Auch nach dem Wahlsieg seines parteiinternen Kontrahenten Burnham gibt sich der britische Premier und Labour-Chef Starmer kämpferisch. Einen Rücktritt lehnte er erneut ab. Alles läuft auf einen Machtkampf bei Labour hinaus.
Der britische Premierminister Keir Starmer will sein Amt nicht kampflos aufgeben. Wenn es innerhalb der Labour-Partei zu einer neuen Führungswahl komme, werde er nicht einfach den Platz räumen, sondern erneut kandidieren, machte Starmer klar. Zuvor hatte sein Parteikollege und möglicher Kontrahent Andy Burnham bei einer Nachwahl im Nordwesten Englands einen Platz im Unterhaus errungen.
Burnham, bislang Bürgermeister von Greater Manchester, gilt als möglicher Herausforderer Starmers. Der britische Premier gratulierte Burnham dennoch zum Wahlsieg.
Burnham könnte Starmer als Premier ablösen
Burnhams neu errungenes Abgeordnetenmandat hat die Voraussetzung geschaffen, Starmer an der Parteispitze herauszufordern. Weil der Vorsitzende der Regierungspartei in der Regel auch das Amt des Premierministers übernimmt, muss Starmer auch um die Regierungsverantwortung bangen. Burnham kann eine Kampfabstimmung auslösen, um Keir Starmer an der Spitze der Partei und somit auch als Premier abzulösen. Dafür müsste er 81 Abgeordnete der Labour-Fraktion im Unterhaus hinter sich bringen.
Auch Burnhams Siegesrede ließ keinen Zweifel daran, dass er das Land führen will und nicht nur einer von mehr als 400 Labour-Abgeordneten im 650 Sitze umfassenden Unterhaus sein möchte. „Jeder weiß, dass die Politik nicht funktioniert“, sagte er. „Jeder kann spüren, dass das Land nicht dort ist, wo es sein sollte. Dieser Abend könnte wirklich ein Wendepunkt sein.“ Die Partei habe „eine letzte Chance, sich zu verändern“ und das Vertrauen der Wähler zurückzugewinnen, sagte Burnham weiter.
Starmer lehnt Rücktritt bislang ab
Die Umfragewerte für Premier Starmer waren zuletzt schlecht. Bei den Regional- und Kommunalwahlen in Großbritannien im Mai konnte die rechtspopulistische Partei Reform UK massiv zulegen. Auch innerhalb der Labour-Partei herrscht seitdem Panik. Burnham hingegen gilt als Sympathieträger, der sich als Bürgermeister in Manchester einen guten Ruf verschafft hat. Die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt war positiv.
Wann genau nun die Kampfabstimmung gegen Starmer angesetzt wird, ist offen. Wenn Burnham die dafür nötigen 81 Abgeordneten vorweisen kann, könnte das für Burnhams Rückhalt in der Fraktion stehen.
Starmer lehnt einen Rücktritt bislang ab. Er hatte Burnham auch einen Posten im Kabinett angeboten – der Politiker aus Nordengland hat ihn aber nicht angenommen.
Mit Informationen von Christoph Prössl, ARD London.
