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Heute wird in Deutschland der Höhepunkt der Hitzewelle erwartet. Der Städte- und Gemeindebund ruft zum Wassersparen auf, Hausärzte werfen der Bundesregierung Versagen beim Hitzeschutz vor.
Angesichts der extremen Hitze ruft die Bewegung Fridays for Future für Sonntagabend zu einer Demonstration in Berlin auf. „Wir spüren gerade alle, wie die Klimakrise um uns herum eskaliert“, erklärte die Aktivistin Nele Evers. Statt eine wirksame Klimapolitik voranzubringen, befeuere die Bundesregierung weiter die Klimakrise, indem sie auf Öl und Gas setze. Die Demonstration beginnt um 21 Uhr im Invalidenpark. Der späte Zeitpunkt sei gewählt worden, um bei den hohen Temperaturenn die Teilnehmer nicht zu gefährden, hieß es.
In Dormagen in Nordrhein-Westfalen sind wegen der Hitze zahlreiche Bewohner eines Seniorenheims aus dem Gebäude gebracht und medizinisch versorgt worden. In der Nacht sei ein Bewohner gestorben, ob die Hitze ursächlich war, stehe noch nicht fest, sagte ein Sprecher der Stadt im Rhein-Neuss-Kreis auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. Man habe sich am Morgen zu umfassenden vorsorglichen Maßnahmen entschieden.
Seit 7.00 Uhr waren Kräfte in dem überhitzten Gebäude im Einsatz, in dem rund 160 Senioren leben, wie es aus dem Umfeld des Feuerwehr-Einsatzes hieß. Der Stadtsprecher schilderte nach einer Krisensitzung, die Temperaturen in dem Gebäude hätten stellenweise 35 Grad erreicht.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat für den Großteil Deutschlands eine Warnung vor extremer Hitze ausgegeben. „Am heutigen Samstag sind flächendeckend Temperaturen über 36 Grad erwartbar, lediglich an den Küsten ist es etwas weniger heiß“, erklärten die Experten aus Offenbach. „Lokal sind sogar 42 Grad nicht ausgeschlossen.“ Damit würde der erst am Freitag erreichte Hitzerekord erneut gebrochen. Örtlich drohen den Angaben nach zudem Gewitter und Unwetter. Mit 41,3 Grad war die bislang höchste Temperatur in Deutschland überhaupt registriert worden.
Infolge der großen Hitze in Deutschland steigt auch die Temperatur der Gewässer. In Mainz hat die Temperatur des Rheins heute die für Fische kritische Marke von 28 Grad knapp überschritten. An der Obermosel war das Wasser gar 35 Grad warm. Die Behörden seien alarmiert, berichtet ARD-Reporter Axel John.
Der Bahnbetreiber National Express stellt am Nachmittag in Nordrhein-Westfalen wegen der hohen Temperaturen für sechs Stunden den Betrieb aller RRX-Linien ein. Das teilte das Unternehmen in Köln mit.
Betroffen sind zwischen 13.00 und 19.00 Uhr die Linien RE1, RE4, RE5, RE6 und RE11. Die Züge fallen auf dem kompletten Laufweg aus. „Die Maßnahme dient dem Schutz der Fahrgäste und Mitarbeitenden und soll verhindern, dass es unter den aktuellen außergewöhnlichen Wetterbedingungen zu ungeplanten Zugausfällen auf freier Strecke kommt“, so das Unternehmen.
Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) hat die Bürger wegen der Hitze dringend zum Wassersparen aufgerufen und notfalls Verbote ins Spiel gebracht. „Bei dieser Hitze appelliere ich dringend an den gesunden Menschenverstand, in den kommenden Tagen bitte ganz besonders sparsam mit dem kostbaren Wasser umzugehen“, sagte Hauptgeschäftsführer André Berghegger der Neuen Osnabrücker Zeitung.
Zunächst solle so lange wie möglich auf Freiwilligkeit gesetzt werden, sagte Berghegger. „Wenn das nicht funktioniert, müssen die Behörden vor Ort auch Verbote aussprechen.“ Nach seiner Wahrnehmung seien „die Leute aber vernünftig“, sodass „kein Wasser zur Bewässerung von Golf- oder Tennisplätzen verschwendet wird“.
Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband hat der Bundesregierung Versagen beim Hitzeschutz vorgeworfen. „Die Bundesregierung lässt die Praxen beim Hitzeschutz im Stich“, sagte die Verbandsvorsitzende Nicola Buhlinger-Göpfarth den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Den jahrelangen Ankündigungen, man werde das Thema Hitzeschutz endlich priorisieren, sind keine Taten gefolgt.“ Die Politik müsse endlich ihrer Verantwortung gerecht werden, anstatt „eine Absichtserklärung nach der anderen zu veröffentlichen“, betonte Buhlinger-Göpfarth.
Eine strukturierte Beratung in Hausarztpraxen und Pflegeheimen sei unverzichtbar. Dabei gehe es nicht nur um allgemeine Hinweise, ausreichend zu trinken oder die Mittagshitze zu meiden. Oft müssten Medikamente überprüft oder angepasst und Patienten darüber informiert werden, wie hitzeempfindliche Arzneimittel wie etwa Insulin richtig gelagert werden. „Eine vernünftig finanzierte Hitzeschutzberatung in den Praxen wäre das Minimum“, sagte die Verbandsvorsitzende.
Die Städte in Deutschland können laut Umweltbundesamt (UBA) einiges tun gegen Hitze. „Hitzeschutz in Städten muss zur Daueraufgabe werden. Wir brauchen Hitzeaktionspläne, die Zuständigkeiten und den Schutz besonders gefährdeter Gruppen regeln“, sagte UBA-Präsident Dirk Messner der Nachrichtenagentur dpa. „Mit mehr Stadtbäumen, zusätzlicher Verschattung und der Entsiegelung von Flächen können wir die Temperaturen in den Städten aktiv senken und die Bildung von Hitzeinseln reduzieren.“ Vieles lasse sich sofort umsetzen, betonte Messner.
Fünf Senioren sind in einem Altenheim in Krefeld wegen der Hitze kollabiert, Dutzende weitere Bewohner mussten von der Feuerwehr auf andere Zimmer verlegt werden. Mitarbeiter des Altenheims hatten am Freitagabend den Rettungsdienst gerufen, da mehrere Bewohner stark unter der Hitze litten, wie ein Feuerwehrsprecher erklärte. Feuerwehr und Rettungsdienst rückten mit einem Großaufgebot aus. Fünf Bewohner mussten in ein Krankenhaus gebracht werden. Knapp 40 Senioren konnten auf andere Zimmer in kühleren Stockwerken verteilt werden.
Nach dem Temperaturrekord in Deutschland mit 41,3 Grad sind die nächsten Höchstwerte schon in Sicht. Für das Wochenende sagt der Deutsche Wetterdienst (DWD) den Höhepunkt der Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 42 Grad vorher, zudem drohen heftige Gewitter.
Heute werden nachmittags und abends an der Nordseeküste sowie vom westlichen Mittelgebirgsraum bis in den Nordosten lokale kräftige Gewitter und Unwetter erwartet. Auch für Sonntag sind gebietsweise teils schwere Gewitter mit erhöhter Unwettergefahr angekündigt. Laut DWD drohen Sturmböen, heftiger Starkregen und großer Hagel. In der Nacht zum Montag werden erneut schwere Gewitter mit Starkregen erwartet.
