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Startseite»Politik»Studie: mRNA-Impfung senkt das Risiko für Hautkrebs-Rückfall
Politik

Studie: mRNA-Impfung senkt das Risiko für Hautkrebs-Rückfall

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 1, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 01.06.2026 • 18:56 Uhr

Die Zahl der Hautkrebs-Fälle ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Eine mRNA-Impfung in Kombination mit einer Immuntherapie könnte auch langfristig vor einem Rückfall schützen – das zeigen aktuelle Daten.

Von Martin Winkelheide, WDR

Nach dem Tennisspielen spürte er plötzlich Schmerzen im linken Arm. „Dann bin ich in die Klinik gefahren. Und dann ist dabei diese Diagnose gemacht worden: Melanom“, erzählt ein Patient aus Hamburg. Er weiß: Auch wenn der Tumor entfernt ist, kann er wiederkommen oder Tochtergeschwulste bilden.

Dieses Risiko ist bei einem Melanom – auch schwarzer Hautkrebs genannt – sehr hoch. Der Patient entschloss sich, an einer Studie teilzunehmen. Sie untersucht, ob eine mRNA-Impfung gegen sein Melanom das Rückfallrisiko senken kann. Die Impfung soll dem Immunsystem beibringen, Tumorzellen zu erkennen und abzutöten.

Effekt auch noch nach fünf Jahren

„Wir wissen, dass bei faktisch jedem immungesunden Patienten mit einem Melanom bereits eine Immunattacke abläuft, das Immunsystem bereits versucht, diese Zellen anzugreifen und zu zerstören“, erklärt Christopher Gebhardt von der Klinik für Dermatologie an der Universitätsklinik Hamburg Eppendorf (UKE). „Diese Immunreaktionen gilt es zu verstärken.“ Gebhardt leitet den Hamburger Teil der aktuell laufenden sogenannten Phase-3-Studie.

Eine erste kleinere Phase-2-Studie mit 157 Teilnehmern konnte bereits nach zwei Jahren zeigen: Die Kombination von Immuntherapie und mRNA-Impfung senkt das Risiko, einen Rückfall zu erleiden, deutlicher als die Immuntherapie alleine.

Dabei wurde Menschen mit schwarzem Hautkrebs zunächst ihr Melanom entfernt. Danach erhielten alle Patienten eine medikamentöse Behandlung als Infusion, eine Immuntherapie. Zwei von drei Patienten bekamen zusätzlich noch einen auf den jeweiligen Tumor angepassten mRNA-Impfstoff. Jetzt, nach fünf Jahren, wurden neue Ergebnisse veröffentlicht, die zeigen: Das Rückfallrisiko bleibt auch langfristig reduziert.

Impfung gemeinsam mit Immuntherapie

Die mRNA-Studien verbinden zwei Konzepte, die beide am Immunsystem ansetzen. Bei der medikamentösen Behandlung per Infusion werden sogenannte Checkpoint-Inhibitoren verabreicht, die das Immunsystem aktivieren. „Tatsächlich wissen wir auch, dass die Medikamente wirksam sind, aber auch dort wahrscheinlich nur bei einem Teil, vielleicht etwa der Hälfte der Patienten. Die andere Hälfte scheint immunresistent zu sein“, so Gebhardt.

Die mRNA-Impfung soll die Checkpoint-Inhibitoren ergänzen, indem sie die Immunzellen gezielt auf die Krebszellen hinweist.

Individueller mRNA-Impfstoff für jeden Patienten

Die Behandlung läuft über ein Jahr. „Ich habe jetzt meine fünfte Infusion und meine dritte Impfung. Von den Impfungen habe ich überhaupt nichts gespürt“, erzählt der Patient der noch laufenden Studie. „Leichter Schmerz an der Injektionsstelle, sonst keine anderen typischen Reaktionen.“

Der mRNA-Impfstoff wird für jeden Patienten passend zu seinem Tumor hergestellt. Dazu wird eine Gewebeprobe an den Impfstoffhersteller Moderna geschickt. Das Erbgut der Tumorzellen wird entschlüsselt und mit dem von gesunden Körperzellen abgeglichen.

„Das, kann man sagen, ist so ein bisschen das Geheimnis der Hersteller und Entwickler, die dann aus dieser Liste der Genveränderungen die aussuchen, die die Informationen für besonders gut vom Immunsystem zu erkennende Eiweißstruktur, nämlich Neo-Antigene bereithalten“, sagt Dermatologe Gebhardt. Dort werde dann eine Zahl von verschiedenen Neo-Antigenen ausgewählt – etwa zwischen 20 und 34 in diesem Fall -, die man dann dem Patienten verabreiche.

Mehr Patienten blieben gesund

Jetzt, nach fünf Jahren, ist noch einmal geschaut worden, wie es den Teilnehmern der Phase-2-Studie geht, wer einen Rückfall erlitten hat und wer nicht. Die Auswertung der Studiendaten ergab: Wenn das Immunsystem erfolgreich lernt, den Tumor zu bekämpfen, dann hält der Effekt lange an.

„Da sehen wir: Es ist kein temporärer Effekt“, sagt Ralf Gutzmer, Direktor der Universitätshautklinik Minden und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie. Es habe weniger Krebsrückfälle und Fernmetastasen gegeben. „Das heißt, mehr Patienten bleiben gesund, obwohl sie sonst ein hohes Risiko hätten, wenn wir die Therapie nicht machen würden.“ Das seien die ersten Daten, die zeigten, dass dieser Effekt auch nach fünf Jahren noch anhalte.

„Könnte die Melanom-Therapie revolutionieren“

Diese neue Erkenntnis bestärkt die Erwartungen, die Mediziner in die mRNA-Impfung setzen. Auch Gebhardt von der Hautklinik am UKE in Hamburg ist optimistisch. „Die mRNA-Vakzin-Technologie könnte die Melanom-Therapie revolutionieren und könnte dazu führen, dass wir mehr Patienten als bis dato von dieser Erkrankung heilen können.“

Noch allerdings ist die mRNA-Impfung gegen das Melanom nicht als Behandlung zugelassen. Als Voraussetzung dafür gilt, dass die große Phase-3-Studie mit mehr als 1.000 Patienten zu ähnlich positiven Befunden kommt. Deren Ergebnisse werden frühestens im Herbst vorliegen.

Und selbst wenn die mRNA-Impfung gegen das Melanom zugelassen wird, bleibt ein Problem: der voraussichtliche Preis. „Es wird sicherlich keine günstige Therapie sein“, sagt Gebhardt. Teuer sei dabei vor allem die einjährige Checkpoint-Inhibitor-Therapie sowie die individualisierten Herstellung, Bereitstellung und Durchführung der mRNA-Vakzinierung. Der Preis könnte bei mehr als 100.000 Euro pro Patient und Jahr liegen, schätzt der Hauttumorexperte. Bislang gibt es nur wenige medizinische Leistungen, die so teuer sind.

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Dr. Heinrich Krämer
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