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Startseite»Politik»Deutscher Arzt beklagt zögerliche Ebola-Forschung
Politik

Deutscher Arzt beklagt zögerliche Ebola-Forschung

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 29, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 29.05.2026 • 19:28 Uhr

Mehr als 900 Ebola-Verdachtsfälle zählt die WHO mittlerweile im Kongo. Einige Schlüsse hätte man schon aus früheren Ausbrüchen ziehen müssen, findet Thomas Pärisch. Er ist Arzt und bricht am Wochenende zu einem Hilfseinsatz im Kongo auf.

Die Zahl der mutmaßlich mit Ebola infizierten Menschen steigt weiter. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilte mit, sie gehe von aktuell mindestens 906 Verdachtsfällen in der Demokratischen Republik Kongo (DRK) aus. Darunter seien 223 mutmaßliche Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus, die derzeit untersucht würden. Auch im Nachbarland Uganda steigen die Fallzahlen, trotz geschlossener Grenze. Nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums wurden mittlerweile neun Fälle bestätigt. Bisher geht die WHO dort aber nicht davon aus, dass es eine Übertragung innerhalb der Bevölkerung gegeben habe.

Ärzte und Hilfsorganisationen kämpfen gegen die weitere Ausbreitung des Virus. Doch die Mittel sind begrenzt und einen Impfstoff gegen die Variante gibt es nicht. Ein Versäumnis, sagt der Arzt Thomas Pärisch. Am Wochenende wird er mit der Organisation Ärzte ohne Grenzen in die DRK aufbrechen, um dort Menschen zu behandeln.

Lehren aus vorherigen Ausbrüchen

Vieles hätte man bereits aus vorherigen Ausbrüchen lernen können, so Pärisch mit Blick auf die Pharmaindustrie. Zum Beispiel, dass die Impfstoffforschung für verschiedene Varianten vorangetrieben werden müsse. Das sei „exakt dieselbe Herausforderung, die wir 2014 bei dem großen Ebola-Ausbruch in Westafrika hatten: Nämlich, dass die Impfstoffe im Tierversuchs-Stadium existieren, aber nicht in Studien an Menschen weiterentwickelt wurden“, so Pärisch. Er war bereits 2012 und 2014 als Arzt gegen Ebola im Einsatz.

Gekürzte Hilfsgelder erschweren Kampf gegen Virus

Hinzu kommt laut Hilfsorganisationen und Vereinten Nationen, dass die drastischen Kürzungen bei humanitärer Hilfe und bei den Zuwendungen an verschiedene UN-Programme die Eindämmung der Infektionskrankheit nun zusätzlich erschweren würden. Das Gesundheitssystem in der DRK selbst ist seit Jahren unterfinanziert und durch die vielen Kriegsvertriebenen zusätzlich belastet.

Man habe nicht dieselben intensivmedizinischen Bedingungen wie in Deutschland, erklärt auch Pärisch. Die Behandlung der Patientinnen und Patienten beruhe deshalb vor allem auf der Gabe von Flüssigkeiten und Elektrolyten im richtigen Verhältnis sowie einer engmaschigen Überwachung des Blutzuckers und des Allgemeinzustands. Grundsätzlich ist aktuell nur eine symptomatische Behandlung möglich – eine Therapie speziell für das Bundibugyo-Virus gibt es nicht. Mit den genannten Maßnahmen könne man die Sterblichkeit aber schon deutlich senken, berichtet Pärisch.

Sterblichkeitsrate laut WHO bei bis zu 50 Prozent

Die Sterblichkeitsrate unter den bestätigt infizierten Menschen liege aktuell zwischen 30 und 50 Prozent, so Anais Legand vom WHO-Programm für Gesundheitsnotfälle. Die Daten seien jedoch vorläufig und erforderten weitere Untersuchungen. Eine erste genesene Patientin sei allerdings mittlerweile aus einem Gesundheitszentrum in der DRK entlassen worden, nachdem zwei Tests negativ ausgefallen waren, berichtete Legand weiter.

Von entscheidender Bedeutung sei dabei der Zugang zu einer frühzeitigen medizinischen Versorgung. Extrem wichtig sei auch die Sensibilisierung der Bevölkerung für Ansteckungswege sowie größtmögliche Transparenz über die Behandlungsmöglichkeiten, ergänzt Pärisch.

US-Pläne für Quarantänezentrum stößt auf Widerstand

Die Pläne eines Quarantänezentrums für möglicherweise in der DRK infizierte US-Bürger in dem ostafrikanischen Staat Kenia stoppte das dortige Oberste Gericht. Die entsprechenden Verträge mit der US-Regierung würden ausgesetzt, bis am Dienstag Einsprüche dagegen verhandelt würden, entschied das Gericht.

Ein US-Regierungsvertreter hatte zuvor mitgeteilt, man wolle Landsleute in Kenia versorgen lassen. Ein neues Quarantäne- und Behandlungszentrum solle verhindern, dass betroffene US-Bürger in die Heimat ausgeflogen werden müssten.

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