Antimon ist einer der wichtigsten Rohstoffe für die Rüstungsindustrie. Den Abbau dominieren Russland und China. Europa könnte den Rohstoff selbst fördern, vor allem in der Slowakei. Doch dies wurde plötzlich gestoppt.
Der Eingang zur Mine Trojarova war bis vor Kurzem noch frei zugänglich. Der verlassene Stollen galt als beliebtes Ausflugsziel in den Kleinen Karpaten. Die bewaldete Hügelkette liegt nur ein paar Kilometer nordöstlich der slowakischen Hauptstadt Bratislava. Doch seit einigen Monaten ist alles abgeriegelt.
Der kanadische Bergbaukonzern Military Metals will hier Gold abbauen – und besonders Antimon. Das silbrig glänzende Halbmetall ist sehr selten, aber essentiell für die Produktion von Batterien, Halbleitern oder Waffen. So wird es etwa zum Härten von Munition, für Präzisionswaffen oder für Wärmebildkameras benötigt.
Größtes Vorkommen in der EU
Nach Probebohrungen sprach Military Metals im April vom größten Antimon-Vorkommen in der ganzen EU. Von 67.000 Tonnen ist die Rede oder von bis zu einem Drittel des jährlichen Antimon-Verbrauchs der EU. „Im vergangenen Jahr ist der Antimon-Preis um 200 Prozent gestiegen. Das heißt, der Wert des Antimons liegt bei rund zwei Milliarden US-Dollar“, erklärt Martin Lendik, Bürgermeister der angrenzenden Gemeinde Pernek.
Die Antimon-Mine Trojarova wurde in den 1980er-Jahren erkundet, aber nach der politischen Wende Mitte der 1990er-Jahre stillgelegt. In der Region wünschen sich viele, dass das auch so bleibt.
Sorge vor Umweltverschmutzung
„Das abgebaute Gestein muss zermahlen werden. Für Investoren sind Antimon und Gold interessant, aber darin sind auch Quecksilber und Arsen enthalten, also Metalle, die unseren Lebensraum zerstören können“, sagt Roman Macs, Bürgermeister von Pezinok. Die frühere Bergbaugegend kämpft noch mit Umweltbelastungen aus dem jahrhundertelangen Abbau von Gold, Pyrit und Eisenerz. Dazu kommen nun Sorgen vor neuen Verschmutzungen des Bodens und des Grundwassers.
Die Kleinen Karpaten locken im Winter mit Skipisten, im Sommer mit Wanderwegen. Das romantische Gebirge ist außerdem die wichtigste Weinbauregion der Slowakei. 3.000 Anwohner unterzeichneten eine Petition, die Bezirkshauptstadt Pezinok geht den Rechtsweg.
Michal Lukac, Sprecher von Pezinok, erklärt: „Wir haben den begründeten Verdacht, dass die Erkundungsarbeiten nicht im angegebenen Umfang ausgeführt wurden. Daher haben wir Beschwerden bei der Generalstaatsanwaltschaft eingereicht. Wir fordern das Aussetzen der Arbeiten und eine transparente Überprüfung.“ Ehemalige Bergleute, die mit neuen Arbeitsplätzen werben, werden kaum gehört.
EU will unabhängiger von China und Russland werden
Die Slowakei hatte das Antimon-Projekt vor zwei Jahren in ihre Erkundungsliste kritischer Rohstoffe aufgenommen und der EU-Kommission gemeldet. Im Juni wollte Military Metals eigentlich eine Machbarkeitsstudie beginnen.
Doch nun gab Umweltminister Tomas Taraba dem öffentlichen Druck nach und entzog dem Unternehmen unerwartet die Explorationslizenz: „Ich komme selbst aus Pezinok. Ich habe kein Interesse daran, dass dort Antimon abgebaut wird.“ Offiziell heißt es, das öffentliche Interesse müsse geschützt werden.
Das Antimon-Unternehmen bereitet eine Berufung vor. Es hält den Stopp des Projekts für unbegründet und für unvereinbar mit der Rohstoffstrategie der Europäischen Union.
Die EU will endlich unabhängiger von Ländern wie China und Russland werden. China kontrolliert mehr als 70 Prozent der Antimon-Produktion und beschränkt seit zwei Jahren den Export. Seitdem sind die Preis explodiert. Das Hin und Her der Slowakei beschädige jedoch den Ruf des Landes als Investitionsstandort ebenso wie die Glaubwürdigkeit Europas, so Military Metals.
Rohstoffabbau soll beschleunigt werden
Das slowakische Wirtschaftsministerium plant derzeit, den Abbau von Rohstoffen zu beschleunigen und Verfahren zu vereinfachen. Doch das Umweltministerium wird von einer rechten Kleinpartei kontrolliert, die auf eine destruktive Politik setzt und sich darüber hinaus mit ihrem Minister streitet.
In der Slowakei gibt es noch ein weiteres großes Antimon-Vorkommen im Südosten des Landes. Auch dies ist eine ehemalige Bergbaubauregion mit alten Umweltbelastungen und neuen Sorgen. Umso wichtiger sei es, dass die beteiligten Akteure bessere Aufklärungsarbeit leisten, fordern Geowissenschaftler wie Peter Kodera von der Comenius-Universität in Bratislava.
Er hält das Verbot der Erkundungsarbeiten für kurzsichtig: „Eine Erkundung ist noch keine Förderung. Die Kenntnis des eigenen Bodenschatzes sollte eine Priorität eines Landes sein.“ Besonders, wenn es sich um einen Rohstoff handelt, den die Welt zweifellos brauche.

