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Politik

Aus Italien zum Weltstar: Wie Bud Spencer Filmgeschichte schrieb

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 27, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 27.06.2026 • 11:33 Uhr

In mehr als 120 Filmen und Serienepisoden hat er mitgespielt, seine Rollen als harter Kerl in Westernkomödien machten Bud Spencer zum Star. Auch zehn Jahre nach seinem Tod wird er noch verehrt.

Zehn Jahre nach seinem Tod erinnern Fans an den Schauspieler Bud Spencer. Als harter Kerl wurde Carlo Pedersoli, alias Bud Spencer, weltweit als Filmstar berühmt. Hinter den Kulissen nannte man ihn aber den sanften Riesen.

Vor zehn Jahren, bei der Trauerfeier für Spencer, erinnert sich sein langjähriger Filmpartner Terence Hill daran, dass Pedersoli hinter der Kamera gar nicht so rau war wie in seinen Filmen. Er habe immer voller Stolz erzählt, dass die beiden sich nie gestritten hätten, sagt Hill.

Vom Fließbandarbeiter zum Olympiaschwimmer

Am 31. Oktober 1929 kommt Carlo Pedersoli in Neapel zur Welt. Während des Zweiten Weltkriegs zieht er mit seiner Familie nach Rom. 1946 siedeln die Pedersolis schließlich nach Südamerika über. Pedersoli wird Fließbandarbeiter in Rio de Janeiro, Bibliothekar in Buenos Aires, Sekretär der italienischen Botschaft in Montevideo. Dann geht er zum Jurastudium nach Italien, das er nach sechs Semestern abschließt.

Bei all dem findet der umtriebige Neapolitaner noch die Zeit, zum Sportstar zu avancieren. Pedersoli ist Anfang der 1950er-Jahre Weltklasseschwimmer. Er nimmt zweimal an den Olympischen Spielen teil: 1952 und 1956. Als erster Italiener schwimmt er 100 Meter Freistil unter einer Minute und beherrscht viele Jahre lang die italienischen Schwimmmeisterschaften in verschiedenen Disziplinen. Zeitweise ist er auch Mitglied der italienischen Wasserballnationalmannschaft.

Dank Lieblingsbier: Aus Carlo Pedersoli wird Bud Spencer

Als römischer Soldat im Monumentalfilm „Quo Vadis“ erscheint Pedersoli das erste Mal 1951 in einer kleineren Rolle auf der Leinwand. Es folgen weitere Engagements, aber noch steht die Schwimmkarriere im Vordergrund.

Das ändert sich Ende der 50er-Jahre. 1959 tritt er das erste Mal mit seinem späteren Filmpartner Terence Hill in dem Monumentalfilm „Hannibal“ auf. Natürlich in Kleinstrollen – und ohne, dass sich die beiden schon kennen.

Terence Hill (links) und Bud Spencer haben 18 Filme zusammen gedreht. Die meisten waren Hau-Drauf-Komödien.

Bis zu seinem Durchbruch als Filmstar ist es noch ein paar Jahre hin. Bis dahin versucht sich Pedersoli als Schlagerkomponist und -sänger. Eine Leidenschaft, die er zeit seines Lebens nie ganz abgelegte.

Ein Filmangebot führt 1967 dazu, dass Pedersoli sich einen Künstlernamen zulegt. Den als Schwimmer bekannten und verehrten Namen Pedersoli will er nicht der Lächerlichkeit preisgeben. US-amerikanische Namen haben sich damals gut verkauft. Also nannte er sich nach seinem Lieblingsbier Bud und seinem Lieblingsschauspieler Spencer Tracy – schon war Bud Spencer geboren.

Siegeszug der Hau-Drauf-Komödien

„Gott vergibt … Django nie“ lautet der Titel des ersten Films von Terence Hill, damals noch Mario Girotti, und Bud Spencer. Ein Film, der noch wenig mit den schlagkräftigen Komödien der späteren Jahre zu tun hat. Es handelt sich um einen echten und harten Spaghetti-Western ohne parodistische Elemente.

Anfang der 70er entdeckt das Kinopublikum, wie lustig es ist, wenn sich Bud Spencer und Terence Hill herumprügeln. „Vier Fäuste für ein Halleluja“, „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“, „Zwei wie Pech und Schwefel“, „Zwei außer Rand und Band“ oder „Das Krokodil und sein Nilpferd“.

Mischung aus Action und Slapstick

18 Filme drehen Spencer und Hill zusammen. Zu ihren Hochzeiten sind die beiden in Deutschland sehr populär und können an den Kinokassen satte Gewinne einstreichen. Die Mischung aus Action und Slapstick trifft den Nerv des Publikums der 60er und 70er.

Obwohl Bud Spencer zu einem Kinostar wird, erinnert sich sein Sohn in einem Nachruf an seinen Vater als bescheidenen Menschen. „Ich empfand ihn als aufrichtigen Familienmenschen, der gegenüber meiner Mutter nie die Stimme erhob und sich trotz seines Erfolgs nie für etwas Besseres hielt.“

Vor zehn Jahren starb Carlo Pedersoli alias Bud Spencer. 2026 wird er auf einem dreitägigen Festival in Rom geehrt.

Synchronfassung mit genialem Schnodderdeutsch

Am Erfolg der Filme in Deutschland haben auch ihre Synchronfassungen großen Anteil. Einer ihrer wichtigsten Gestalter ist der Dialogautor und Synchronregisseur Rainer Brandt. Im Team mit Kollegen wie Karlheinz Brunnemann fügt er den Dialogen zusätzlich Pointen, Wortspiele und flapsige Sprüche hinzu.

„Schnodderdeutsch“ heißt dieser Stil, der die deutsche Wahrnehmung des Komikerduos entscheidend prägt. Viele bis heute zitierte Sätze kommen im italienischen Original nicht vor. Fans lieben die Fassungen gerade wegen dieses anarchischen Humors.

Vor allem in Deutschland erfreuen sich die Filme großer Beliebtheit. Bis heute gehören sie zum Fernsehkanon. Spencers lange Film- und Fernsehkarriere umfasst aber weit mehr als die gemeinsamen Komödien mit Terence Hill: In mehr als 120 Filmen und Serienepisoden spielte Spencer mit.

„Sie nannten ihn Mücke“ aus dem Jahre 1978 gehört zu Bud Spencers größten Soloerfolgen. Es zeigt sich, dass eine Paraderolle auch ohne Kompagnon funktioniert.

Und auch wenn er in seinen Rollen kantiger agiert als privat – sein Lebensmotto gilt wohl für sein Leben vor wie hinter der Kamera: „Futtetenne“. Auch in einem Schlager hat er dieses Motto besungen. Auf Deutsch heißt das so viel wie: „Scheiß drauf“.

Festival in Rom zu Ehren von Bud Spencer

Bud Spencer ist auf dem Campo Verano in Rom in der Grabkapelle der Familie seiner Frau Maria Amato beigesetzt. Deren Vater war ein bedeutender Filmproduzent. Das Grab ist zurückhaltend gestaltet. Es besitzt kein eigenes Gebäude, sondern ist in den umliegenden Grabbereich integriert. Ein stiller Ort des Gedenkens.

Weniger still fällt das Gedenken an anderer Stelle aus. Anlässlich des zehnten Todestages findet in Rom ein dreitägiges Bud-Spencer-Festival statt: mit vielen Shows, Musik und Fanevents. Das zeigt: Bud Spencer wird auch zehn Jahre nach seinem Tod verehrt – und er ist auch heute Teil der Popkultur.

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