Tränen im TeamhotelWM-Aus tut Lennart Karl „einfach unbeschreiblich weh“
Kurz vor dem Turnierstart platzt Lennart Karls Muskel und damit sein Traum von der WM. Der Teenager reagiert ergriffen, DFB-Boss Bernd Neuendorf berichtet von Tränen im Teamhotel. Lothar Matthäus spricht Karl Mut zu.
Lennart Karl hat sich nach seinem bitteren WM-Aus mit emotionalen Zeilen zu Wort gemeldet. „Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, aber es tut einfach unbeschreiblich weh, das größte Turnier verpassen zu müssen“, schrieb Karl auf Instagram. Der Shootingstar von Bayern München hatte im Abschlusstraining vor dem letzten Test gegen die USA am Samstag (ab 19.05 Uhr, LIVE bei RTL) in Chicago einen Muskelbündelriss erlitten und verpasst dadurch seine erste Weltmeisterschaft.
Für ihn rückt Assan Ouédraogo von RB Leipzig ins Aufgebot von Bundestrainer Julian Nagelsmann. Der 20-Jährige hatte beim 6:0 zum Abschluss der WM-Qualifikation gegen die Slowakei im November sein Länderspiel-Debüt gefeiert und gleich ein Tor erzielt. Ouédraogo wird in den kommenden Tagen ins WM-Quartier in Winston-Salem anreisen und dort auf die DFB-Kollegen treffen.
Er habe „alles dafür getan, um fit für die WM zu sein. Leider kommen Verletzungen oft zum unglücklichsten Zeitpunkt“, schrieb Karl weiter. Der 18-Jährige hatte sich seine Nominierung mit einer starken Debütsaison bei den Bayern und guten Auftritten bei seinem DFB-Debüt im März verdient. Karl wird nun aus der Heimat mitfiebern: „Ich wünsche meinem Team maximalen Erfolg und unterstütze sie natürlich auch jede Minute.“ Seinen Beitrag, der ein Foto von ihm beinhaltete, in dem er sichtlich platt auf dem Rasen liegt, schloss er mit: „Komme stärker zurück, versprochen.“
Karl war „extrem traurig“
Unter Karls Post auf Instagram sammelten sich schnell tausende Kommentare, darunter viele von deutschen Nationalspielern wie Jamal Musiala, Nick Woltemade oder Antonio Rüdiger, aber auch von Bayern-Kollegen wie Michael Olise und Dayot Upamecano oder dem Schweizer Granit Xhaka.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf berichtete derweil von emotionalen Abschiedsszenen und Tränen im Teamhotel der Fußball-Nationalmannschaft. „Julian (Nagelsmann) war da, hat noch ein paar Worte gesagt, die ganze Mannschaft war da. Er hat auch noch ein paar Worte gefunden, obwohl ihm das schwergefallen ist. Er war extrem traurig, sind auch glaube ich schon ein paar Tränen geflossen“, erzählte Neuendorf von der Zusammenkunft von Bundestrainer und DFB-Stars im Waldorf Astoria.
Karls Verletzung sei ein Dämpfer für die Atmosphäre im Team gut einer Woche vor dem WM-Auftakt am 14. Juni in Houston gegen Curaçao, räumte Neuendorf ein. „Das drückt so ein bisschen die Stimmung, muss man sagen. Er war ja wirklich die letzten Spiele top unterwegs und hat uns viel Freude gemacht“, sagte der 64-Jährige über Karl.
Matthäus‘ Rat: „Schock“ verdauen und weitermachen
Rekordnationalspieler Lothar Matthäus geht das Schicksal des jungen Karl ebenfalls nah. „Du freust dich darauf, du arbeitest dahin, das ist der Traum deiner Kindheit, vielleicht irgendwann mal bei der Weltmeisterschaft dabei zu sein. Und dann, wenn du gerade auch noch wie Lennart Karl in den Himmel geschossen bist nach acht, neun Monaten Profidasein“, sagte Matthäus bei einem DFB-Sponsorentermin in Chicago. „Diesen Schock, den muss er auch vom Kopf her verarbeiten.“
Matthäus richtete den Blick dennoch nach vorne. Es ist aber auch das Risiko, das du als Spieler hast, eben mit Verletzungen klarzukommen, dass sie natürlich zum ungünstigsten Zeitpunkt jetzt gekommen ist. Das ist schlimm genug. Aber ja, es tut mir leid. Es geht aber weiter», sagte der 65-Jährige. Der Weltmeister von 1990 erinnerte an seinen Kreuzbandriss, der ihn um die EM-Teilnahme 1992 gebracht hatte.
