Gastgeber Macron hat beim heute beginnenden G7-Gipfel keine leichte Aufgabe: Frankreichs Präsident muss seinen US-Kollegen Trump bei Laune halten. Im vergangenen Jahr reiste dieser vorzeitig ab.
Da ist zum einen die offizielle Gipfel-Agenda – und da ist zum anderen Donald Trump. Weil ohne ihn gar nichts geht, wird es die vornehmste Aufgabe von Gastgeber Emmanuel Macron sein, den US-Präsidenten bei Laune zu halten, ihn „in Fellrichtung zu streicheln“, wie man auf Französisch sagt, erklärt Jean-Remi Baudot, Leiter des Politik-Ressorts beim französischen Radiosender France Info. Denn eine vorzeitige Abreise Trumps wie beim G7-Gipfel in Kanada 2025 solle unbedingt vermieden werden.
Damit er überhaupt anreist, hatte man bereits im Vorfeld den gesamten Gipfel um einen Tag verschoben – Trumps 80. Geburtstag samt bombastischer Feierlichkeiten in Washington hatte Vorrang.
Zur Erleichterung des Elysée-Stabs nahm Trump kurz vor Gipfel-Start die Einladung Macrons zum herrschaftlichen Dinner im Schloss von Versailles an. Am Mittwochabend, wenn in Évian-les-Bains der Gipfel zu Ende gegangen ist, werden die beiden in royaler Kulisse den 250. Jahrestag der US-amerikanischen Unabhängigkeit feiern. Schließlich sei diese 1783 im Schloss von Versailles offiziell besiegelt worden, betont man in Paris.
Sicherheitsmaßnahmen beim G7-Gipfel
Der Sicherheitsaufwand für den Gipfel ist groß: In und um Évian-les-Bains – zwischen den malerischen französischen Alpen und der mondänen Genfer Seepromenade – werden mehr als 13.000 Polizisten und Gendarmen im Einsatz sein, dazu Hunderte Motorradpolizisten, Feuerwehrleute, Sprengstoffexperten und Spürhunde, aber auch Spezialisten für nukleare oder chemische Gefahren. Auch der Genfer See an sich gilt als sicherheitsrelevanter Bereich. Hier sind Dutzende Taucher und Boote im Einsatz. Die nahe Grenze zur Schweiz ist bis auf wenige Übergänge dicht. In Genf werden rund 50.000 Demonstrierende erwartet. Die Thermalstadt Évian-les-Bains selbst ist weitgehend abgesperrt.
Klimafrage wird ausgeklammert
Auf der Agenda des diesjährigen G7-Gipfels steht als übergreifendes Thema das weltweite Ungleichgewicht: Chinas Handelsüberschuss, Europas Investitionsstau, die Versorgungssicherheit mit industrierelevanten Rohstoffen, die Schulden der USA.
Das gemeinsame Ziel müsse sein, so Macron bei einer vorab anberaumten Videokonferenz mit Vertretern der EU, aber auch Chinas, „die globale Wirtschaft auf einen stärkeren Wachstumspfad zu bringen“. Klimafragen spielen im Gegensatz zu vorangegangenen Gipfeln eine nachgeordnete Rolle, da innerhalb der G7 kein ausreichender Konsens besteht.
Bei einer Protestaktion der Organisation Oxfam in Évian-les-Bains tragen Menschen Masken mit den Gesichtern der G7-Staats- und Regierungschefs.
Der französische Präsident strebt als Vorsitzender des G7-Gipfels ein Abkommen über den Umgang mit Künstlicher Intelligenz und den Schutz von Kindern im digitalen Raum an. Dazu werden einige Größen der Tech-Branche anreisen, wie etwa Open-AI-Chef Sam Altman oder der Chef des französischen KI-Unternehmens Mistral AI, Arthur Mensch.
Im Zentrum der Gespräche dürften aber die Kriege gegen die Ukraine und gegen Iran stehen. Kurz vor Gipfelstart wurde eine Einigung auf ein Friedensabkommen zwischen den USA und Iran bekannt.
Unterdessen halten sich Frankreich, Großbritannien und Deutschland bereit, um die Meerenge von Hormus militärisch abzusichern, sobald alle Bedingungen erfüllt sind.
Europäer wollen Ukraine-Verhandlungen wieder in Gang setzen
Was die Ukraine anbelangt, so hoffen die Europäer, Trump dazu bewegen zu können, die Verhandlungen mit Russland wieder in Gang zu setzen, ohne dabei allzu große Zugeständnisse seitens der Ukraine zu verlangen.
Am Montag wird die G7-Runde – also Frankreichs Präsident Macron, US-Präsident Trump, Bundeskanzler Friedrich Merz sowie die Regierungschefs von Kanada, Japan, Großbritannien und Italien – zunächst zu einem Abendessen zusammenkommen. Zu bestimmten Programmpunkten sollen im Laufe des Gipfeltreffens auch die Staats- und Regierungschefs der offiziellen G7-Gastländer Ägypten, Brasilien, Indien, Kenia und Südkorea dazustoßen. Am Dienstag ist außerdem ein Treffen mit dem Präsidenten der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, geplant.
Starmer, Macron und Merz gelten als geschwächt
Wird es anders als im vergangenen Jahr ein gemeinsames Schluss-Kommuniqué geben? Für Pascal Boniface, Leiter des Forschungsinstituts für internationale und strategische Beziehungen IRIS in Paris, steht dieser G7-Gipfel unter keinem guten Stern. Das Verhältnis zu den USA sei so angespannt wie nie, und die übrigen Mitglieder der G7-Runde sprächen nicht mit einer Stimme.
Während die japanische Premierministerin eine enge Verbündete von US-Präsident Trump ist, gelten die europäischen Leader als geschwächt. Sowohl Großbritanniens Premier Keir Starmer als auch Kanzler Merz sowie Frankreichs Präsident Macron kämpfen im eigenen Land mit katastrophalen Umfragewerten und wirtschaftlichen Problemen. Für Boniface wäre es schon ein Erfolg, wenn es den Europäern gelänge, eine gemeinsame Haltung zu Russland und zum Umgang mit künstlicher Intelligenz zu zeigen. „Wenn das gelingt, ist der Gipfel nicht ganz verloren.“

