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Startseite»Nachrichten»Tarifbindung im EU-Vergleich: Deutschland schneidet schlecht ab
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Tarifbindung im EU-Vergleich: Deutschland schneidet schlecht ab

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 11, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Im EU-VergleichDeutschland schneidet bei Tarifbindung schlecht ab

Gewerkschaften verhandeln regelmäßig Tarifverträge mit Arbeitgebern aus.

Tarifverträge sollen faire Löhne und Arbeitszeiten sicherstellen. Doch hierzulande sinkt die Zahl der Beschäftigten in tarifgebundenen Unternehmen seit Jahren. Deutschland bleibt damit im EU-Vergleich weit hinter den Spitzenreitern zurück – und lässt unterdessen eine Frist verstreichen.

Nur knapp die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland arbeitet in tarifgebundenen Unternehmen. Damit schneidet die Bundesrepublik im europäischen Vergleich schlecht ab – und ein von der EU geforderter Aktionsplan der Bundesregierung fehlt noch immer. Das kritisiert das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Obwohl die Frist für betroffene EU-Staaten Ende 2025 abgelaufen ist, gehört die Bundesrepublik demnach zu sechs EU-Ländern ohne entsprechenden Maßnahmenkatalog. Laut der Studie haben daneben Kroatien, Luxemburg, Slowenien, Ungarn und Zypern ihre Verpflichtungen nicht erfüllt.

Die EU sieht Tarifverträge als wichtiges Instrument für faire Arbeitsbedingungen, denn bei einer Tarifbindung werden etwa Löhne und Arbeitszeiten zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern ausgehandelt und Mindeststandards zum Arbeitnehmerschutz festgelegt. Die EU-Mindestlohn-Richtlinie verpflichtet Länder mit einer Tarifbindung von unter 80 Prozent dazu, einen Plan bei der EU-Kommission vorzulegen – so auch Deutschland.

Deutschland nur im Mittelfeld

Denn hierzulande arbeitet laut WSI nur knapp die Hälfte der Beschäftigten (49 Prozent) in tarifgebundenen Unternehmen, die Quote sinkt seit Jahren. Damit liegt Deutschland im EU-Vergleich nur im Mittelfeld, weit hinter den Spitzenreitern Italien und Belgien, die demnach 100 Prozent vorweisen können.

Dennoch liege bisher kein Aktionsplan vor, „obwohl Union und SPD sich im Koalitionsvertrag zum Ziel einer höheren Tarifbindung bekannt haben“, kritisieren die Autoren. Die Bundesregierung habe zwar Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände aufgefordert, Vorstellungen für einen Aktionsplan einzubringen, nach einem Spitzentreffen im November 2025 habe man sich aber nicht geeinigt.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales erklärte, man arbeite an dem Plan: „Der Nationale Aktionsplan zur Förderung von Tarifverhandlungen (NAP) wird innerhalb der Bundesregierung weiterhin abgestimmt.“

Griechenland als Vorbild

Nach Ansicht des WSI soll ein Aktionsplan den Ausbau branchenweiter Tarifverhandlungen fördern und Anreize für Arbeitgeber geben, sich Tarifverträgen anzuschließen. Gewerkschaften und Arbeitgeber sollten dabei eingebunden werden, die Vorhaben mit konkreten Maßnahmen und klarem Zeitplan hinterlegt sein. 18 von 27 EU-Staaten waren verpflichtet, bis Ende 2025 konkrete Aktionspläne vorlegen. Erst zwölf hätten das bis Mai getan.

Als Vorbild nennt die Studie Griechenland – obwohl das Land bei der Tarifbindung mit 28 Prozent schlecht abschneidet. Der dortige Aktionsplan erfülle aber die Vorgaben der Richtlinie fast vollständig.

Bei den anderen Aktionsplänen bemängelt das WSI, dass diese überwiegend auf unverbindliche Informations- und Werbemaßnahmen setzen. „Viele nationale Aktionspläne enthalten kaum mehr als Absichtserklärungen.“

Quelle: ntv.de, nbr/dpa

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