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Startseite»Politik»Syrien: Euphrat-Hochwasser sorgt für Überschwemmungen
Politik

Syrien: Euphrat-Hochwasser sorgt für Überschwemmungen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 30, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 30.05.2026 • 03:53 Uhr

Meistens kämpfen die Menschen entlang des Flusses Euphrat mit enormen Dürren. Doch aktuell bedrohen Überflutungen Dörfer und Ernten. Das sorgt auch für Kritik an der syrischen Regierung.

Von Magdalena Knöller, ARD Kairo

Schreie voller Angst und Verzweiflung. Ein Dorf in der Nähe vom Fluss Euphrat wird mitten in der Nacht evakuiert – aus Sicherheitsgründen. Der Fernsehsender Syria TV bringt eine ganze Sendung zur Flut-Katastrophe im Osten Syriens.

Ein Landwirt erzählt darin, was die Fluten innerhalb kürzester Zeit angerichtet haben: „Beim Mittagsgebet haben wir bemerkt, dass der Wasserspiegel ansteigt. Wir haben sofort begonnen, zu ernten. Aber die Getreideähren wurden vom Wasser mitgerissen.“

Er lebt seit 25 Jahren in der betroffenen Region Deir ez-Zor. So etwas habe er noch nie erlebt. Auch wenn er seine Felder jetzt zurücklassen musste, für die Evakuierungen hat er Verständnis. Die Behörden hatten gewarnt. „Sicherheit hat oberste Priorität. Alles andere kann ersetzt werden.“

Intensive Niederschläge, hohe Pegelstände

Der Euphrat entspringt in der Türkei und fließt durch Syrien und den Irak und dort in den Persischen Golf. Die gewaltigen Wassermengen werden durch mehrere riesige Staudämme in den Ländern geregelt.

Hintergrund der aktuellen Überschwemmungen sind ungewöhnlich intensive Niederschläge der vergangenen Wochen und Monate in der Region. Aufgrund extrem hoher Pegelstände an den Talsperren in der Türkei mussten die türkischen Behörden enorme Wassermassen kontrolliert flussabwärts abgeben.

Um eine Überlastung der eigenen Anlagen zu verhindern, öffneten auch die syrischen Betreiber wichtige Staudämme. Daraufhin stieg der Pegel des Euphrat abrupt und überflutete weite Ufergebiete.

Menschen versuchen, eine Brücke zu überqueren, die durch das über die Ufer getretene Wasser des Euphrat beschädigt wurde.

Tote durch Überflutungen

Vier Kinder und ein Mann sollen von den starken Strömungen des Euphrats in den letzten Tagen mitgerissen worden und ertrunken sein. Mehrere Brücken stürzten ein und bewohnte Inseln im Euphrat wurden überflutet.

Die Strom- und Trinkwasserversorgung fiel in einigen Dörfern aus, weil Wasserpumpstationen durch die Fluten zerstört wurden – oder, weil sie vorsorglich abgebaut wurden, damit man sie später wieder aufbauen kann.

Türkei hat vor Wassermenge gewarnt

„Vor drei Tagen wurden wir von der türkischen Seite informiert, dass eine beispiellose Wassermenge, eine Flutwelle, zu erwarten sei – infolge der Schneeschmelze in der Türkei und einiger Sturzfluten“, sagte Haitham Al-Bakkour dem Nachrichtensender Al Jazeera. Er ist als Generaldirektor für den Euphrat-Staudamm zuständig.

Die Türkei hatte die syrischen Behörden also vor den kommenden Wassermassen gewarnt. Syriens Energieminister sagt aber, die Warnungen seien zu spät gekommen.

al-Scharaa besucht Flutregion

Laut einem Fernsehbericht von Al-Hadath wächst aber auch die Kritik an der syrischen Regierung. Einer der Kritikpunkte: Warum wurde nicht schon früher der bereits vollgelaufene Stausee in Syrien schrittweise abgelassen? Dann hätten die zusätzlichen Wassermassen aus der Türkei möglicherweise weniger Schäden angerichtet.

Der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa hat der Flutregion gestern einen Besuch abgestattet. Das Ministerium für Notfall- und Katastrophenmanagement erklärte, man werde Sicherheitsvorkehrungen treffen, die sowohl jetzt als auch langfristig helfen sollen.

Ahmed al-Scharaa hat die betroffenen Gebiete besucht.

Auch viele Binnenflüchtlinge betroffen

Die Überflutungen haben auch viele Binnenflüchtlinge aus Kriegszeiten getroffen, die immer notdürftig in Zelten leben. Eine von ihnen ist Umm Warda. Von ihrem Zelt ist steht nur noch das nackte Gestänge.

„Das Wasser kam auf uns zu, es stieg und stieg. Ich bin dann zum Haus unserer Nachbarn geflüchtet und habe dort geschlafen. Am frühen Morgen bin ich wieder hierher zurückgekommen.“ Umm Warda fischt ihr weniges Hab und Gut aus dem Schlamm. Wo sie mit ihren sechs Kindern aktuell Hilfe findet, ist nicht bekannt.

Die Hilfsorganisation Roter Halbmond arbeitet nach eigenen Angaben daran, dass es Trinkwasser, Essen und Notfallunterkünfte gibt – und dass weiter über die Hochwassergefahr aufgeklärt wird. Denn die hält mindestens dieses Wochenende noch an.

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Dr. Heinrich Krämer
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