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Startseite»Nachrichten»Nur drei Stadien klimatisiert: WM der Wetterextreme: Gefährliche Hitze bei jedem vierten Spiel
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Nur drei Stadien klimatisiert: WM der Wetterextreme: Gefährliche Hitze bei jedem vierten Spiel

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 27, 2026Keine Kommentare7 Minuten Lesezeit
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Die Fußball-WM könnte zum heißesten Turnier aller Zeiten werden. Die extremen Temperaturen, die hohe Luftfeuchtigkeit, die Höhenmeter und Unwetter belasten Profis und Fans. Neue Regeln der FIFA sollen die Spieler abkühlen. Die neuen Trinkpausen haben in Wahrheit aber einen anderen Zweck. 

Drückende Schwüle in dem einen Stadion – heruntergekühlte Temperaturen im anderen. Die Fußball-Weltmeisterschaft ist ein Turnier der Extreme. Von angenehmen 20 Grad in Kanada bis zu 35 Grad im Süden der USA ist alles dabei.

Vor allem aber ist es heiß: Etwa jedes vierte Spiel bei der WM wird bei gefährlicher Hitze ausgetragen, warnen Forschende vom Londoner Imperial College; das betrifft also rund 25 der 104 Spiele.

Besonders glühend ist es in Houston, Dallas, Miami und Kansas City in den USA; ebenso in Monterrey und Guadalajara in Mexiko. Kein Wunder – einige der insgesamt 16 Spielorte liegen in den Subtropen, mit heißen Sommern und tropischen Gewittern. An der US-Ostküste in Miami in Florida kommt noch eine hohe Luftfeuchtigkeit dazu.

„Habe ein T-Shirt komplett durchgeschwitzt“

Der texanische Sommer fühlt sich wie ein „Endzeitszenario“ an, so beschreibt es ntv.de-WM-Reporter Stephan Uersfeld im ntv-Podcast „Wieder was gelernt“. „Es ist unfassbar warm, zwischen 32 und 40 Grad. Man bekommt immerzu Hitze- und Unwetterwarnungen. Auf dem Fanmarsch der Niederländer in Houston zum Stadion habe ich ein T-Shirt komplett durchgeschwitzt und drei Flaschen Wasser getrunken.“ Tagsüber seien auf den Straßen wegen der Hitze kaum Menschen unterwegs. Nur abends seien vereinzelte WM-Fans zu sehen.

Etwa 1500 Kilometer entfernt hält sich ntv.de-Kollege Sebastian Schneider die meiste Zeit auf. Er begleitet die deutsche Nationalmannschaft während des Turniers und ist im Base Camp in Winston-Salem. Die Stadt liegt in North Carolina im Südosten der USA. Er berichtet im Podcast von Temperaturen um die 30 Grad und bis zu 70 Prozent Luftfeuchtigkeit.

Wie in Texas sind auch in North Carolina die Unwetter kurz, aber heftig: „Wenn es regnet, dann ist es kein Niesel, sondern ein Wolkenbruch, der dann aber auch nur 10 bis 15 Minuten dauert“, erzählt Schneider.

Nationalmannschaft macht Hitze „keine Probleme“

Es sind extreme klimatische Bedingungen für alle bei der WM, sowohl für die Millionen Fans als auch für die Profifußballer. Für sie wird es schwieriger, sportliche Höchstleistungen abzurufen. Die sportliche Belastung plus die Wetterextreme könne auch bei einem jungen, hochtrainierten Fußballer potenziell gesundheitsgefährdend sein, hat der Sportmediziner Hans-Georg Predel RTL gesagt. „Das kann beginnen mit muskulären Krämpfen, geht dann weiter bis hin zu neurologischen Ausfällen, koordinativen Störungen, Bewusstseinsstörungen bis hin zum lebensgefährlichen Hitzschlag.“

Auch an der deutschen Nationalmannschaft geht die Hitze nicht spurlos vorbei. „Das Training hier ist sehr intensiv. Auch wenn es nicht so viel ist, spürt man die Hitze und die Luft einfach extrem“, sagt Mittelfeldspieler Nadiem Amiri. Mit den klimatischen Bedingungen kommen er und seine Teamkollegen aber anscheinend gut zurecht. „Wir sind alle Profis. Wir können uns sehr schnell anpassen und bis jetzt hat es uns keine Probleme gemacht.“

Hitze bei der WM: Adidas-„Trick“ soll DFB helfen

Die DFB-Elf kühlt sich vor und nach dem Training und den Spielen mit speziellen Westen und Schuhen runter. Die Kühlwesten sehen aus wie große Eiswürfelbeutel. In den Kammern ist ein Gel, das vor dem Tragen eingefroren wird. Sie können die Körpertemperatur um 0,5 bis 1 Grad senken. Auch die übergroßen Kühlschuhe sind mit dem Gel gefüllt. Diese Kühlausrüstung tragen auch andere Mannschaften. Außerdem hat der DFB in Winston-Salem Ventilatoren mit kühlendem Wasserdampf aufgestellt.

Houston, Dallas und Atlanta klimatisiert

In den ersten zwei Spielen hatte Deutschland Glück: In Houston gegen Curaçao war das Stadion extrem heruntergekühlt, dank riesiger Klimaanlagen. In Toronto waren es ohnehin nur 24 Grad.

Insgesamt sind nur 3 der 16 WM-Stadien klimatisiert: Houston, Dallas und Atlanta. Hier können die Dächer geschlossen und die Stadien – auch auf den Tribünen – heruntergekühlt werden. Perfekte Bedingungen für die Profisportler. Für Sebastian Schneider eher gewöhnungsbedürftig. Das Deutschlandspiel in Houston sei sehr steril gewesen: „Draußen hat der Regen an die Scheiben gepeitscht. Drinnen bekam man nichts davon mit, hat das Wetter ausgeblendet“, erzählt er im Podcast.

Die anderen Spielorte sind Freiluftstadien, die teilweise zumindest überdacht sind. Fans und Spieler sind der Hitze schutzlos ausgeliefert. Deshalb gibt es in den heißeren Städten mehr Abendspiele. Die Besucher dürfen nur eine kleine Flasche Wasser mit ins Stadion nehmen.

Höhenlage macht Südafrika zu schaffen

Auch die Stadien in Mexiko sind nicht klimatisiert. Bei über 30 Grad jetzt im Sommer. Im Stadion von Monterrey kann es schon mal über 40 Grad heiß werden, wie bei der WM 1986. In der „Hölle von Monterrey“ hat Deutschland damals gegen Marokko 1:0 gewonnen. Zu den heißen Temperaturen kommen in den Stadien in Mexiko-Stadt und Guadalajara noch die hohe Luftfeuchtigkeit und die Höhenlage.

Das Estadio Akron in Guadalajara liegt rund 1500 Meter über dem Meeresspiegel, das legendäre Aztekenstadion sogar rund 2200. Dort ist die Luft dünner, hat weniger Sauerstoff – der Körper wird weniger leistungsfähig. Auch Uersfeld „schwirrte der Kopf“ in dieser Höhe, erzählt er bei „Wieder was gelernt“.

Die südafrikanische Mannschaft war extra früh zum Eröffnungsspiel gegen Mexiko angereist, um sich auf die Höhenlage einzustellen, berichtet Uersfeld. Gelungen ist es ihnen am Ende nicht, 0:2 haben sie gegen den Co-Gastgeber verloren. Immerhin trainieren die Mexikaner regelmäßig im Aztekenstadion.

Blick-auf-das-Aztekenstadion-Estadio-Banorte-in-Mexiko-Stadt-Ciudad-de-Mexico-Mexico-City-aufgenommen-am-20-Mai-2026
Blick auf das Aztekenstadion (Estadio Banorte) in Mexiko-Stadt (Ciudad de Mexico, Mexico City), aufgenommen am 20. Mai 2026. (Foto: © Google Earth, Image © 2026 Airbus)

Buhrufe bei Trinkpausen

Gegen die Sommerhitze hat sich die FIFA eine neue Regelung ausgedacht: zwei verpflichtende Trinkpausen, offiziell heißen sie Kühlpausen. Eine in jeder Halbzeit – etwa nach rund 22 und 67 Minuten Spielzeit. Die Trinkpausen dauern drei Minuten. Die kommen am Ende der beiden Halbzeiten als Nachspielzeit wieder oben drauf.

Super für die Spieler, um sich abzukühlen und sich zu erholen. Gerade in den offenen Stadien. Aber auch in den klimatisierten oder nicht so überhitzten Stadien sind die Trinkpausen Pflicht. Damit die Spielbedingungen überall gleich sind. Beim WM-Spiel zwischen Ghana und Panama am 18. Juni gab es im Stadion in Toronto Dauerregen und mit gerade mal 19 Grad war es angenehm mild. Die Zuschauer sahen keinen Grund für die Trinkpausen – und waren sauer über die Unterbrechung. Und das ist nur ein Beispiel von vielen. Auch bei der Partie Deutschland gegen die Elfenbeinküste brauchte niemand zwei Abkühlungen.

Viele glauben, dass die „hydration breaks“ einen wirtschaftlichen Hintergrund haben. Die Sender, die die Spiele übertragen, dürfen während der Pausen Werbung zeigen. Das machen auch ARD und ZDF, zumindest bis 20 Uhr. Magenta TV nutzt jede Unterbrechung für Werbung. Die lassen sie sich teuer bezahlen. Eine Werbesekunde kann bei einem wichtigen Spiel schon mal mehrere tausend Euro kosten. In den USA sind Werbeunterbrechungen bei Sportübertragungen längst üblich.

Die zwei zusätzlichen verändern die Dynamik der Spiele dramatisch, kritisiert Uersfeld. Beim Spiel zwischen Südkorea und Tschechien zum Beispiel habe sie die Tschechen ausgebremst. Am Ende haben sie 1:2 verloren.

Unwetterpausen verlängern Spiele unendlich

Die Zwangspausen können den Mannschaften aber auch helfen: Bundestrainer Julian Nagelsmann hat im Spiel gegen Curaçao seinen Spielern in den Extra-Minuten taktische Tipps gegeben. Deutschland hat dann 7:1 gewonnen, zur ersten „Viertelpause“ stand es 1:1.

Während die Fernsehzuschauer Werbung sehen erleben die Fans in den Stadien etwas ganz anderes, erzählt Schneider im Podcast. „Es kommen Helfer an die Trainerbänke und ziehen dann Kisten mit Wasserflaschen herbei. Die Spieler dürfen die Bänke nicht verlassen. Auf den riesigen Leinwänden läuft der Drei-Minuten-Timer runter. Jedes Stadion hat sein eigenes Unterhaltungsprogramm. In Houston hat eine Mariachi-Band gespielt, in Kanada eine Trommlergruppe.“

Was die Werbung angeht, war das WM-Spiel zwischen Frankreich und dem Irak am 22. Juni ein Glücksfall für den Weltfußballverband. Wegen eines Unwetters rund um das Stadion war das Spiel zwei Stunden und zwölf Minuten lang unterbrochen. Denn auch das ist eine spezielle US-Regelung bei der Fußball-Weltmeisterschaft: Bei Gewitterwarnungen dürfen die Partien nicht fortgesetzt werden. Sollte es in der Wartezeit trotzdem noch einen Blitz geben, wird die Wartezeit von vorn gestartet. Das macht es nahezu unvorhersehbar, ob und wann eine Partie weitergespielt werden kann. Das kann zu sehr langen Spielen führen.

Eigentlich sollten auch beim Spitzenwert von 28 Grad die Spiele unterbrochen werden, fordern die Spielergewerkschaften. Der Wert wurde schon mehrmals bei der WM überschritten. Normalerweise, so sagt die Spielergewerkschaft FIFPRO (Fédération Internationale des Associations de Footballeurs Professionnels) müssten die Spiele dann verschoben werden. In der Realität ist das bei so einem großen Turnier wie der Fußball-Weltmeisterschaft aber kaum möglich.

Der „Wieder was gelernt“-Podcast

Verwendete Quelle: ntv.de

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Dr. Heinrich Krämer
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