geht um Jobs und Hilfen für die kriselnde kanadische Wirtschaft.
Premierminister Carney tritt selbstbewusst auf. Beide Wettbewerber – das südkoreanische Unternehmen Hanwha und der deutsche Konkurrent TKMS – würden die militärischen Anforderungen erfüllen. Sprich: Es geht um all das, was die Anbieter noch an Geschäften obendrauf legen.
Große Sichtbarkeit des südkoreanischen Unternehmens Hanwha
Beim Gang durch Ottawa sind fast überall Werbeplakate des südkoreanischen Unternehmens zu sehen – und auch in anderen Gegenden ist das Unternehmen deutlich sichtbar. Im Fernsehen laufen Werbespots, die von einem bekannten kanadischen Sprecher präsentiert werden. TKMS hingegen tritt kaum in Erscheinung.
Auch auf der größten kanadischen Sicherheitsmesse CANSEC, zu der Pistorius angereist ist, scheint sich das Unternehmen verhaltener zu präsentieren. Kanadische Journalisten beklagen die aus ihrer Sicht reduzierte Öffentlichkeitsarbeit, doch der deutsche Minister sieht das nicht als entscheidend an: „Der eine tut das auf die eine Weise, der andere auf die andere Weise“, sagt Pistorius. „Wir sind Mitteleuropäer, wir agieren in solchen Zusammenhängen möglicherweise anders, als das die Asiaten tun, aber das finde ich auch völlig okay und das macht ja auch den Reiz eines solchen Wettbewerbs aus. Wir sind im Wettbewerb, und möge der bessere gewinnen wie bei der Fußball-Weltmeisterschaft.“
Werben mit der NATO-Kompatibilität
Aber Pistorius räumt ein, dass das Geschäft kein Selbstläufer sei. Der Verteidigungsminister sucht bewusst die Öffentlichkeit und gibt dem kanadischen Fernsehsender CBC ein Interview. Auf die Frage, ob TKMS tatsächlich vier U-Boote bis 2036 liefern könne, stellt er sich ganz klar hinter das Unternehmen. „Sie sagen, sie schaffen das, und ich vertraue ihnen, denn ich habe nur gute Erfahrungen mit ihnen gemacht“, betont er. „Sie versprechen nur das, was sie wirklich erreichen können.“
Außerdem betont Pistorius stets, dass es von strategischer Bedeutung sei, dass die beteiligten Länder die NATO-Fähigkeiten stärken, vor allem im Nordatlantik. Und zwar indem sie gemeinsam in der Lage sind zu operieren. „Die U-Boote können untereinander Mannschaften tauschen, können miteinander trainieren, sie können die Wartung gemeinsam vornehmen.“ Würde der NATO-Partner aber auf südkoreanische U-Boote setzen, wäre diese Interoperabilität nicht mehr so leicht gegeben. Das schwingt mit, ohne, dass es jemand konkret so ausspricht.
Ende Juni soll die Entscheidung fallen
Für Pistorius ist die U-Boot-Kooperation eine politische Entscheidung. Aber nicht nur, es ist vor allem auch eine außenpolitische Entscheidung, so will er es in Kanada verstanden wissen. Anders als Premier Carney, der vor allem den nationalen Nutzen betont. Dass sie aber natürlich auch für die deutsche Wirtschaft enorm wichtig ist, bleibt eher im Hintergrund. Stattdessen der Appell an die Freundschaft, an das Gemeinsame, an das, was über eine rein sicherheitspolitische Partnerschaft hinausgeht: Energie, Rohstoffe, Seltene Erden.
Wie also sehen die Chancen auf das milliardenschwere Rüstungsgeschäft und damit verbundene Kooperationen in anderen Bereichen nach dem Besuch von Pistorius aus? Besser? Schlechter? Gleichbleibend? Niemand wagt eine Prognose. Es sei ein Auf und Ab sagen die, die es aus der Nähe beobachten. Nur auf eines hat sich Premier Carney festgelegt: Man sei im Plan. Ende Juni soll die Entscheidung fallen.
U-Boot-Deal wird Verhältnis zu Kanada prägen
Bis dahin müsse man eben noch warten. Klar ist: Die Zeit drängt. Wie der kanadische Sender CBC berichtet, ist nur noch eines der vier kanadischen U-Boote einsatzfähig. Damit TKMS zeitnah liefern kann, treten Deutschland und Norwegen je eines der bereits bestellten Boote ab. Und das Unternehmen priorisiert die nächsten zwei Boote für Kanada. Es bleibe ja in der NATO, würde also die eigene Verteidigungsfähigkeit nicht einschränken.
Verteidigungsminister Pistorius traf auf ein Kanada, das nicht spüren ließ, dass es über lange Zeit die eigene Verteidigung vernachlässigt hat. Stattdessen präsentierte sich das Land selbstbewusst. Der deutsche Partner hätte sich davon vielleicht gerne etwas abgeschaut. Denn letztendlich sind die Kanadier in einer ähnlichen Situation wie Deutschland zu Beginn des Krieges gegen die Ukraine. Die U-Boot-Entscheidung wird das Verhältnis der beiden in vielen Bereichen eng verbundenen Staaten beeinflussen. Und sollte es eine Absage werden, wird die wohl nicht so einfach abzustreifen sein wie ein verlorenes Fußballspiel bei der Weltmeisterschaft.

