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Die Hisbollah wurde populär, als Israel den Libanon besetzt hatte. Nun ist die Armee wieder tief ins Land eingedrungen – viele befürchten, sie könnte bleiben. Für die Hisbollah wäre das ein Gewinn.
„Der Ruhm wird nicht durch Reden aufgebaut, sondern durch den Klang der Schritte der Soldaten.“ So feiert ein israelischer Militärsprecher die Einnahme der mittelalterlichen Festung Beaufort im Südlibanon. Dass nun die israelische Fahne über der Ruine des Bauwerks weht, hat symbolische Bedeutung.
Israel kann sich als erfolgreicher Eroberer darstellen – die Auswirkungen könnten aber andere sein, als sich die Regierung Netanjahu das vorstellt. Die Bilder von der Burg Beaufort und den vorrückenden israelischen Soldaten schwächen die libanesische Regierung, mit der Israel eigentlich verhandelt und sie stärken die Hisbollah.
Der Kampf gegen israelische Soldaten auf libanesischen Boden während der israelischen Besatzung von 1982 bis 2000 hat die Hisbollah im Libanon populär gemacht. Als die israelischen Truppen danach frustriert abgezogen sind, wurde die schiitische Miliz in der gesamten arabischen Welt gefeiert.
Werbung für die Hisbollah, Nachteil für die Regierung
Der neuerliche Vormarsch israelischer Bodentruppen ist daher die beste Werbung für die Hisbollah. Dabei hatte die pro-iranische Gruppierung in den vergangenen Jahren viel dafür getan hat, ihren Kredit im Libanon zu verspielen: durch Korruption, durch Attentate im eigenen Land – vor allem aber, indem sie sich in Kriege eingemischt hat, von denen viele Libanesen sagen „damit haben wir nichts zu tun“. Etwa in Syrien an der Seite der Assad-Diktatur, zur Unterstützung der Palästinenser in Gaza und als Vergeltung für die Tötung des iranischen Revolutionsführers Ali Chamenei.
Die libanesische Regierung dagegen steht nackt dar vor der nächsten Verhandlungsrunde, die ab morgen in Washington geplant ist. Sie kann nur um eine Waffenruhe betteln – und werben für das Vorhaben, die eigene Armee zu stärken, um ein Gegengewicht zur Hisbollah zu bilden.
Libanons Präsident lange ignoriert
Mit diesem Plan ist Libanons Präsident Joseph Khalil Aoun vor knapp eineinhalb Jahren angetreten. Es gab Fortschritte, wenn auch zögerliche und langsame. Das hatte damit zu tun, dass die libanesische Regierung kaum Durchsetzungskraft hat, aber auch damit, dass Israel und die USA Aouns Plan systematisch unterlaufen haben.
Israel hat Ziele im Libanon bombardiert, als eigentlich eine Waffenruhe galt – auch in Phasen, als die Hisbollah das Nachbarland nicht angegriffen hat. Und als Aoun direkte Gespräche mit Israel angeregt hat, wurde er von der Netanjahu-Regierung zunächst ignoriert. In Washington, so hieß es, fand sich niemand, der mit Aoun sprechen wollte.
Erst als der Iran gefordert hat, auch den Libanon in Verhandlungen über eine größere regionale Waffenruhe einzubeziehen, wurden die Gespräche in Washington angesetzt. Dass sie schnelle Ergebnisse bringen, ist nicht zu erwarten.
Wiederholt sich der Aufstieg der Hisbollah?
Die Gespräche werden übertönt vom Klang der Schritte der Soldaten, um wieder den israelischen Militärsprecher zu zitieren. Sie werden übertönt vom Surren der Drohnen und dem Geräusch einschlagender Raketen.
Dass nun wieder eine israelische Fahne über der Festung Beaufort weht, wirft auch die Frage auf, ob aller israelischer Dementis zum Trotz wieder eine längere Besatzung Südlibanons bevorsteht – für viele Libanesen ein düsteres Szenario und womöglich auch für Israel. Denn genau in der Besatzungszeit ist die Hisbollah groß geworden.
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