Marokko vermeidet Blamage
Brasilien nutzt schottische Defensivpanne voll aus
25.06.2026 | 02:03 Uhr
Die brasilianischen Superstars nehmen die Bravehearts zum Gruppenabschluss auseinander und feiern den Gruppensieg. Marokko hingegen kann nach zweimaligem Rückstand eine Blamage gegen einen krassen Außenseiter verhindern.
Samba-Party in Miami: Angeführt von Doppelpacker Vinicius Junior ist Brasilien bei der WM in die K.o.-Phase gestürmt und hat durch ein 3:0 (2:0) gegen Schottland weiter Selbstvertrauen für die Jagd nach dem Titel gesammelt. Zur großen Freude der Anhänger durfte Neymar in der letzten Viertelstunde seine ersten Minuten bei dieser WM spielen.
Schottland muss als Gruppendritter um den Einzug ins Sechzehntelfinale zittern, Brasilien zieht mit drei Toren Vorsprung vor den punktgleichen Marokkanern (7) als Erster der Gruppe C ins Sechzehntelfinale ein, weil die Selecao zum Abschluss der Vorrunde Schottland keine Chance ließ: Vinicius (7./45.+3) und Matheus Cunha (60.) versetzten die brasilianischen Fans mit ihren Toren und einigen Tricks in Ekstase. Danach forderten die Anhänger mit Sprechchören die Einwechslung von Neymar – Trainer Carlo Ancelotti erhörte die Rufe in 76. Minute.
Nach dem zweiten Sieg im dritten Spiel trifft Brasilien im Sechzehntelfinale auf den Zweiten der Gruppe F – das könnten die Niederlande, Japan oder Schweden werden. Der Rekordweltmeister steht zum 15. Mal in Serie in der K.o.-Runde.
Angeführt von der legendären „Tartan Army“ kämpften die Schotten in der Hitze von Miami tapfer, doch nach einem frühen Patzer gerieten sie schon schnell in Rückstand. Die „Bravehearts“ und Edelfan Gerard Butler müssen nun hoffen, dass ihre drei Punkte vom Sieg gegen Haiti noch irgendwie für das Weiterkommen als einer der besten Gruppendritten reicht – und Schottland so erstmals die Vorrunde einer WM übersteht.
Albtraum für Schottland
Das Spiel begann mit einem absoluten Albtraum für die schottischen Fans. Innenverteidiger Scott McKenna leistete sich einen ganz bösen Patzer im Aufbauspiel, Rayan blockte seinen Pass – und Vinicius musste in der Mitte das Geschenk zu seinem dritten Turniertreffer nur noch annehmen.
Die frühe Führung spielte den Brasilianern, bei denen Stürmerstar Neymar nach überstandenen Wadenproblemen zunächst auf der Bank saß, natürlich in die Karten. Schottland wehrte sich mit ordentlich Wut im Bauch so gut es ging, doch wenn es bei den Brasilianern in ihren Kombinationen plötzlich schnell ging, kam die Abwehr um McKenna und Jack Hendry kaum hinterher.
Nach einer Flanke von Bruno Guimaraes war es erneut Vinicius, der goldrichtig stand und locker per Kopf einnicken konnte. Brasilien ließ vor der Pause sogar noch gute Chancen liegen, wie etwa Matheus Cunha (45.) aus kurzer Distanz. Rayan, der den verletzten Raphinha ersetzte, hätte noch vor der Pause alles klarmachen können (45.+6).
Doch natürlich gab sich die Schotten nicht auf, schließlich kann jeder Gegentreffer und jedes eigene Tor beim Erreichen eines Platzes unter den besten acht Gruppendritten entscheidend sein. Und sie erarbeiteten sich auch Chancen, doch zwangsläufig wurden die Lücken in der Defensive größer. So stach Cunha nach einer erneut starken Vorarbeit von Guimaraes zu – und zeigte seinen Surfer-Jubel.
Marokko dreht nach Rückstand auf
Ein Hackentor, ein Strahl in den Winkel – und ganz viel Spektakel: In einem teils wilden Schlagabtausch hat Marokko das Ticket für die K.o.-Runde der Fußball-WM gelöst. Gegen den aufmüpfigen Außenseiter Haiti gewann der Halbfinalist von 2022 sein letztes Gruppenspiel am Mittwoch in Atlanta mit mehr Mühe als gedacht mit 4:2 (2:2). In der Endabrechnung der Gruppe C belegen die Löwen vom Atlas Platz zwei hinter Rekordweltmeister Brasilien und vor Schottland.
Kapitän Achraf Hakimi (39.), Bayern Münchens Wunschspieler Ismael Saibari (45.+1) mit seinem dritten Turniertor, Soufiane Rahimi (78.) und Gessime Yassine (89.) trafen für den Afrikameister. Für den Underdog erzielten Lenny Joseph, der mit dem Absatz ein Eigentor von Marokkos Torwart Bono (10.) erzwang, und Wilson Isidor (43.) mit einem traumhaften Fernschuss die Tore.
Im Sechzehntelfinale trifft die Mannschaft von Nationaltrainer Mohamed Ouahbi in der Nacht zu Dienstag (3.00 Uhr MESZ) im mexikanischen Monterrey auf den Ersten der Gruppe F mit den Niederlanden, Japan und Schweden. Haiti hatte bereits vor dem Duell mit den Nordafrikanern keine Chance mehr auf das Weiterkommen gehabt.
Nach dem 1:1 zum Auftakt gegen Brasilien und dem 1:0-Erfolg gegen die Schotten peilte Marokko kein geringeres Ziel als den Gruppensieg an. Doch erst einmal drückten überraschenderweise vor allem die Haitianer. Unbekümmert stürmte der ausgeschiedene Fußball-Zwerg nach vorne und schockte den Favoriten früh. Eine flache Hereingabe von Jean-Kévin Duverne zauberte Joseph mit der Hacke über den Rücken von Bono ins Tor.
Bayern-Wunschspieler macht Druck
Der Rückstand weckte Ouahbis Spieler auf, vor allem über den agilen Saibari machten sie Druck. Das Transferziel der Bayern (23.), noch bei der PSV Eindhoven unter Vertrag, prüfte Haitis Keeper Johny Placide. Wenig später rettete der Schlussmann bei einer Doppelchance gegen Hakimi und Ayoub El Kaabi (30.). Und dann wurde es plötzlich wild.
Nachdem Placide einen Schuss des Stuttgarters Bilal El Khannouss noch parierte, drückte Hakimi den Ball über die Linie. Doch Isidor, der den Ball aus 20 Metern unnachahmlich ins obere Toreck drosch, stellte vier Minuten später den alten Abstand wieder her. Nur einige Augenblicke danach vollstreckte Saibari eine Vorlage von Hakimi eiskalt zum erneuten Ausgleich.
Auch nach der Halbzeitpause blieb Marokko offensiv dominant, einen satten Versuch von El Khannouss aus der Distanz kratzte Placide gerade so aus dem Eck. Gleichzeitig präsentierten sich Hakimi und Co. in der Rückwärtsbewegung nicht immer sattelfest. Zu fahrlässig erlaubten sie den Haitianern mehrere Kontergelegenheiten, die jene nur nicht gut genug ausspielten. Dann sorgte Rahimi nach einer Ecke für die Entscheidung, sein Schuss aus der Drehung flog abgefälscht ins Tor.
Verwendete Quellen: ntv.de, lme/sid
