Zehntausende queere Menschen wollen heute bei der Prager Pride für ihre Rechte demonstrieren. Doch der Anschlag beim Berliner CSD bewegt die Community im Land. Sicherheitsvorkehrungen wurden verschärft.
Am Vormittag dürfte es am Prager Wenzelsplatz wieder stimmungsvoll werden – und gut gefüllt. Etwa 50.000 Teilnehmende werden zur diesjährigen Prague Pride erwartet. Ehe es losgeht, kann – wer will – sich am Rande des Wenzelsplatzes noch an einem der Stände etwas Make-Up verpassen oder in letzter Minute Plakate fertigbasteln, lassen die Veranstalter wissen.
Weil es mit knapp 30 Grad, wie die Tage zuvor, wieder recht heiß werden dürfte, stehen für die Besucherinnen und Besucher Trinkwasserspender zur Verfügung. Bevor sich die Parade um 12 Uhr in Gang setzt, erinnert die queere Community zunächst mit einer Schweigeminute um 11.55 Uhr an die Anschlagsopfer vom CSD in Berlin.
„Es wäre wirklich traurig, wenn diese Tat in Berlin in uns eine Art von Angst wecken würde. Dass wir dadurch nicht mehr für unsere Rechte kämpfen wollen, das wäre im Grunde genommen genau das, was der Attentäter wollte“, sagt Dorota Vasickova, Programmanagerin der Prague Pride.
Hundert Einsatzkräfte im Einsatz
Wegen des Anschlags findet die Parade dieses Jahr unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen statt. Schon seit Beginn der Woche sichert die Polizei verstärkt die Begleitveranstaltungen der Pride Week – also zum Beispiel Konzerte oder Workshops. Im Laufe des Tages sollen mehrere Hundert Einsatzkräfte die gesamte – rund zwei Kilometer lange – Marschroute überwachen.
Sie führt im Prager Stadtzentrum durch einen Straßenbahntunnel hindurch zu einer Insel mitten in der Moldau. Dort werden Reit- und Flusspolizei im Einsatz sein. Auch beobachtet ein Polizeihubschrauber das gesamte Gebiet aus der Luft. Wer Plakate mitbringt, soll sie nach Möglichkeit nur in den Händen halten. Die Veranstalter bitten, keine Holzstangen mitzubringen, Kunststoffalternativen zu wählen.
Tschechien als Vorreiter
Es ist bereits die 16. Ausgabe der Pride in Tschechien. Das Land galt in Mittelosteuropa lange als Vorreiter, was queere Rechte eingeht – Tschechien hatte die eingetragene Lebenspartnerschaft schon im Jahre 2006 eingeführt.
Seit 2025 können gleichgeschlechtliche Paare eine Art Partnerschaft Plus schließen. Die Reform ersetzte die frühere eingetragene Lebenspartnerschaft. Seitdem können homosexuelle Paare etwa das leibliche Kind der Partnerin oder des Partners adoptieren. Im Jahr 2024 hat außerdem das Verfassungsgericht Zwangssterilisationen bei trans Personen für verfassungswidrig erklärt.
„Ich halte Prag sogar für sehr sicher“
Es hat sich einiges getan in Tschechien. Auch ein Grund, die Fortschritte zu feiern, findet Pride-Teilnehmerin Vivien. „Bisher sehe ich hier nur coole Leute und die Atmosphäre ist einfach wunderbar. Es ist toll zu sehen, dass so viele Menschen den Mut haben, ihre wahre Identität und das, was sie ausmacht, zu zeigen“, sagt sie.
Auch Adam und Filip nehmen an der Parade teil. Sie wollen sich von dem Anschlag in Berlin nicht entmutigen lassen. Sie blicken mit Zuversicht auf die Demo heute: „Ich fühle mich in Prag jedenfalls nicht wirklich in Gefahr. Ich halte Prag sogar für sehr sicher, auch was sexuelle Minderheiten anbelangt. Aber man sieht hier auf jeden Fall viele Polizisten und die Veranstalter versuchen schon für Sicherheit zu sorgen.“
„Natürlich ist das, was in Berlin passiert ist, eine absolute Tragödie und ich glaube: Sowas wird sich hier nicht wiederholen. Mithilfe der verschärften Maßnahmen wird das alles schon glatt laufen.“
Nach der Parade wird dann auf der Moldauinsel weitergefeiert. Dort gibt es Musik, Konzerte und Workshops auf fünf Bühnen – damit schließt die Pride Week in Prag.
