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Politik

Nach Schüssen auf Kreml-Kritiker: Verdächtiger festgenommen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 18, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 18.06.2026 • 18:55 Uhr

Der russische Künstler Skrepezki demonstriert mit einer Putin-Karikatur in Berlin. Drei Tage später wird er erschossen. Polens Regierungschef glaubt an einen politischen Mord.

Palina Milling

Was bisher zum Mordfall am russischen Künstler Semjon Skrepezki bekannt ist, klingt wie die Beschreibung einer Hinrichtung. Der Karikaturist soll unweit seines Hauses am Montag bei einem Spaziergang erschossen worden sein. Aus nächster Nähe.

So schildern es einige Augenzeugen gegenüber polnischen Medien. Nach Angaben der Polizei feuerte der Schütze fünf Schüsse ab. Heute früh nahmen die polnischen Beamten – darunter auch die Antiterroreinheit der Polizei – dann einen Mann fest, in einem Hostel in der Nähe von Warschau.

Polens Innenminister Marcin Kierwiński sagte, der Verdächtige habe einen georgischen Pass genutzt und sei demnach 36 Jahre alt. Die Polizei nehme an, dass er auch mit anderen Verbrechen in Polen in Verbindung gebracht werden könne – unter anderem aus dem Jahr 2022, sagte der Innenminister. „Ich betone, dass wir es mit einer Person zu tun haben, die Verbindungen ins organisierte Verbrechen hat.“

Tusk spricht von politischem Mord

Man arbeite daran, mögliche Auftraggeber des Mordes festzustellen. Der polnische Premierminister Donald Tusk hatte bereits einen politischen Hintergrund der Tat ins Gespräch gebracht.

„Alles deutet darauf hin, dass es sich um einen politischen Mord handelt“, sagte Tusk. Aber die Ermittler müssten auf Beweise und konkretere Anhaltspunkte warten. „Sollte dies im Auftrag Russlands geschehen sein, wäre dies ein sehr schwerwiegender Vorfall von internationaler Tragweite. Das ist Staatsterrorismus, eine sehr ernste Angelegenheit.“

Ob sich dieser Verdacht bestätigt, werden die Ermittlungen zeigen. Skrepezki war russischer Staatsbürger. Er lebte nach Angaben der polnischen Behörden zusammen mit seiner Familie seit 2021 in Polen. Polnische Sicherheitsdienste hatten ihm Schutz angeboten – er habe diesen Vorschlag abgelehnt.

Skrepezki demonstrierte vor russischer Botschaft in Berlin

Skrepezki war als Künstler durch seine Karikaturen und Bilder aufgefallen. Darin übte er scharfe Kritik – an ziemlich allen. An der russischen Opposition, an der Ukraine, am belarusischen Machthaber Alexander Lukaschenko, aber vor allem am Kremlchef Wladimir Putin und dem tschetschenischen Anführer Ramsan Kadyrow.

Skrepezki stellte Putin und Kadyrow spöttisch dar. Noch drei Tage vor seiner Ermordung protestierte Skrepezki vor der russischen Botschaft in Berlin und hielt ein Bild hoch. Das Motiv erinnerte an eine Ikone. Allerdings zeigte es Josef Stalin, der Putin im Arm hält.

Der Koordinator polnischer Geheimdienste, Tomasz Siemoniak, sagte: „Die Hypothese darüber, wer hinter dem Mord stecken kann, ist ziemlich offensichtlich. Sie ergibt sich aus den Aktivitäten des ermordeten russischen Staatsbürgers. Er war ein Kritiker von Putin, Kadyrow – also dafür braucht man erstmal keine besonderen Hinweise. Die Beweise dafür wollen wir gewinnen.“

Hauptverdächtiger festgenommen

Skrepezki lebte in Biała Podlaska im Osten Polens. Die Stadt hat etwas mehr als 50.000 Menschen. Aufnahmen vom Tatort zeigen mehrstöckige Häuser, viel Grün, eine ganz normale Wohngegend in einer Kleinstadt. Weil der Tatort in einem Wohngebiet liegt, gab es offenbar Zeugen.

Die polnischen Behörden erklärten, auch Hinweise aus der Bevölkerung erhalten zu haben. Das sei hilfreich für die Ermittlungen und schließlich auch für die Festnahme gewesen. Geheimdienstkoordinator Siemoniak erklärte, die Behörden hätten den Hauptverdächtigen festgenommen.

Ähnlich äußerte sich auch die regional zuständige Polizeibehörde in Lublin. Polizeisprecher Andrzej Fijołek teilte mit: „Laut unserer Ermittlungsarbeit ist es eindeutig die Person, die mehrmals abgedrückt hat und danach vom Ort geflüchtet ist.“

Tatwaffe fehlt

Allerdings haben die Ermittler bisher nicht die Tatwaffe. Von den Behörden war auch nicht zu hören, welche Beweise darauf hindeuten, dass der Festgenommene wirklich der Schütze sei.

Aus den Berichten in polnischen Medien folgt, dass es offenbar mehrere Personen gibt, die etwas mit der Tat zu tun haben könnten. Von Behördenseite gab es dazu keine weiteren Angaben.

Am Montag wurden zwei Belarusen festgenommen. Doch die sind wieder auf freiem Fuß, es würden nicht genügend Beweise vorliegen, die sie mit der Tat in Verbindung bringen würden, hieß es von polnischer Seite.

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Dr. Heinrich Krämer
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