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Startseite»Politik»Erdbeben in Kolumbien: Suche nach Verschütteten unter Zeitdruck
Politik

Erdbeben in Kolumbien: Suche nach Verschütteten unter Zeitdruck

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 12, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 12.08.2026 • 09:18 Uhr

Nach dem schweren Erdbeben in Kolumbien suchen Helfer weiter nach Verschütteten. Für den neuen Präsidenten de la Espriella wird die Katastrophe zugleich zur ersten großen Bewährungsprobe.

Von Christina Moebus, ARD Mexico-Stadt

Mitten in der Nacht feiern Rettungskräfte, Helfer und Angehörige in Calí. Sie heben die Arme, jubeln, rufen: „Ja, wir schaffen das“. Gerade haben sie in der Zwei-Millionen-Einwohner-Stadt eine Person aus einem mehrstöckigen Gebäude gerettet. Ein Moment der Freude in düsteren Zeiten.

Gerade in Calí hat das Erdbeben schwere Schäden angerichtet. Sogar Krankenhäuser sind dort zusammengebrochen. Auch Alvaro Trancoso ist sichtlich überwältigt. Die Feuerwehr hat seine 31-jährige Tochter aus den Trümmern gerettet. Nach fast 30 Stunden.

Die ersten 72 Stunden sind besonders entscheidend

„Ich bin so dankbar! Gott sei dank lebt sie“, ruft der Vater. Sie sei zwischen einer Tür und einer Wand eingeklemmt gewesen. Sie habe eine leichte Verletzung, aber ihr gehe es gut.

Die Zeit rennt für die Rettungskräfte. Die ersten 72 Stunden nach einem Erdbeben gelten als besonders entscheidend, um noch Überlebende zu bergen.

Präsident de la Espriella zeigt sich als Macher

Das Erdbeben ist auch eine Bewährungsprobe für den neuen Präsidenten Kolumbiens. Abelardo de la Espriella ist erst seit Ende letzter Woche im Amt. Verwaltungserfahrung hat er nicht, er ist als politischer Quereinsteiger gewählt worden.

Der Regierungschef reiste schnell nach dem Erdbeben von Montagmorgen in die betroffenen Gebiete und versuchte, sich als Macher zu zeigen, mit heroischen Videos auf seinen Social-Media-Kanälen. „Wir tun, was wir tun müssen“, sagt de la Espriella.

US-Regierung kündigt Soforthilfen an

Dem ultrarechten Präsidenten war die Regierung des linken Vorgängers Gustavo Petro verhasst. Das wird ihm jetzt im Krisenmanagement zum Verhängnis. Ihm fehlen eingeweihte Vertraute an den Spitzen wichtiger Katastrophenschutzbehörden.

Immerhin de la Espriellas Verbündeter, US-Präsident Donald Trump und dessen Regierung, haben Kolumbien bereits Hilfe versprochen: 15,5 Millionen Dollar soll es an Soforthilfe geben. Auch andere Länder, unter anderem Brasilien, Mexiko und El Salvador, haben schon Unterstützung angeboten.

Für Kinder und Frauen ist die Situation besonders schwierig

María Torres ist UN-Koordinatorin für Kolumbien. Neben der Bergung von Überlebenden brauche es jetzt vor allem auch Notunterkünfte: „Viele Menschen haben ihr Zuhause verloren“, sagt Torres.

Bei den Vereinten Nationen befassen sie sich intensiv mit der Lage von Kindern und Frauen, die sich insbesondere in extrem gefährdeten Gebieten befänden. Genau diese Gebiete sind laut Torres am stärksten von den Erdbeben betroffen. „Darauf werden wir uns also jetzt konzentrieren“, sagt sie.

Knapp 4.000 Menschen werden vermisst

Die Katastrophe in Kolumbien mag an die zerstörerische Erdbeben in Venezuela erinnern. Ende Juni sind dabei mehr als 63.000 Menschen ums Leben gekommen. In Kolumbien läuft der Katastrophenschutz allerdings geregelter. Und zumindest in städtischen Gebiete sind die Häuser relativ stabil gebaut.

Auch aus geologischer Sicht gibt es keinen Zusammenhang zwischen den beiden Katastrophen. Gemeinsam haben sie aber das Leid, dass sie über die Menschen gebracht haben. In Kolumbien werden nach Angaben einer informellen Datenbank aktuell knapp 4.000 Menschen vermisst.

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