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Überraschende Umfrage: Die SPD hat das größte Wählerpotenzial – im Osten die AfD

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 23, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Überraschende UmfrageDie SPD hat das größte Wählerpotenzial – im Osten die AfD

Ein stärker konturiertes Profil könnte der SPD helfen, ihr Potenzial stärker auszuschöpfen. (Foto: picture alliance/dpa)

In den wöchentlichen Umfragen dümpelt die SPD auf einem der hinteren Plätze, noch unter ihrem historisch schlechten Bundestagswahlergebnis von 2025. Umso überraschender: Die SPD hat das größte Wählerpotenzial aller Parteien. In Ostdeutschland ist dies die AfD.

Im aktuellen Trendbarometer von RTL und ntv steht die SPD bei lediglich 12 Prozent. Das ist Platz vier – hinter der AfD, der Union und den Grünen, nur knapp vor den Linken. Ihr theoretisches Potenzial ist allerdings sehr viel größer. Die SPD hat sogar das größte Potenzial aller Parteien.

Zur Erklärung: Bei der Frage nach dem Wählerpotenzial geht es nicht darum, welche Partei man wählen würde, wenn am nächsten Sonntag eine Bundestagswahl stattfinden würde. Hier wird gefragt, ob man sich grundsätzlich vorstellen kann, eine Partei bei einer Bundestagswahl zu wählen. Anders als bei der klassischen Wahl-Befragung sind folglich mehrere Antworten möglich. So ergibt sich das Bild von Wählergruppen, die von den einzelnen Parteien theoretisch erreicht werden können.

Bei der SPD ist dieses Potenzial besonders groß: 37 Prozent der Befragten einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa können sich grundsätzlich vorstellen, der SPD bei einer Bundestagswahl ihre Stimme zu geben – auch wenn sie die SPD derzeit nicht wählen wollen. Weitere 9 Prozent würden die SPD aktuell wählen. Zusammen ergibt sich für die Sozialdemokraten ein Wählerpotenzial von 46 Prozent aller Deutschen. Zum Vergleich: Bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr kam die SPD auf 16,4 Prozent, ein historischer Tiefstand.

Union hat Wählerpotenzial von 45 Prozent

Der Unterschied zwischen den 12 Prozent aus dem aktuellen Trendbarometer und den 9 Prozent aus der Potenzial-Erhebung ist leicht zu erklären: In der klassischen Sonntagsfrage ist der Anteil der SPD-Anhänger wie bei einem Wahlergebnis aufgeschlüsselt. Die Nichtwähler und Unentschlossenen, aktuell 25 Prozent, werden hier rausgerechnet. Deshalb liegt der Anteil der SPD bei 12 Prozent aller Wahlwilligen. Von allen Wahlberechtigten würden derzeit 9 Prozent die SPD wählen. Damit können 9 Prozent der volljährigen Deutschen aktuell als SPD-Anhänger gezählt werden.

Die Union liegt mit einem kombinierten Wählerpotenzial von 45 Prozent knapp hinter den Sozialdemokraten. Allerdings ist die Gruppe ihrer Anhänger mit 17 Prozent deutlich größer. Zusätzliche 28 Prozent können sich vorstellen, CDU oder CSU zu wählen.

Die Grünen erreichen mit einem Wählerpotenzial von 39 Prozent den dritten Platz. Darunter sind 11 Prozent, die aktuell die Grünen wählen würden.

Die Linken, deren ehemaliger Parteichef Jan van Aken am Wochenende ein Wahlziel von 20 Prozent ausgegeben hat, kommen auf ein Wählerpotenzial von 30 Prozent. Davon bilden 8 Prozent den harten Kern ihrer Anhänger.

Bei der FDP ist die Differenz von Anhängern und Potenzial besonders groß: 3 Prozent Anhänger, 26 Prozent potenzielle Wähler, zusammen ein Wählerpotenzial von 29 Prozent.

AfD im Osten mit größtem Wählerpotenzial

Während die Anhänger der demokratischen Parteien zu einem großen Teil wechselbereit sind, können sich derzeit nur wenige von ihnen vorstellen, der AfD in Zukunft einmal ihre Stimme zu geben: Nur 8 Prozent derjenigen, die im Augenblick keine AfD-Anhänger sind, können sich eine Wahl der AfD grundsätzlich vorstellen.

In Westdeutschland ist das Bild ähnlich wie in Deutschland insgesamt. Hier kommt die SPD auf ein Wählerpotenzial von 49 Prozent, die Union auf 47 Prozent, die Grünen auf 42 Prozent. Insgesamt 30 Prozent wollen die Linke wählen oder können sich dies grundsätzlich vorstellen. Bei der FDP ist es ebenso, allerdings mit einem deutlich kleineren Sockel von Anhängern. Die AfD kommt in den westdeutschen Bundesländern auf ein Wählerpotenzial von insgesamt 24 Prozent.

In Ostdeutschland ist das Wählerpotenzial der AfD deutlich größer. Hier liegt sie mit insgesamt 41 Prozent an der Spitze. Auf Platz zwei folgt die CDU mit insgesamt 36 Prozent. Die SPD kommt in den neuen Ländern auf ein Wählerpotenzial von 34 Prozent.

Das Wählerpotenzial der AfD hat Forsa aufgeschlüsselt: Am häufigsten können sich aktuell die derzeitigen Anhänger der FDP grundsätzlich vorstellen, die AfD bei einer der kommenden Bundestagswahlen zu wählen. Von den derzeitigen Anhängern der CDU/CSU können sich das hingegen nur 6, von den derzeitigen Anhängern der SPD und der Linken jeweils nur 4 und von den Anhängern der Grünen nur ein einziges Prozent vorstellen.

Repräsentative Umfrage | Die Daten wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag von RTL Deutschland zwischen dem 16. und 19. Juni erhoben. Datenbasis: 2008 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: plus/minus 2,5 Prozentpunkte.

Weitere Informationen zu Forsa hier.

Quelle: ntv.de, hvo

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