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Startseite»Politik»Extremwetter-Prognose: Wie schlimm wird El Niño wirklich?
Politik

Extremwetter-Prognose: Wie schlimm wird El Niño wirklich?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 29, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 29.05.2026 • 17:00 Uhr

„Super-El-Niño“ oder „Mega-El-Niño“ – manch Schlagzeile klingt alarmierend. Für die Forschung steht fest: Das Klimaphänomen wird sich höchstwahrscheinlich bis Juli im Pazifik aufbauen. Aber wie schlimm wird es wirklich?

Vieles deutet im tropischen Pazifik darauf hin, dass sich bis Juli ein El-Niño-Ereignis entwickelt. Klimawissenschaftler beobachten zur besseren Vorhersage von El Niño einen bestimmten, rechteckigen Bereich im pazifischen Ozean in Äquatornähe. Sammeln sich dort größere Mengen Warmwasser unter der Meeresoberfläche, gilt das als starkes Zeichen, dass ein El Niño bevorsteht.

Wann kommt der nächste El Niño?

Wie auch jetzt, sagt Emily Becker, Ozean- und Atmosphärenforscherin der US-Klimabehörde NOAA, der ARD: „Die Wahrscheinlichkeit, dass sich El-Niño-Bedingungen zwischen Mai und Juli 2026 entwickeln, liegt bei 82 Prozent, für den Winter sogar bei 96 Prozent.“

Die Computermodelle werden immer besser, ordnet Andreas Fink, Professor für Meteorologie am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), ein: „Und alle weisen unisono darauf hin, dass es dieses Ereignis gibt.“ Dass El Niño kommt, und zwar bald, gilt – Restunsicherheiten in wissenschaftlichen Prognosen immer einberechnet – also als sehr, sehr wahrscheinlich.

Was El Niño ist – kurz erklärt

El Niño ist das bedeutendste natürliche Klimaphänomen der Erde. Der Name geht auf peruanische Fischer zurück. Sie beobachteten schon im 19. Jahrhundert, dass sich das Meerwasser vor ihrer Küste in manchen Jahren ungewöhnlich stark erwärmte und der Fischfang zurückging. Weil das zur Weihnachtszeit auftrat, nannten sie das Phänomen „El Niño“, auf Spanisch „der Junge“ oder „das Christkind“.

Die andere Phase, wenn das Wasser eher kalt ist, heißt „La Niña“, „das Mädchen“. Beide Phasen wechseln sich ab, wie bei einem großen Klima-Pendel.

Wie häufig tritt El Niño auf?

Etwa alle zwei bis sieben Jahre kehrt El Niño wieder und stellt die „normalen“ Verhältnisse auf den Kopf. Passatwinde treiben normalerweise in Äquatornähe warmes Oberflächenwasser von Südamerika nach Westen. Die Richtung hängt mit der Erdrotation und der sogenannten Corioliskraft zusammen. Das warme Meerwasser sorgt in Südostasien, Ozeanien und Australien für regenreiches Wetter. Vor der südamerikanischen Küste dagegen steigt kaltes Tiefenwasser auf. Dort bleibt es kühler und trockener.

Was passiert bei einem El Niño-Ereignis?

Bei El Niño gerät dieser Wasserkreislauf aus dem Gleichgewicht, wenn sich die Passatwinde abschwächen oder zusammenbrechen. Das aufgestaute warme Wasser schwappt zurück vor die Küste Südamerikas. Was dort sintflutartige Regenfälle und Überschwemmungen zur Folge haben kann – neben dem Rückzug der Fische in kältere Gewässer. Auf der gegenüberliegenden Pazifikseite dagegen steigt das Risiko für Hitze, Dürren und Waldbrände.

Ein besonders starker El Niño kann sich sogar bis nach Indien oder Südafrika auswirken.

Besonders starke El-Niño-Ereignisse 1982, 1997 und 2015

Wie stark das El-Niño-Phänomen wird, hängt von den Wassertemperaturen im entscheidenden Pazifik-Bereich ab. Bei einem „normalen“ El Niño liegen diese etwa ein Grad Celsius über dem Durchschnitt. Bei besonders starken Ereignissen – wie zuletzt 1982, 1997 und 2015 – können sie zwei Grad Celsius oder sogar mehr erreichen.

Die jetzigen Werte „haben mittlerweile den Rekord von 1997 fast erreicht“, erklärt Karsten Haustein vom Institut für Meteorologie der Universität Leipzig in einem Briefing des Science Media Centers.

Super- oder Mega-El-Niño?

Seinen Höhepunkt erreicht El Niño üblicherweise zur Weihnachtszeit. Hier bewegen sich die meisten Modelle aktuell um die Zwei-Grad-Marke. Deswegen könne man davon ausgehen, „dass wir jetzt nach 2015 einen weiteren Super-El-Niño erleben könnten“, so Haustein.

Klimawissenschaftler Andreas Fink vom KIT zeigt sich im ARD-Interview allerdings gegenüber Begriffen wie „Super- oder Mega-El-Niño“ skeptisch: „Wir als Wissenschaftler sprechen lieber von einem ’starken‘ oder ’sehr starken‘ El Niño.“ Das sind die Kategorien, in denen auch die US-Klimabehörde NOAA ihre Prognosen angibt.

„Wie stark El Niño 2026/27 schlussendlich wird, ist noch unsicher“, betont Emily Becker. „Alle Möglichkeiten – von schwach bis sehr stark – sind derzeit noch offen.“ Allerdings verdichten sich die Anzeichen für ein eher starkes Ereignis. Dafür liege die Wahrscheinlichkeit bei etwa 60 Prozent, so Becker.

Welche Länder sind besonders von El Niño betroffen?

Am deutlichsten wirkt sich El Niño im und um den tropischen Pazifik aus. Länder wie Ecuador und Peru an der südamerikanischen Westküste sollten sich schon jetzt wappnen, sagt Meteorologe Andreas Fink. Solche Vorbereitungen seien aber stets auch eine Frage der Kosten. Gerade, wenn unsicher ist, was passieren wird.

Denn welche Wetterextreme tatsächlich eintreten, ist schwerer vorherzusagen. Bei El Niño spielt neben dem Meer die Atmosphäre, also die Luft, eine entscheidende Rolle – und die verhält sich deutlich komplexer. Klimawissenschaftler Haustein betont: „Während sich die Entwicklung des Ozeans bereits jetzt vergleichsweise gut vorhersagen lässt, ist es für belastbare Aussagen zur Atmosphäre noch zu früh.“

Hat El Niño 2026 auch Folgen für das Wetter in Europa?

Die Prognosen dazu – auch, wie stark El Niño tatsächlich ausfallen wird – werden über den Sommer immer präziser. Im Moment lässt sich also zumindest zur Stärke des El-Niño-Ereignisses noch keine eindeutige Tendenz abschätzen. Ob El Niño überhaupt Auswirkungen auf das europäische Wetter habe, darüber gebe es keinen wissenschaftlichen Konsens, so Fink. „Unsere Wetterküche“, der Nordatlantik, verhalte sich aktuell eher im Normbereich.

Die globale Durchschnittstemperatur aber wird ein El Niño zusätzlich in die Höhe treiben, weil der Pazifik weniger Wärme aus der Atmosphäre aufnehmen kann – im Schnitt um 0,1 bis 0,2 Grad Celsius. In einer ohnehin von Menschenhand aufgeheizten Erde bedeutet das, dass 2026 oder 2027 das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen werden könnte. Jedes Zehntelgrad zusätzlich bedeutet mehr Hitze und damit Energie im globalen Klimasystem, die sich in noch heftigeren Extremwettern entladen kann.

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