Zufahrtsstraßen gesperrtVenezuela schickt Militär in Katastrophenregion
Mehr als 50.000 Menschen werden nach dem verheerenden Doppel-Erdbeben in Venezuela noch vermisst. Im am schwersten betroffenen Bundesstaat La Guira sollen jetzt Soldaten die Sicherheit gewährleisten.
Angesichts der schweren Schäden im Bundesstaat La Guaira durch das Doppel-Erdbeben in Venezuela hat die Regierung die Region im Norden des Landes militarisiert. Die Streitkräfte hätten die Kontrolle übernommen, um die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten und die Arbeit der Rettungskräfte zu erleichtern, sagte der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez.
Am zweiten Tag nach der Erdbebenkatastrophe liegt die offizielle Zahl der Todesopfer in Venezuela bei 920, wie Rodríguez bei der Vorstellung der jüngsten vorläufigen Schadenbilanz mitteilte. Mehr als 3300 Menschen seien verletzt worden. La Guaira wurde von den Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 am Mittwoch (Ortszeit) am schwersten getroffen. Laut dem UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher werden noch mehr als 50.000 Menschen vermisst.
Innenminister Diosdado Cabello kündigte die Schließung der Zufahrtsstraßen nach La Guaira aus humanitären und gesundheitlichen Gründen an. „Es ist notwendig, dass alles geordnet und entsprechend der aktuellen Lage abgewickelt wird“, sagte Cabello im Fernsehsender VTV. Damit wolle man verhindern, dass Menschen dorthin reisten, die dort nichts zu tun hätten. Ziel sei, gesundheitliche Risiken zu minimieren sowie die Bergungsarbeiten zu beschleunigen.
Rodríguez wird ausgebuht
Der Bundesstaat nördlich der Hauptstadt Caracas, in dem sich der internationale Flughafen und der wichtigste Seehafen Venezuelas befinden, ist zum Katastrophengebiet erklärt worden. Mehr als 70.000 Familien seien dort von den Folgen der Katastrophe betroffen, sagte der Innenminister. Die Hoffnung, noch Überlebende aus den Trümmern zu befreien, schwindet. Es bestehe „kaum eine Chance, noch Menschen lebend zu finden“, sagte der Leiter eines chilenischen Rettungsteams, Nadiomar Polanco. Sein Rettungsteam, das zuerst an dem Unglücksort eingetroffen war, berge nun die Toten.
Venezuelas Interimspräsidentin Delcy Rodríguez wurde derweil mit Buhrufen empfangen, als sie ein Erdbebengebiet in einem wohlhabenden Viertel von Caracas besuchte. Anwohner und Angehörige von Menschen, die nach dem Einsturz eines Gebäudes unter Trümmern eingeschlossen sind, hätten „Raus, raus“ gerufen, berichtet eine Journalistin der Nachrichtenagentur AFP. Die Menschen warfen Rodríguez vor, aus der Katastrophe politisches Kapital schlagen zu wollen. „Es reicht jetzt, inmitten einer Tragödie wie der, die wir gerade erleben, Wahlkampf zu machen“, riefen Anwohner. Zudem warfen sie der Regierung vor, „nichts für das Volk“ zu tun.
