In der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang soll es immer mehr Autos geben. Das zeigen wohl Satellitenbilder und private Aufnahmen aus dem abgeschotteten und streng sanktionierten Land. Was steckt dahinter?
Die Farbe des Nummernschilds verrät es: Wenn es gelb ist, handelt es sich um ein Privatfahrzeug – und von diesen Pkw sind auf den Straßen der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang immer mehr unterwegs. In den sozialen Medien und in verifizierten Videos von Nachrichtenagenturen kursieren zunehmend Bilder von Neuwagen in dem abgeschotteten Land, sogar von Staus.
„In letzter Zeit hat die Zahl der Fahrzeuge so stark zugenommen, dass Themen wie Luftverschmutzung selbst für die nordkoreanischen Behörden zu einem Problem geworden sind“, erklärt Lee Sang-Yong, Direktor beim auf Nordkorea-Berichterstattung spezialisierten Medienhaus Daily NK. Mit der steigenden Zahl der Autos werde sogar immer wieder über Parkplatzmangel diskutiert.
Kaum Tankstellen und Werkstätten
Privatwagen waren in Nordkorea bislang so ungewöhnlich, dass selbst neuere Hochhäuser in Pjöngjang ohne Parkflächen für die Anwohner geplant wurden. Auch Tankstellen und Sprit für Pkw gibt es kaum. Es existiert praktisch keine Infrastruktur für Ersatzteile oder Werkstätten.
Woher aber kommt diese scheinbar plötzliche Zunahme von Autos auf den Straßen Nordkoreas? Ein Grund scheint eine Gesetzesänderung zu sein, sagt der Büroleiter der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung in Südkoreas Hauptstadt Seoul, Frederic Spohr.
„Das hängt auch sehr stark damit zusammen, dass es mittlerweile rechtlich einfacher ist, in Nordkorea Autos zu besitzen.“ Mehrere Regelungen vereinfachten das nun, so Spohr. Noch vor ein paar Jahren sei der Privatbesitz von Autos so gut wie unmöglich gewesen.
Schmuggel aus China
Ein weiterer Grund: Obwohl der Export von Autos nach Nordkorea gegen UN-Sanktionen verstößt, scheinen aktuell viele Autos aus und von China den Weg in den isolierten Staat zu finden. „Wenn die chinesischen Grenzbeamten da irgendwie ein Auge zudrücken, geschmiert werden, wie auch immer – da gibt es eben Mittel und Wege, wie man die Autos über die Grenze bekommt“, erklärt Spohr.
Die Forscherin Joung-Eun Lee vom Koreanischen Institut für Nationale Wiedervereinigung in Südkorea hat entlang der 1.400 Kilometer langen Grenze mit dem Norden Fotos gemacht und analysiert. „Wenn ich heutzutage in die Grenzregion zwischen China und Nordkorea fahre, fällt mir auf, dass mehr Taxis und auch mehr Privatwagen auf den Straßen unterwegs sind“, sagt auch sie.
In letzter Zeit seien die Fahrzeugtypen so vielfältig geworden, dass es schwerfalle, eine einzige dominierende Marke zu identifizieren. Das sei noch nicht lange so: „Früher konnte man eine bestimmte Marke ausmachen.“
Gegenleistung vom Regime
Klar ist aber auch, dass ein Großteil der Nordkoreaner sich weiterhin kein Auto leisten kann. Ohne enge Beziehungen zum Regime von Machthaber Kim Jong Un geht nichts. Diese nordkoreanischen Eliten würden derzeit offenbar besonders umgarnt, glaubt Beobachter Spohr.
„Es gibt schon Leute, die im Land zu Geld gekommen sind – wie auch immer. Und die verlangen natürlich dann auch nach gewissen Standards“, so Spohr. Den Unterstützern des Regimes müsse im Gegenzug auch etwas geboten werden – wie etwa ein eigenes Auto.
Kim Jong Un selbst hatte zuletzt Anfang 2024 ein Luxus-Auto geschenkt bekommen – von Russlands Präsident Wladimir Putin.

