Katars Plan glückt, Leid bleibtDiese schmutzige Seite des PSG-Triumphs darf nicht vergessen werden

PSG brilliert in der Champions League, vielleicht auch im Finale gegen den FC Arsenal. Die Welt ist entzückt – doch die dunkle Seite des Erfolgs bedeutet Leid und Blut. Der Plan von Katars Unrechtsstaat geht voll auf.
Paris Saint-Germain hat eine vielversprechende Chance auf den zweiten Henkelpott in Folge. Nach dem spektakulären Halbfinale gegen den FC Bayern misst sich die französische Übermannschaft im Königsklassenendspiel am Abend (18 Uhr/ZDF und DAZN sowie im Liveticker auf ntv.de) mit dem FC Arsenal um Nationalspieler Kai Havertz.
Für PSG ist es das dritte Halbfinale nacheinander, das fünfte seit 2020. Drei Finalteilnahmen stehen in diesem Zeitraum zu Buche. Mit einem zweiten Titel in Serie (nur Real Madrid schaffte das in der 1992 eingeführten Champions League) dürfte man getrost von europäischer Dominanz sprechen, die die Franzosen Real entrissen haben.
Das Spiel der Mannschaft, das mitunter schönste im Weltfußball, muss ebenfalls beklatscht werden. Das erste Halbfinale gegen die Münchner wurde berechtigterweise als ein historisches Fest gefeiert. Es ist eine Augenweide, wenn die Superdribbler Ousmane Dembélé, Khvicha Kvaratskhelia und Désiré Doué ihre unverschämt genialen Tricks auspacken und Gegenspieler reihenweise mit Albträumen nach Hause schicken. Dazu sind diese Topstars auch noch effizient und schnörkellos beim Toreschießen, niemand ist in diesem Jahr in der K-.o.-Phase der Champions League an mehr Toren beteiligt als Kvaratskhelia (sieben Treffer, drei Vorlagen). Weiterhin zeigten die Pariser im diesjährigen Rückspiel in München, dass sie auch knallhart und abgebrüht verteidigen können.
Moderne Sklaverei in Katar
Doch bei all diesen Erfolgen und der Bewunderung darf eines nicht vergessen werden: PSG gehört dem Emirat Katar, das für weitreichende Menschenrechtsverletzungen und -verbrechen verantwortlich ist. Seit der katarischen Übernahme im Jahr 2011 sehnte sich der Unrechtsstaat nach genau dieser Dominanz im wichtigsten Klubwettbewerb der Welt, die die Pariser nun innehaben. Die Sportswashing-Strategie hat funktioniert, die PSG-Übernahme wie geplant die Soft Power Katars und den geopolitischen Einfluss gestärkt.
Und diesen Missbrauch des Fußballs, das Reinwaschen durch den Pariser Klub, benötigt das Emirat weiterhin. Die Menschenrechtsorganisationen Amnesty International und Human Rights Watch stellen Katar in ihren Jahresberichten 2026 weiterhin ein miserables Zeugnis aus. Etwa gelten strenge Einschränkungen der Meinungs- und Versammlungsfreiheit im gesamten Land und einvernehmliche gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen stehen weiterhin per Gesetz unter Strafe.
Trotz einiger Rechtsreformen sind Arbeitsmigranten, die 91 Prozent der Bevölkerung im Emirat ausmachen, weiterhin mit groben Missständen am Arbeitsplatz konfrontiert, darunter das ausbeuterische Kafala-Bürgschaftssystem, das als moderne Sklaverei bezeichnet wird. Hausangestellte, vor allem Frauen, erfahren oft harte Arbeitsbedingungen und Misshandlungen, darunter sexuelle Übergriffe, und verfügen über nur schwachen Schutz, da sie vom Arbeitsrecht ausgeschlossen bleiben. Frauen und Mädchen sind im Land ohnehin Diskriminierung in Recht und Praxis ausgesetzt. Vor allem durch ein System der männlichen Vormundschaft, das ihre Rechte auf Eheschließung, Arbeit, Reisen und Zugang zu reproduktiver Gesundheitsversorgung einschränkt.
PSG-Kritik ebbt ab mit jedem Tor
Anfang Mai will von all dem der mächtigste Mann in der Allianz-Arena nach dem Halbfinal-Erfolg gegen die Bayern nichts wissen. PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi ist als Minister in der Regierung von Katar, Direktor des Staatsfonds Qatar Investment Authority (QIA) und Vorsitzender von Qatar Sports Investments (QSI) aber natürlich bestens informiert.
Doch als Al-Khelaifi in München auf dem Rasen herumturnt, Handküsse ins Publikum wirft und sogar ein Interview mit Bayern-Boss Jan-Christian Dreesen crasht, erfährt er nichts als Liebe. Er spricht von seinen Profis als „Kriegern“, will „Geschichte schreiben“ und erhält beim Interview mit dem US-Sender CBS frenetischen Applaus von den Fußball-Legenden Thierry Henry und Jamie Carragher im Studio. Als der PSG-Boss Mitte April nach dem Viertelfinalsieg beim FC Liverpool vor laufenden TV-Kameras vor den Pariser Fans feiert und Selfies macht, kommentiert Experte Christoph Kramer dazu bei Amazon Prime lediglich: „Ich find’s irgendwie geil.“
Mit jedem Tor, mit jedem tollen Dribbling, mit jedem Sieg ebbte in den vergangenen Jahren die Kritik am Konstrukt PSG, das den Fußball für üble Zwecke missbraucht, ab. Heute wird sie überhaupt nicht mehr erwähnt, ist komplett gebrochen. Selbst Fußballromantiker, die PSG den Ruin an den Hals gewünscht haben, jubeln weltweit über die Superdribbler und den Erfolg der Pariser.
Doch das Leid im Unrechtsstaat, aus dem das gesamte Geld für die Triumphe stammt, es bleibt. Und es darf trotz aller tollen Tore nicht vergessen werden, wenn die Mächtigen um Al-Khelaifi den Erfolg ihres Plans auf dem Rücken der Schwachen bejubeln.
Erfolg auf dem Rücken der Schwachen
Die Machthaber aus Katar haben das europäische Haus des Fußballs erobert. Vielleicht jubeln sie am Abend ein zweites Mal in Folge als Könige im alten Kontinent. Nicht mehr obszön und plakativ mit Petro-Milliarden, sondern stillschweigender und nachhaltiger waschen sie ihre Weste mit dem Pariser Klub rein.
PSG steht dank einer spektakulären Saison erneut im Finale der Champions League. Und die Welt klatscht Applaus. Doch im Geldgeber-Emirat gibt es kein Spektakel. In Katar, wo die Machthaber mit einem System der Unterdrückung und Ausbeutung auch den Fußball beschmutzen.
Dort zaubert niemand wie Dembélé, Kvaratskhelia oder Doué. Das darf nicht vergessen werden, wenn heute der Ball rollt. Dort werden stattdessen Arbeitsmigranten nach wie vor als Sklaven behandelt, haben Frauen als Hausangestellte keine rechtlichen Chancen, um sich gegen Misshandlungen zu wehren, und Regimekritiker landen willkürlich im Gefängnis.