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Wer am Samstag nach Italien oder zurück will – der sollte sich nach Alternativen zum Brenner umsehen. Die Autobahn wird wegen einer Protestaktion gesperrt. Wann beginnt die Sperrung, welche Ausweichrouten gibt es – und, um was geht es eigentlich?
Die Ausgangslage
Es ist die wichtigste Verkehrsader über die Alpen. Zehntausende Fahrzeuge passieren täglich den Brenner. Doch am Samstag dürfte es dort wohl gar nicht mehr vorangehen: Die Brennerautobahn wird wegen einer Demonstration gesperrt.
Auf österreichischer Seite ist der Brenner von 11 bis 19 Uhr für Autos und Motorräder dicht. Auf italienischer Seite gilt die Sperre von 10.30 Uhr bis 20 Uhr. Für Lastwagen kommt es noch dicker: Sie dürfen bereits einige Stunden zuvor nicht mehr über den Pass. Und auch die Bundesstraße und Nebenstrecken sind in dieser Zeit zu.
Bereits heute wurde ein Verkehrschaos befürchtet. Bisher blieb es bei einem Zehn-Kilometer-Stau am Morgen, der sich schnell auflöste. „Es ist sehr viel Verkehr, aber momentan fließt er“, sagte ein Sprecher des österreichischen Autobahnbetreibers Asfinag. Am Samstag wird dies definitiv anders sein.
Warum wird protestiert?
Den Menschen geht es um die wachsende Verkehrsflut. Viele der 15.000 Bewohner des Wipptals leben in unmittelbarer Nähe der Autobahn und Bundesstraße. Sie leiden unter Lärm und Feinstaub. Seitdem die Brennerautobahn in den 1960er-Jahren eröffnet wurde, hat sich das Verkehrsaufkommen laut Autobahnbetreiber Asfinag fast versiebenfacht. Im Jahr 2025 haben demnach fast elf Millionen Autos die mautpflichtige Autobahn benutzt. Dazu kommen 2,5 Millionen Lastwagen. Bei den Lkw beträgt der Zuwachs seit 2010 rund 40 Prozent.
Karl Mühlsteiger, Bürgermeister von Gries am Brenner, hat die Demo initiiert. „Das ist ein Hilfeschrei des Wipptales, dass es so mit dem Transit nicht mehr weitergehen kann und nicht mehr weitergehen darf“, sagt er. Es solle ein Zeichen sein, dass die Politik das Problem löse.
Was sind die Forderungen?
Die Wipptaler fordern einen besseren Lärmschutz an der kompletten Brennerautobahn. Außerdem soll das bestehende Nacht- und Wochenend- und Feiertagsfahrverbot beibehalten werden. Lkw, die über den Brenner fahren, sollen außerdem mehr Maut zahlen.
Brennerautobahn-Mautstelle in Schönberg im Stubaital: Am Samstag wird ein Verkehrschaos befürchtet.
Warum lässt die Justiz die Demonstration zu?
In der Vergangenheit wurden Demonstrationsversuche wegen des drohenden Verkehrskollapses nicht genehmigt. Das Landesverwaltungsgericht Tirol hat es in seinem Urteil anders gesehen. „Eine Untersagung der Demonstration gegen eine hohe Verkehrsbelastung mit einer hohen Verkehrsbelastung zu begründen, führt im Grunde die Versammlungsfreiheit ad absurdum“, heißt es in dem Richterspruch. Es sei Sinn der Versammlungs- und Meinungsfreiheit, aufzurütteln und zu provozieren, was auch für die Allgemeinheit unangenehm sein könne.
Mit welchen Behinderungen ist zu rechnen?
Vor und nach der Sperre dürfte es zu erheblichen Staus kommen. Die Blockade fällt mitten in die Pfingstferien von Bayern und Baden-Württemberg sowie ans Ferienende in Sachsen-Anhalt. Die Polizei rechnet deshalb mit einer sehr schwierigen Situation. Die Behörden in Tirol, aber auch in Deutschland bereiten sich auf eine außergewöhnliche Verkehrslage vor – und empfehlen dringend auf nicht notwendige Reisen zu verzichten. Bereits an den Landesgrenzen werden Fahrzeuge kontrolliert und Fahrer informiert.
Genauere Informationen zu den Sperrungen für die österreichische Seite bietet der ÖAMTC an. Die Südtiroler Landesregierung informiert über die Sperrungen hier.
Kommt wirklich niemand durch?
In der Region ist der Transitverkehr verboten. Erlaubt ist aber der sogenannte Ziel- und Quellverkehr. Wer also in einem Ort, zum Beispiel im Stubaital, ein Hotel gebucht hat und das nachweisen kann, darf die Sperre passieren. Auch Radfahrer dürfen die Landstraße zum Brenner benutzen.
Wie reagieren Politiker?
Aus der Politik bekommt Bürgermeister Mühlsteiger durchaus Gegenwind. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) spricht von einem „Knüppel zwischen die Beine der Logistikbranche“. Österreichs Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) macht sich Sorgen um die Beziehungen zu Deutschland und Italien, die „durch derartige Aktionen nicht belastet werden sollten.“ Aus Italien warnte Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher, dass eine stundenlange Blockade in weiten Teilen der Bevölkerung Kopfschütteln auslösen und zum Eigentor werden könne.
Wie reagieren Urlauber?
Touristen passen nach Angaben des Hoteliers- und Gastwirteverbands ihren Urlaub angesichts der Blockade an. „Viele Gäste haben ihre Buchungen um einen Tag vor oder einen Tag nach hinten verschoben“, zitierte die Nachrichtenagentur Ansa den Südtiroler Verbandspräsidenten Klaus Berger. Die Menschen versuchten, die Sperre am Samstag zu umgehen. Bürgermeister Mühlsteiger selbst berichtet von knapp 700 Mails aus Deutschland, Italien und Österreich, fast alle seien positiv.
Welche Alternativen gibt es?
Es gibt Alternativen auf dem Weg nach Italien. Dazu zählen der Reschenpass, das Timmelsjoch, der Gotthardtunnel und der San-Bernadino-Tunnel in der Schweiz. Der Nachteil: Fast alle diese Routen sind deutlich mühsamer und zeitaufwendiger.
Eine andere Alternative könnte der Zug sein. Der braucht von Innsbruck bis nach Franzensfeste auf der italienischen Seite derzeit etwa 80 Minuten. In Zukunft soll dies schneller und komfortabler gehen.
Der Brenner-Basistunnel wird gerade gebaut und soll im Jahr 2032 in Betrieb gehen. Dann sollen die Züge für den Personen- und Güterverkehr mit Tempo 200 durch die rund 64 Kilometer lange Röhre fahren. Die Fahrtzeit für die Strecke beträgt dann nur noch 25 Minuten. Der ADAC informiert über die Verkehrslage.
Was ändert sich mit dem Brenner-Basistunnel?
Viele Hoffnungen liegen auf der Fertigstellung des Projekts. Aber: Bis 2032 ist es noch lang. Und es gibt noch ein anderes Problem: Die Nordzufahrt von Deutschland ist bis dahin wohl nicht so leistungsfähig wie erhofft. So liegen die unmittelbaren Hoffnungen der Anwohner beim Lärmschutz. Wenigstens sollten modernste Lärmschutzwände errichtet oder Einhausungen gebaut werden.
Die Brennersperrung ist das Top-Thema auf tagesschau24 ab 20.15 Uhr
Quellen: dpa, BR
